Linkwerk zum Wochenende

Gesehen:

Auf arte sah ich die aus familienpsychologischer Sicht durch und durch unangenehme, aber dennoch interessante Folge über Romy und Magda Schneider. Enthält selbstverständlich auch mitgelieferten Geschichtsunterricht.

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Bei den Mediathekperlen gibt es eine angemessene Beschreibung der Blechtrommelverfilmung von Schlöndorff, die auch in meinem Leben eine signifikante Filmerfahrung war, und es wird so für viele gelten. Das kann ich schon daran festmachen, dass ich mich ganz erstaunlich gut an viele Details erinnern kann.

Den Film kann man auf 3sat bis zum 20.4. sehen.

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Eine Instagram-Empfehlung: Ich mag den Account von Nico Koch aus Berlin. Urbane Bilder mit einem eigenen Stil. Manchmal so, dass mir Spielfilmszenen dazu einfallen.

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Gelesen:

Herr Rau ist eventuell einer Idee aus meinem Blog gefolgt, es ist aber auch egal, jedenfalls hat er die Elixiere des Teufels von E. T. A. Hoffmann gelesen, dazu einiges notiert und vor allem skizziert, was die etwas irre Komplikationsvielfalt dieses Romans darstellt.

Mich hatte beim Buch der nebenbei gelesene Hinweis irritiert, dass Hoffmann es besonders schnell geschrieben habe. Er muss also all diese Komplikationen der Handlung in der Gänze entsprechend schnell im Kopf gehabt haben.

Erstaunlich, sehr erstaunlich. Aber gut, es gibt in seiner Biographie weitere Hinweise darauf, dass sein Gehirn etwas leistungsfähiger als das anderer Menschen war, to say the least.

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Chris Kurbjuhn ist gestorben, viele werden ihn als Blogger gekannt haben. Hier und hier Nachrufe. Ich kannte ihn nicht, wir begegneten uns „nur“ durch regelmäßige, freundliche Hin- und Herverlinkungen.

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Gehört:

Man kann bei diesem Podcast „Jahrhundertgeschichten“ wohl keine einzelnen Folgen verlinken, aber ich hörte dort jedenfalls die Sendung vom 25.2. über „London 1952: The great smog“. Und zwar hörte ich sie durchweg staunend, denn ich wusste von dieser Geschichte rein gar nichts. Daher habe ich es auch noch in der Wikipedia nachgelesen, und dann habe ich weiter gestaunt. Tausende starben, es war ein wirklich spektakuläres Ereignis, wieso habe ich davon denn nie gehört?

Ein Szenario wie aus einem Horrorfilm: „Der Smog wurde so dicht, dass die Sicht fast auf „Null“ zurückging. Augenzeugen berichten, dass Menschen, die an sich herabblickten, alles, was unterhalb ihrer Taille war, nicht sehen konnten, und wenn sie die Arme ausstreckten, verbarg der Smog ihre Hände.“

Ebenfalls im Geschichtskontext eine Dreiviertelstunde bei Deutschlandfunk Nova über die Geschichte der Wikipedia und überhaupt der enzyklopädischen Vorhaben. Ich fand vor allem den Abschnitt über Diderot und d’Alembert interessant.

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Beim WDR hörte ich ein Zeitzeichen (15 Minuten) über die „dunkle“ Herkunft der Heinzelmännchen aus Sicht der Märchenforschung und der Germanistik etc. Was schon einmal faszinierend damit beginnt, dass die Ableitung ihres Namens unklar ist.

Bei dem Heinzelmännchen könnte man naheliegenderweise moderne Analogien bilden. Auch die AI und die Robotik sollen und können gerade Aufgaben für uns erledigen. Sie werden teils sogar derart beworben, dass sie Müßiggang und Faulheit ausdrücklich ermöglichen werden, siehe auch meinen Text von gestern dazu.

