Elli, der Abgesang

Der Sonnabend verbleibt vom Wetter her etwas öde und ereignisarm, das ist nach der aufwändig inszenierten Show durch das mit Pomp and Circumstance durchrauschende Tief Elli am Freitag ein wenig ernüchternd. Aber natürlich ist es in Ordnung und besser für alle Beteiligten, wie man etwas widerstrebend und bei aller Sensationslust doch zugeben muss. Immer diese Erwachsenen-Vernunft, sie ist manchmal auch ein wenig lästig.

Ein kleiner Schneemann vor einem Geschäft

Es schneit also nicht mehr. Es eisregnet auch nicht, blitzvereist nicht, es weht nicht einmal mehr und es friert nicht rekordmäßig. Das Wetter kann auf einmal gar nichts mehr. Sogar das Licht ist an diesem Tag mäßig und mau, ist grau und flau, es macht alles nichts mehr her da draußen. Die im Sturm malerisch eingerissene Hamburgfahne auf dem Hoteldach gegenüber wirkt in diesem Licht blass und bestenfalls mattrot, dabei müsste die Farbe doch signalkräftig leuchten. Vielleicht aber hat der Wind am Vortag die Farbe gründlich aus dem Stoff geprügelt, hat alles schwach und abgekämpft zurückgelassen, was hier unter freiem Himmel war.

Selbst unten an der Alster will es nicht recht fotogen wirken, was die Winterlandschaft noch zu bieten hat. Ich gebe es schließlich auf und kümmere mich lieber am Schreibtisch um liegengebliebenes Admin-Geraffel, versuche dabei bemüht, mir das Abarbeiten bei Kaffee, Keksen und schummeriger Beleuchtung als „gemütlich“ einzureden. Mit immerhin mäßigem Erfolg.

Eine sehr kleine Schneefigur

Die Feuerwehr, sehe ich dann später beim zweiten Spaziergang des Tages, schlägt hoch über den Fußwegen Eiszapfen bedeutender Größe von Dachrinnen, Überständen und Balkonen, damit hier eher unübliche Todesarten des Winters möglichst weiterhin nicht vorkommen. Von unten sehen Menschen interessiert und, wenn sie noch etwas kleiner sind, auch deutlich enthusiasmiert zu, machen Fotos und Filme, loben laut und preisen diesen Einsatz. Der Mann an der Drehleiter und auch der Mann ganz oben lachen beide und winken dem Publikum. Es ist insgesamt eine jener seltenen Hamburger Szenen, die dadurch auffallen, dass nahezu alle Beteiligten gut gelaunt wirken. Man sieht es hier nicht so oft in dieser Ausprägung.

Die Durchschnittslaune sieht man aber weiterhin und wie zur Beruhigung auf den Gesichtern der Fahrer (alle männlich, aber das wird ein Zufall sein) in den Autos, die wegen des Feuerwehrwagens nicht durch die enge Straße kommen und jetzt für längere Zeit hier feststecken, denn es hängen verdammt viele große Eiszapfen da oben. Diesen Fahrern ist die Lust, sich gründlich ins Lenkrad zu verbeißen, deutlich an ihrer Mimik abzulesen.

Das bereits gestern kurz angedeutete Vernunftwunder geht aber noch einen Tag weiter, denn es hupt merkwürdigerweise niemand. Fast möchte man es nicht glauben, und ich prüfe also noch einmal, ob es nicht vielleicht am Noise-Cancelling meiner Kopfhörer liegt, dass ich nichts höre. Aber dem ist nicht so. Daher fällt diese kleine Szene fast schon in die Rubrik „Was schön war“, so überaus seltsam ist dieses fast schon besinnliche Vorkommnis.

Ein Feuerwehrmann auf einer Drehleiter an einer Dachkante

Noch einige gerade angefallene Winterlinks:

Nicola hat ihren ersten Newsletter „Gute Frage“ geschrieben. Es geht, passend zum Januar, um Anfänge und ist wie immer bei ihr reich an Links, Inhalt und Überlegung. Meine Empfehlung zur Anmeldung versteht sich.

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Die geschätzte Landlebenbloggerin schreibt über das Rodeln. Angereichert, wie für unsere Generation üblich, mit ihren Erinnerungen. Dazu noch eben der Hinweis, dass die Buddenbohmschen Söhne leider kaum nennenswerte Rodelerinnerungen bewahren können. In den entscheidenden Jahren gab es nicht genug Schnee in dieser Stadt. Nur als sie noch sehr klein waren, kaum werden sie es noch wissen. Bei Sohn II bin ich nicht einmal sicher, ob er sich überhaupt an Rodeltage erinnert.

Ich könnte nachfragen, aber er chillt gewiss gerade. Und da möchte man bekanntlich nicht gestört werden. Siehe Nickerchen, wie Menschen meines Alters noch sagen.

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Carola hat wie immer feine Bilder von Wismar im Schnee. Alle ihre Wismar-Bilder sehen stets so aus, dass die Stadt sie dafür bezahlen müsste, so etwas dermaßen lockend zu verbloggen.

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Christian hat an den langen Winterabenden Musik gemacht und außerdem eine Bitte.

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