Mit Inhalt und so

Einerseits kann man sich als Mensch mit Interesse an Spaziergängen und Fotos der Stadt in diesen Tagen wirklich nicht über die Beleuchtung da draußen, die Dekoration, die Farbwahl und Anmutung der Szenerie beschweren. Es ist alles hervorragend, ja, geradezu liebevoll arrangiert worden. Mit einem jeweiligen Höhepunkt zwischen 18:30 und 19:30, was ebenfalls angenehm ist.

Blick über die Elbe vom Fischmarkt aus Richtung Sonnenuntergang

Und sogar die Temperatur liegt dabei oft im exakt richtigen Bereich, also herrenmode-optimiert. Hemd und Sakko sind wunderbar passend und man ist draußen und drinnen vollkommen richtig angezogen. Ohne Sauna-Effekte, ohne zwischengeschaltete Frostminuten im Schatten oder im Wind. So oft ist es gar nicht dermaßen passend in dieser Stadt, man muss es nach Kräften genießen.

Abende an Alster und Elbe gab es gerade, da verstand ich auf einmal wieder, wieso sich Menschen in Städte einigermaßen leidenschaftlich verlieben können. Der Blick elbabwärts an den Landungsbrücken im Sonnenuntergang, an Blohm & Voss vorbei und zumindest gefühlt Richtung Nordsee … Man möchte romantische Lieder schreiben, wenn man sich das zu dieser Jahreszeit ansieht, wenn man dort länger sitzt und Besinnlichkeit einübt. Chansons oder Romane vielleicht auch. Ein Novellchen zumindest, oder eine kurze Hamburg-Erzählung. Und zwei, drei Herbstgedichte wären auch gut und angemessen.

Aber wer hat Zeit für so etwas.

Andererseits halten mich dieses Wetter und dieses Licht nun von anderen, saisonal ebenfalls passenden Unternehmungen ab. Denn es wäre doch auch wieder die traditionell richtige Zeit für mehr Kultur, vor allem mehr besuchte Kultur. Für Theater, Museen, Galerien, Oper und Gott weiß was. Es ist immerhin dies und das im Angebot in so einer mittleren Millionenstadt.

Ich hätte auch Lust dazu, überraschend große sogar, die ich in diesem Jahr gar nicht erwartet habe. In den Programmteilen der Lokalmedien lese ich nach, was es alles gibt. Und ich denke bei dem einen oder anderen Termin: Das wäre doch was.

Dann sehe ich aber wieder aus dem Fenster und der Gesamteindruck dort sagt mit verblüffender Vehemenz: „Komm raus, du kommst jetzt sofort raus!“

Und erneut gehe ich nirgendwo rein, sondern vielmehr herum.

Gestern war ich, persönliche Beziehungen überzeugen dann doch manchmal, aber wenigstens einmal in Sachen Kultur unterwegs. Wenn erst der Regen kommt, wird es schon noch mehr werden, denke ich.

Bei der zweiten Hamburger Podcastnacht war ich jedenfalls, über deren erste Ausgabe ich im letzten Jahr hier bereits berichtet hatte. Wieder fand der Abend im Hansa-Theater statt, also erstens bei mir um die Ecke und zweitens in einem der schönsten Theater bei uns. Ohnehin ist es unbedingt einen Besuch wert, auch schon wegen der historischen Drehtüren zum Toilettenbereich, siehe Bild weiter unten.

Der Eingangsbereich des Hansa-Theaters

Plakat für die Hamburger Podcastnacht

Die Erfahrung aus dem letzten Jahr, die mich etwas gewundert hat, sie bestätigte sich: Es ist entgegen meiner früheren Annahme vollkommen okay, es ist sogar eher schon richtig gut, sich Podcasts live anzuhören – ich lag da also früher falsch.

Es ist, so denke ich mittlerweile, ein Format, das es ruhig öfter geben könnte. Sowohl in kleiner als auch in großer Ausführung wie gestern. Es ist eigentlich eine vollkommen zeitgemäße Form des Unterhaltungsprogramms. Auf den üblichen Seiten mit Veranstaltungshinweisen könnte ich mir daher auch eine neue Rubrik „Live-Podcasts“ gut gefüllt vorstellen.

Interieur im Hansa-Theater

Der Zuschauerraum im Hansa-Theater

Warum nicht, es gibt immerhin reichlich Podcasts, und sie haben reichlich Hörerinnen und Fans. Und das jeweilige Publikum, das merkte ich auch gestern wieder deutlich, interessiert sich sehr für die Menschen, die sonst nur gehört werden.

Es waren vier Podcasts aus Hamburg auf der Bühne, es ging jeweils um Fragen der Nachhaltigkeit und der Stadtzukunft:

Elbvertiefung von der Zeit (der Podcast ist ansonsten gerade im Pausenmodus)

Sinneswandel von Marilena Berends, mir vorher nicht bekannt

Synapsen – Ein Wissenschaftspodcast vom NDR

Hamburg, was willst du wissen von der Hamburg Open Online University HOOU.

Einen Kurzauftritt hatte auch „Zumutung Kurswechsel“. Ein Podcast, der mir bisher ebenfalls nicht bekannt war, der aber interessant klang. Es geht um komplexere Fragen und Hintergründe der Nachhaltigkeit. Da werde ich mir die „alten“ Folgen wohl demnächst einmal anhören.

Die Drehtür zum Toilettenbereich im Hansa-Theater

Interieur im Hansa-Theater, Lampen

Die Bühne im Hansa-Theater

Es kamen ansonsten, das fiel mir noch besonders auf, in Bezug auf die Entwicklung der KI zitatweise Hannah Arendt und die Herren Kant und Kästner vor. Die Dame mit der „Herrschaft des Niemand“ (ein genaueres Nachlesen via Google etc. könnte sich lohnen, wenn man das Konzept nicht kennt), der eine Herr mit seinem Satz von der selbstverschuldeten Unmündigkeit, den ich in der Schule damals noch in der Langform auswendig zu lernen hatte, der andere Herr mit seinem Satz vom Unfug, an dem auch die schuld sind, die ihn nicht verhindern.

Ich fand diese drei Zitate jeweils hervorragend gewählt und vollkommen angemessen aktualisierbar.

Die historische Kellner-Ruf-Vorrichtung im Hansa-Theater

Service-Ruf im Hansa-Theater

Brotzeit-Teller im Hansa-Theater

Thematisch vielfältig war es ansonsten, und ich möchte, um es kurz zusammenzufassen, einen jungen Mann, einen Studenten vermutlich, zitieren. der in der Pause rauchend vor dem Theater stand. Wenn ich seinen Tonfall richtig mitbekommen habe, war er dabei dezent angesäuselt, aber nur in etwa in dem Bereich, in dem es z. B. in Filmen noch charmant wirkt und eine Szene in einer romantischen Komödie daher noch weitergehen könnte.

Er sagte etwas zu seiner Begleitung, was ich dann einigermaßen anschlussfähig fand, nur etwas anders ausgedrückt hätte: „Alter, geiler Abend, voll mit Inhalt und so!“

Ja, so war das, in der Tat.

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