In der alten Geschichte der Heinzelmännchen ist ein frauenfeindlicher Aspekt enthalten, denn wie schon bei Eva und Adam ist es die Neugier einer Frau, die zu Köln ins Unglück führt. Die Neugier einer Frau, die einfach wissen wollte, was Sache ist. Die alles ergründen wollte, was also, wenn man es der männlichen Welt zuordnen würde, ausgesprochen positiv mit unermüdlichem Forscherdrang assoziiert und mit Preisen belohnt werden würde. Und keinesfalls mit der Vertreibung aus dem Paradies.

Es wäre nun nicht ohne geschichtliche Ironie, wenn die Kritik an der mittlerweile als allwirksam beschriebenen AI am prominentesten von einer Forscherin in dieser Hinsicht vertreten werden würde. Von einer Forscherin, die dem vermeintlichen Bewusstsein der Software dabei auf eine neue Art nahekommt, einem gewissen Aspekt auf den Grund geht und durch ihre Arbeit etwas aufdeckt, das durchaus nicht aufgedeckt werden soll – aber leider weiß ich nicht, wer die Kritik an der AI gerade besonders prominent vertritt.

Wer also den Heinzelmännchen die Erbsen oder Äpfel der Erkenntnis ausstreuen wird. Hauptsache Obst und Gemüse.

Ein Sticker: Bis hierhin ist alles gutgegangen

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Dann eine eher befremdliche Aufnahme. In einem Podcast der Zeit: „Nur eine Frage“. Das ist eine KI-Übersetzung eines im Prinzip interessanten Gesprächs mit Richard Edelman über sein „Trust Barometer“, über das Verhältnis von jungen und anderen Menschen zu traditionellen Medien.

Zwei Aspekte fand ich dabei bemerkenswert, ganz abgesehen vom eigentlichen Inhalt. Zum einen fällt mir wieder der Widerspruch auf zwischen dem, was man der KI mittlerweile zutraut, und dem, was sie kann. Denn die KI-Stimme, die da den Richard Edelman auf Deutsch gibt, ist absolut schrecklich. Sie klingt so, als würde jemand höchstens mittelgut eine KI-Stimme nachmachen, die mehr schlecht als recht einen Amerikaner nachmacht. Würde man da nicht mittlerweile mehr erwarten, wenn man die PR-Meldungen der Software-Firmen liest? Deutlich mehr würde ich erwarten, also ich jedenfalls. Ich würde erwarten, dass mir nichts mehr auffällt und alles vollkommen glaubwürdig klingt. Dem ist eindeutig nicht so.

Zweitens staunte ich sehr über einen Satz gleich am Anfang. Da weist der Chefredakteur der Zeit korrekterweise darauf hin, dass es sich um eine KI-Übersetzungsversion des Gesprächs handeln würde. Und er sagt dann noch, dass sie das Gespräch, also das KI-Ergebnis, zwar geprüft hätten, es aber dennoch Fehler enthalten könne („Wir haben versucht, das zu prüfen …“).

Und da möchte vielleicht nicht nur ich etwas entgeistert fragen: Warum das denn?! Sind sie bei der Zeit nicht in der Lage, ein Gespräch von nur 35 Minuten Dauer so zu prüfen, dass keine Fehler in der Übersetzung enthalten sind? Wieso nicht? Wie kann das sein? Brauchen sie Hilfe?

Fallen doch im Laufe des Gesprächs doch schöne Vokabeln wie Qualitätsmedien, Goldstandard, seriöse Medien etc., wird doch auch die Frage gestellt, wieso Vertrauen verloren wird.

Das merkt man doch? Nein?

Ein Rettungsring am Ufer der Binnenalster

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Es gibt einen neuen Song von Bedouine. Er klingt, und das ist sehr gut so, wie die früheren Songs: Long way to fall.

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Ein Kommentar

  1. Lustig, dass mir tatsächlich nur zwei Namen von kritischen KI-Forschenden bekannt sind, beides Frauen: Emily Bender prägte den Begriff des „stochastic parrot“, Timnit Gebru forschte vor allem zu Ethik, insbesondere bias (race und gender).
    Aber wahrscheinlich wussten Sie das auch und ich habe nur die Ironie nicht verstanden? Ich lasse die Namen trotzdem mal da, für andere als Recherchebeginn, wenn ich darf.

    Wie immer vielen Dank für die interessanten Links! Schönes Wochenende!

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