Die Präsi des Jahres

Schon wieder etwas mit Kultur gemacht, nämlich die Show, Lesung, Power-Point-Präsentation von Katja Berlin besucht. Die im Imperial Theater auf der Reeperbahn auftrat, wo ich damit auch zum ersten Mal war, eine Premiere jagt hier die nächste. Dort laufen normalerweise Krimistücke. Ein kleines Theater ist es, so klein, dass man sich größere Menschen darin kaum vorstellen kann. Ich habe Bekannte mit über zwei Meter Länge, die müssten sich beispielsweise bei einem Besuch der Toiletten dort wohl derart kompliziert in diese winzige Kabine falten, Origami nichts dagegen.

Die Bühne im Imperial-Theater für Katja Berlin

Sonst aber alles super, gute Plätze, gute Show. Die tatsächlich im Kern eine PowerPoint-Präsentation der berühmten Torten der Wahrheit ist, welche sicher allgemein bekannt sind aus der Zeit und aus ihren Büchern. Und natürlich ist es die einzige PowerPoint-Präsentation des Jahres, die im Ernst als unterhaltsam durchgehen kann. Die man sich daher unfassbarerweise freiwillig ansieht, ja, für die man sogar bereit ist, Eintritt zu bezahlen. Ich trete meinem Arbeitgeber sicher nicht zu nahe, wenn ich feststelle: In meinem Brotberuf kommt so etwas nicht vor. Dort wird mir so etwas niemals in ähnlicher Art und Qualität präsentiert, dort zahlt man umgekehrt mir Geld, damit ich die Präsentationen im Arbeitsalltag über mich ergehen lasse, und es fühlt sich dann nicht zwingend wie gutes Theater an und manchmal nicht einmal wie Unterhaltung. Sie werden es kennen, nehme ich an.

Katja Berlin aber dreht das Konzept souverän. Eventuelle Zweifel, ob so ein eher einmaliges Auftrittsprogramm aufgehen kann, werden schnell zerstreut, ihre Pointen sind, da kann kein Zweifel bestehen, meisterinnenhaft, und sie kommen in schneller Folge. Aber gut, das weiß man auch schon vorher, wenn man ihr Schaffen seit längerer Zeit verfolgt. Also seit damals auf Twitter etwa, die Älteren erinnern sich. Um die Künstlerin zu zitieren: „Damals schrieb man auch noch Blogs.“

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Gehört habe ich drei Podcasts für den Freundeskreis Bildungsbürgertum. Zum einen „TikTok-Held und Sprachmagier – Worin liegt die Faszination Rilkes?“ Eine Sendung beim SWR, 44 Minuten.

Dann eine Folge im philosophischen Radio: „Willi Winckler: Hannah Arendt und die Banalität des Bösen“. Willi Winckler ist einer ihrer Biografen, die Sendung ist 53 Minuten lang.

Im Kontext dazu noch eine Folge „Sternstunde Philosophie“ beim SRF, auch als Video verfügbar: „Hannah Arendt – die Jahrhundertdenkerin“. Eine weitere lehrreiche Stunde lang, mit einer weiteren Biografin, Grit Strassenberger.

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Und dann noch eine Instagram-Empfehlung. Und zwar ein Account, auf dem etwas gezeigt wird, was ich gerne hätte. So oft kommt das nicht vor, dass ich vor Bildern sitze und denke: „Oh ja. Das hätte ich gerne.“ Es ist dann immerhin ein Wunsch, der als Gedanke reicht. Ich muss also meine Energie nicht darauf verwenden, das auch noch auf womöglich anstrengende Weise Wirklichkeit werden zu lassen.

Es wäre dummerweise auch recht teuer, es ist also ein Fall für die bekannten Gedankenspiele à la „Wenn ich Millionär wäre“. Wobei die Betonung auf „Spiel“ liegen muss, sonst kann es keinen Spaß machen. Dann jedenfalls, wenn ich Millionär wäre, dann würde ich unsere Wohnung mit reichlich Mid-Century-Zeug möblieren, denn meine Zuneigung wird über die Jahre immer noch intensiver. Möbel, wie sie etwa auf diesem Account gezeigt werden, Mid-Century Friends.

Ein Account, dem auch die Herzdame folgt, wie ich gerade sehe, und abgesprochen war dies nicht. Wären wir also Millionäre, wir könnten uns vermutlich auf das Interieur des Westflügels mühelos einigen, was man auch als tröstlichen Gedanken durchgehen lassen kann.

Etwas Fantasie vorausgesetzt.

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Kirchenpauerkai in der Hafencity, das Elbufer, auf der anderen Seite die Kräne

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