Sonderblog: Chip Taylor

Es starb im ehrenwerten Alter von 86 Jahren ein Großer des Songwritings: Chip Taylor. Nachrufe z. B. bei SPON oder im Rolling Stone.

Chip Taylor, der auch in seinen letzten Jahren noch ein Lied nach dem anderen geschrieben hat. So lässig routiniert, wie andere vielleicht täglich bloggen oder dergleichen:

„Ich versuche einfach, meinen Geist irgendwohin ziehen zu lassen, und dann versuche ich, ihn einzuholen“, sagte Taylor über das Songschreiben in einem Interview …

Zitiert aus dem oben verlinkten Nachruf im Rollings Stone. Da sehen wir es also, es ist doch einfach mit diesem Songwriting.

Unter seinen Liedern waren viele melancholisch oder auch fortgeschritten traurig. Wie etwa dieses hier, das mir gerade besonders ansprechend vorkommt: „Together we’re not much“ von dem Album „In sympathy for a heartbreak“.

“We force some space between us

Then cry and say, „Oh, poor us“

If we just had some time

We would rewrite that walk of lust

But the truth is – together we’re not much”

Vor einigen Jahren wurde er, nachdem er längere Zeit nicht mehr rasend populär war, wieder vielen, vor allem vielen Jüngeren, bekannt durch diesen Song und durch die Serie Sex Education:

Sowie durch das Cover eines Songs von Regina Spektor und die heute in dieser Richtung heilsame Verbindung zu Netflix: Radio.

Nötig gehabt hat er Cover gewiss nicht, so wenig wie kaum ein anderer. Haben doch unzählbare Künstlerinnen und Künstler vielmehr seine Songs gesungen und immer wieder neu interpretiert.

Darunter finden wir grandiose Aufnahmen. Es gibt Songs, wie etwa „Angel of the morning“, da weist die einschlägige Seite Secondhandsongs ganze 125 Versionen aus.

Man kann also eine Weile damit zubringen, sich anzuhören, was aus einer Melodie und einigen Zeilen Text alles werden kann. Unter den Highlights wird dort vollkommen zu Recht Nina Simone gelistet:

Sehr bekannt ist ebenfalls die Version von Juice Newton:

Sowie die Variation von Shaggy, hier mit Sting:

Ein anderer bedeutender Song von ihm ist “Wild thing”, hier von Jimi Hendrix:

Oder hier, “Try just a little bit harder” mit Janis Joplin. Man könnte lange so weitermachen.

Im ersten Jahr der Pandemie, die Älteren erinnern sich, es ging damals besonders bei Familien mit Schulkindern etwas anstrengend zu, hörten die Herzdame und ich zur Beruhigung der Nerven besonders viel Musik und auch besonders viel auf Repeat. Wobei ich dann bei einer Rekordabspielzeit von John Prine landete, sie aber bei Chip Taylor.

Und ich hatte es schon einmal im Blog, aber die beiden hatten auch einen gemeinsamen Song. In dem sie sich über das Songwriting und das Hineindenken von Bedeutung lustig machen:

Er war definitiv jemand, der einiges zur Popkulturgeschichte beigetragen hat. Außerdem war er professioneller Spieler, er war lange spielsüchtig, wobei er da selbst einen Ausweg gefunden hat. Man könnte viel über ihn schreiben, und man könnte am Rande auch seine Familie erwähnen, in der das Künstlertum zusätzlich in anderen Personen herumgeistert.

In etlichen deutschen Medien reichte es dennoch nur zur knappen Meldung: „Onkel von Angelina Jolie gestorben.“

Auch bei so etwas wünscht man sich manchmal etwas mehr Ambition.

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