Meine Mutter erzählt mir von seltsamen Träumen, die sie in diesen Nächten hat, ganz als seien jetzt erst die bekanntlich besonders durchlässigen Raunächte dran. Von Dämonen der Vergangenheit und auch anderen erzäht sie, die ihr da nächtlich begegnen, in ganz ungewöhnlich plastischer Deutlichkeit, geradezu fantasyfilmtauglich. Ich höre es mit großem Interesse, denn es geht mir auch gerade so, und zwar im stark auffälligen Bereich. Familienähnlichkeiten ergeben manchmal seltsam verschlungene Linien.
Träume habe ich mitten im Januartief jedenfalls gerade, und zwar gleich reihenweise und bestens erinnerbar, die ich eigentlich einer Therapeutin erzählen müsste, um mich wenigstens ein wenig von ihnen zu entlasten. Und ich habe auch solche, die ich nicht einmal einer Therapeutin erzählen würde. Außerdem noch solche, die könnte ich, wäre ich Autor in diesem speziellen Genre, also in dem mit diversen Wesen der Finsternis auf dem Einband, einfach abschreiben. Für den Entwurf zum nächsten 400-Seiten-Wälzer über andere und eher nächtliche Welten.

„Maxi hat zu viel Fantasie“, wie es schon im Grundschulzeugnis damals hieß. Nein, Phantasie wird dort sicherlich noch gestanden haben. Ab und zu fällt mir auch dieser Satz wieder ein und ich murmle dann im tiefstmöglichen Tonfall, irgendwo da unten im Register für Figuren von Bram Stoker: „Sie haben alle nie verstanden, was ich wirklich sehe.“
Dann gehe ich runter in den Keller, um dort ein wenig zu lachen.
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Ein neues Hörbuch habe ich passend dazu begonnen, und zwar die „Elixiere des Teufels“ von E. T. A. Hoffmann, in denen es kaum gelingt, zwischen den Welten der Wirklichkeit und denen des Wahns zu unterscheiden. Verfügbar ist das Buch in der ARD-Audiothek, gelesen von Peter Lieck. Es ist eines der lange aufgesparten Bücher, ich kenne es erfreulicherweise noch nicht. Und das ist gut so, denn man möchte doch jederzeit Schätze auf Vorrat haben, und keineswegs nur in Bezug auf schnödes Geld.

Wie bei fast allen Büchern aus dem 19. Jhdt. kann heute schon der Tonfall, ganz unabhängig von den Verwicklungen der Handlung, von der Moral, der Intention etc., als mindestens milde sedierend durchgehen. Einfach durch das andere Tempo und Konzentrationsvermögen jener Zeit, welches sich in jedem Satz ausdrückt. Im ruhigeren Aufbau der Gedanken, im gefälligeren, bedachteren Sprachrhythmus und in der geduldiger inszenierten Abfolge der Ereignisse. Das gilt sogar für einen Roman wie diesen, den Hoffmann laut Wikipedia „in wenigen Wochen herunterschrieb.“
Mittlerweile lese ich solche Klassiker vermutlich längst aus therapeutischen Gründen, was eine unbewusste, aber immerhin zielführende Wahl war. Denn sie wirken sogar, wie schön ist das denn.

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Interessant, ist Hörbuch hören auch lesen?
Ja, für mich schon, aber das mögen andere vielleicht anders definieren, was dann auch in Ordnung ist.
Seltsam. Das mit den Träumen geht mir auch so. Zwischen den Jahren habe ich wenig geträumt und vor allem farblose Variationen von „irgendwas mit der Arbeit“. Aber seit ein paar Wochen geht es richtig ab in meinem nächtlichen Traumtheater. Leider auch mit diversen Albträumen.