Willemsen, Becker, Kehr, Kaléko

Vorweg ein herzlicher Dank für die freundliche Zusendung eines Buchs von der Wunschliste. Nämlich „Figuren der Willkür“ von Roger Willemsen, mit einem Nachwort von Insa Wilke, hier die Verlagsseite dazu. Ich freue mich auf die Lektüre, das klingt alles sehr gut.

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In unserem kleinen Bahnhofsviertel leben etliche Prominente, denen ich daher vermutlich auch oft begegne. Allerdings bin ich nicht gut darin, sie auch zu erkennen. Zum einen, weil das mit den Gesichtern ohnehin so eine Sache ist, bei der ich manchmal gewisse Schwierigkeiten habe. Zum anderen auch deswegen, weil ich nie fernsehe und etliche Menschen, die anderen sehr wohl vertraut sein dürften, in den letzten Jahren nie oder fast nie zur Kenntnis genommen habe. Womit allerdings kein Werturteil verbunden ist.

Ich erkenne den einen bekannten Theaterschauspieler, der sich freundlicherweise oft als solcher zu erkennen gibt, indem er ein Büchlein in der Hand hält und lesend und deklamierend, Text übend und dezent gestikulierend die Wege geht, die ich auch gerne gehe. Das ist also einfach, er spielt in einem gewissen Sinne in diesen Situationen den Schauspieler, der er ist. Das macht es mir leicht.

Neulich stand ich an einer Ampel und sah auf einem dieser furchtbaren, riesigen Werbebildschirme mit Bewegtbild eine Nachricht zu einem anderen bundesweit vertrauten und vermutlich sehr beliebten Schauspieler. Und merkte dann, dass der gerade live neben mir stand und sich kopfschüttelnd selbst ansah, wie er da oben angezeigt wurde. Eine eher irritierende Erfahrung.

Ich erkenne selbstverständlich meinen Nachbarn Udo Lindenberg. Den man auch kaum nicht kennen und erkennen kann, denn er ist ein sehr ausgeprägter Udo Lindenberg. Ich habe vor etlichen Jahren auch einmal den oben erwähnten Willemsen erkannt, als er beim Bäcker vor mir in der Reihe stand und Schwarzbrot kaufte.

Ich erkenne Sven Regener, wenn er hier manchmal auf Durchreise ist. Es gibt darüber hinaus einige, von denen ich zuverlässig weiß, dass sie hier um die Ecke wohnen, die ich aber noch nie bewusst gesehen habe. Vielleicht liegt es an meinen mangelnden Fähigkeiten bei der Personenerkennung, vielleicht liegt es auch daran, dass sich ihre Privatpersönlichkeit erheblich von ihrer Bühnen- oder Bildschirmpersönlichkeit unterscheidet.

Es ist aber auch vollkommen egal, denn ich jage selbstverständlich keinen Prominenten hinterher. Ich würde auch kein Autogramm haben wollen und würde gewiss niemals jemanden wegen eines gemeinsamen Selfies belästigen. Allein der Gedanke.

Einen habe ich zuverlässig erkannt und oft auf meinen Spaziergängen getroffen. Also getroffen im Sinne einer nachbarschaftlichen, jahrelangen Kopfnickbekanntschaft. Den kann ich nun nicht mehr im Vorbeigehen grüßen: Rolf Becker. Hier der Nachruf beim NDR und in diesem Sinne: Ein letztes Nicken vom Schreibtisch aus.

Ich habe vermutlich nicht alle seiner Einstellungen geteilt, aber er war ein stets engagierter Mensch, Bürger und Nachbar, das muss unbedingt besonders und als beispielhaft gewürdigt werden.

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Und wo ich gerade bei Schauspiel und bei dem Einüben von Texten war, hier noch etwas Schönes unnd saisonal Passendes von der Kehr mit der Kaléko. Ein besonders schöner Zufall, dass die Beckers im Gedicht vorkommen.

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Das Dampfschiff Sankt Georg auf der Alster

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Ein Kommentar

  1. Ach doch, Menschen nervig nach Autogrammen fragen – mach ich gerne. Irgendwann war Hans Peter Korff mal beim MDR zu einer dieser schmonzigen Nachmittagssendungen eingeladen und saß verloren an einer Straßenbahnhaltestelle. Obwohl man Uhlenbusch im Osten eher weniger gesehen haben dürfte (wiewohl man es immer durfte) fragte ich ihn spontan, ob er Onkel Heini sei, er nickte und gab mir dann sogar noch ein Autogramm. Ich schrieb schon mal darüber.

    Sonst so laufen einem hier nur lokale Berühmtheiten über den Weg, der Kabarettist und Schriftsteller Bernd-Lutz Lange (einer der sechs Männer [Sechs von Leipzig], denen wir die Friedlichkeit der friedlichen Revolution zu verdanken haben) z.B. immer mal. Das Übersetzerpaar Böhnke habe ich mal im Park streitend erlebt, auch schön. Zuletzt im heimischen Supermarkt sah ich das markante Gesicht von Daniela Krien (mit diesem Gesicht von „bitte erkennen Sie mich mal eben nicht“).
    Friedrich Magirius hab ich mal an der Buchladenkasse vorgelassen, die frühere Rektorin der hiesigen Uni durfte ihr Rad auch schneller reparieren lassen (hab mich nur nicht vor ihrer Magnifizienz verbeugt), Andreas Reimann hat immer gelächelt, aber da lebte sein Lebenskellner noch… Lange her.

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