Obwohl sich in dieser momentan dunkelgrauen, regendurchweichten und streusandverunreinigten, stak versalzenen Stadt mit schmuddeligen, braunschwarzweißen Schneerändern und herumliegenden Eisscherben niemand zuverlässig erinnern kann, ob es in diesem Jahr überhaupt schon einmal eine Aufführung von so etwas wie schönem Wetter gab, also abseits von immerhin halbwegs attraktivem Schnee, von Schneeregen, Nebel, Dunst etc., wurde doch in dieser Woche der entscheidende Schalter umgelegt. Am Mittwoch war es. Und wäre es mir nicht in drei, vier Gesprächen bestätigt worden, ich hätte es diesmal vielleicht auf meine überbordende Fantasie oder Sehnsucht geschoben. So wenig passten das Wetter und die Kulisse des Stadtteils zu meinem Eindruck.
Aber okay, andere sahen es auch. Ich weiß es jetzt. Daher nehme ich es als Fakt, dass es also diese gewisse Änderung im Licht gab, die nicht nur mich in jedem Jahr wieder enorm fasziniert.
Ich weiß, ich schreibe es immer wieder. Aber ich finde es zu und zu schön, dass es bei uns irgendwann im Februar diesen besonderen Lichteffekt gibt, bei dem so viele Menschen auf einmal ein urzeitlich anmutendes Reaktionsmuster in sich spüren. Bei dem sie wie witternd kurz stehenbleiben, sinnend verharren und in den Himmel, in das Licht sehen und instinktiv wissen – etwas ändert sich nun. Und zwar gründlich und bald.
Man weiß ab diesem Moment sicher um den Frühling. Auch wenn von dem sonst rein gar nichts zu sehen oder zu fühlen ist. Man hat ihn dennoch erkannt, und es hat etwas ungemein Erfreuliches und seltsam Tröstliches, wenn man damit nicht allein ist. Ein sehr altes Programm ist es, das bei vielen von uns noch läuft und läuft, eine Rückkoppelung an jagende und sammelnde Vorfahren wird es sein.
Ganz präzise war die Änderung im Licht diesmal. Keine betont lyrische, nur vage zu ahnende Angelegenheit war das, kein leiser Harfenton von weit. Eher war es das plötzliche Zuschalten eines Filters. Fast so deutlich und auch so schnell, als hätte es dabei ein gut hörbares Klicken über der Stadt geben müssen, eine Art Einrasten. Es war auch nur wenig Zeit dafür. Gerade eine Viertelstunde gab es, in der die Winterwolken zwar nicht aufrissen, aber doch etwas fadenscheiniger wurden, etwas durchlässiger, und in diesen wenigen Minuten konnte man es sehen.
Dann regnete es schon wieder auf gewöhnliche Art weiter. Dann wurde es auch gleich wieder dunkler und man musste den Blick erneut senken. Schon wegen der lästigen Tropfen auf der Brille, aber auch wegen der mühsam gehaltenen Konzentration auf die kippelige Stimmung. Weil Februar, weil Norddeutschland, weil Durchhalten.
Aber Bescheid wissen wir jetzt dennoch, und das ist sehr gut so. Und die Wetter-App vermeldet kurz darauf den Beginn des Vorfrühlings, als würden wir der Bestätigung bedürfen. Lässig „Weiß ich doch“ beim Lesen sagen, diese Meldung dabei wegwischend wie einen weiteren Regentropfen des Februars.

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Allem Anfang wohnt ein Zauber inne…
In meinem Garten blüht sie schon, die Zaubernuss. ?
Vielen Dank, das gibt mir heute, da in Berlin die Temperaturen wieder von 8 auf 1 Grad gefallen sind, Hoffnung. Ich werde also gleich schnuppernd mit dem Fahrrad zur Arbeit fahren und hoffen, dass dabei keine Schneeflocken in der Nase landen. Viele Grüße und schönes Wochenende!