Zwei Terminhinweise zum Thema Literatur in Hamburg. Zum einen liest Nefeli Kavouras am 10.2. um 19:30 im Literaturhaus aus ihrem Debütroman „Gelb, auch ein schöner Gedanke“. Das Buch kenne ich nicht, aber Nefeli kenne ich, und Nefeli ist super. Das könnte in oft bewährter Ableitung bei dem Buch dann auch so sein.
Zum anderen gibt es in der Freien Akademie der Künste einen Abend mit Susanne Fischer und Jan Philipp Reemtsma zu Arno Schmidts Tagebüchern 1957 bis 1962, gerade erst erschienen. Am 29. Januar um 19 Uhr.
Schmidt hat bekanntlich keine riesige Fan-Base in der Literature-Bubble, ich grüße an dieser Stelle aber herzlich nach Berlin und weiß, es wird ankommen.
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Jetzt habe ich den Analogtrend schon ein paar Tage nicht erwähnt. Er wächst und gedeiht währenddessen weiterhin, umrundet den Globus und wird dabei reich bebildert und geschildert. Dermaßen deutlich, dass ich annehme, durch das ganze Jahr hindurch Anmerkungen und Beobachtungen dazu notieren zu können.
Aktuell sah ich etwa auf Instagram jemanden, der sich mit dem Rawdogging beschäftigte. Das zwar schon seit längerer Zeit ein Trendthema ist, aber nun mit dem Analogtrend frisch in Verbindung gebracht und also belebt werden kann. Nicht das sexuelle Rawdogging, versteht sich, das andere ist gemeint. Die jugendfreie Version, so wie sie etwa hier beim WDR kurz erklärt wird.
Wobei das Paradox der Digital-Analog-Verbindung auch in diesem Fall erheiternd ausgelebt wurde. Denn der Creator filmte sich beim Rawdogging auf seinem Sofa und stellte diese Clips dann hinterher selbstverständlich auch online. Was eine merkwürdige Art von Rawdogging zulasten derjenigen ist, die sich das auf Instagram ansehen und dabei und dadurch eher das Gegenteil ausleben.
Aus der so mühsam erarbeiteten analogen Ruhe wird hier im Grunde eine digitale Belästigung gedrechselt. Oder ein möglichst viral gehendes Unterhaltungsangebot, wenn man es positiver sehen möchte.
Es bleibt doch etwas vertrackt, diese beiden Enden logisch und schlüssig zu verbinden, denke ich. Und es bleibt für mich auch erheiternd, dass diese oft sehr jungen Menschen sich da nach einer Zeit sehnen, die sie vollkommen falsch einschätzen. Was ich deswegen weiß, weil ich dabei war. Und wie ich dabei war, 24/7, und jedes Wochenende ein Rawdogging-Festival im oben beschriebenen Sinne.
„Ich war schon nostalgisch, da wart ihr noch gar nicht geboren“, möchte ich dieser Jugend zurufen. Aber sie hören ja nicht zu, weil sie so damit beschäftigt sind, das zu inszenieren, was sie für ein goldenes Zeitalter halten, und was für mich damals eine nicht eben beseligende Gegenwart war.
Na, wie auch immer. Kopfschüttelnd aus dem Schaukelstuhl gesendet.

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