Die Kunst der Lebensführung:
Eine Ergänzung zu meiner kleinen Reihe über Beschleunigungen hörte ich beim SWR: „Drängeln, drücken, hupen – warum wird der Verkehr immer aggressiver?“ Unterm Strich werden meine Beobachtungen darin bestätigt, was wenig überraschend ist. Bei den Maßnahmen zur Problemlösung gibt es allerdings weder Einigkeit noch ein Konzept, das mich sofort überzeugt hätte. Ich sehe erst einmal nicht, dass sich hierbei wieder etwas ändern wird.
Was nicht heißt, dass sich nichts ändern kann.
Eine weitere Ergänzung zu einem Aspekt, der hier manchmal anklingt. In der Spektrum-Sendung „Macht uns die Gegenwart krank, Thomas Fuchs?“ geht es um psychische Gesundheit, und es geht auch wieder um die Folgen von Social Media, Smartphone etc. Angenehm ruhig, unaufgeregt und ausführlich wird der Forschungsstand erläutert, außerdem unter Vermeidung der stets verlockenden polemischen Zuspitzungen. Gerne gehört.
Im erweiterten Kontext eine Folge von „Das Wissen“ beim SWR: „Aufmerksamkeit lernen – wie wir uns besser konzentrieren können“.
Enthaltend etwa die gruselige Information, dass deutsche Angestellte im Schnitt vierzig Sekunden nach dem Eintreffen einer Mail darauf klicken. Und wie man dieser arte-Sendung: „Digital Detox: Macht offline glücklich?“ entnehmen kann, werden deutsche Angestellte im Schnitt alle vier Minuten bei der Arbeit unterbrochen.
Was also heißt, dass Konzentration für die meisten schlichtweg unmöglich ist. Sie wird vielmehr beruflich geradezu ausgeschlossen.

Und apropos Drängeln und Drücken: Mek schreibt über Overtourism in Südtirol. Also in der Gegend, in der ich erstens an dem Phänomen über mehrere Jahre schuldig beteiligt war und zweitens dann auch darauf kam, was es für das Land bedeutete.
Denn vermutlich haben wir Südtirol genau in den Jahren besucht, in denen dort diverse Kipppunkte erreicht wurden. Was dann beim letzten Besuch auch nicht mehr zu übersehen war – es war eine andere Phase erreicht worden. Man besuchte damit auf einmal ein anderes, deutlich verändertes Südtirol.
Und seine Schlussfolgerung:
„Sicherlich trifft das auf die meisten touristischen Orte zu. Deswegen besuche ich auch kaum noch europäische Städte. Sie sind alle zu Kulissen verkommen.“
… halte ich für zutreffend. Und kann dabei in Hamburg z. B. auf die geradezu übertrieben kulissenhaft gewordene Gegend um die Landungsbrücken verweisen. Auf unsere ganzjährige Hafeninszenierung als bemüht norddeutsch wirkendes Freilufttheater dort, mit vielen, vielen Komparsen, bis hin zum Akkordeon-Spieler im Hans-Albers-Outfit.
Disneyfizierung also, wie man es dann in diesem Kontext nennen muss.
Die Alsterrunde mitten in der Stadt kann man in diesem Zusammenhang als kleines Wunder verstehen. Denn weder ist das Ufer komplett mit Hotels zugebaut worden, noch findet man alle zehn Meter am umlaufenden Weg Außengastro, Souvenirstände oder irgendwelche Fun-Locations.
Man kann es eigentlich kaum fassen, wenn man das in diesem Zusammenhang durchdenkt.

Hamburg:
Im Wieselblog gab es eine Ergänzung zu meinen Schilderungen des Hauptbahnhofs: „Der Hauptbahnhof ist so mit Leben vollgestopft, dass einem geradezu Hören und Sehen vergeht. Hier kann man keinem mehr helfen, hier muss man zusehen, dass man selbst heil wieder raus kommt.“
Wer mir auf Instagram folgt, kennt dort im Stream als Standardmotiv das seltsam aussehende, etwas pilzartige Turmhaus in der Hafencity, welches ich jeden Mittwochmorgen auf dem Weg ins Büro fotografiere. Nun wird es abgerissen. Was schön passt, hatte ich doch neulich erst den alten Scherz von der „Freien und Abrissstadt Hamburg“ erwähnt. Man wundert sich nicht sehr über solche Meldungen.

Eine kurze NDR-Doku sah ich auf YouTube, weil mich das Thema auch fürs Blog interessiert: „Hamburger Lieferdienste im Stress“. Über den teils unfassbaren Arbeitsalltag der Frauen und Männer, die uns die Pakete, die Lebensmittel, die Möbel und Gott weiß was bringen.

Zwar nicht Hamburg, aber vom Kontext her passend, außerdem eine weitere Kurzdoku: „Sylt: Nichts läuft ohne Pendler vom Festland.“
Mit Erwähnung der Menschen, die wegen der Preise nicht mehr auf der Insel wohnen, obwohl sie von dort stammen. Die also per Preissteigerung in Verbannung sind, was uns hier im Kern von Hamburg auch noch bevorstehen kann.
In der Sendung wird auch ein Umstand dargestellt, über den wir uns schon alle nicht mehr wundern, der aber weiterhin unfassbar bleibt, recht bedacht: Dass es nämlich vollkommen normal und erwartbar ist, dass die Züge nicht fahren. Und dann auf Sylt etwa etliche Menschen nicht zur Arbeit erscheinen können.

Literatur und Lesen:
Ein Kalenderblatt hörte ich zu John le Carré.
Ich las offline in den bei Manesse versammelten Erzählungen von John Galsworthy. Ich schätze Galsworthy sehr, seine „Forsyte Saga“ kann ich immer wieder empfehlen.


Wobei die Kenntnis von ihm wohl auch bedauerlicherweise stark abnehmend ist. Ins Deutsche wurden die Erzählungen übersetzt von Irma Wehrli. Ein Nachwort gibt es auch noch, es ist von Andreas Fischer.
Beim Lesen dieses Buches hatte ich wieder eine Begegnung mit meinem alten Freund, dem absurden Zufall: Die erste Geschichte im Band heißt „Pfaffenhütchen“. Ich las sie, ich ging danach kurz an den Computer, um etwas nachzusehen. Mir erschien als erste Meldung im Feedreader ein Blogeintrag bei Iberty: „Das Rauschen der Stare im Pfaffenhütchen“.
Und weil es das Gesetz der magischen Drei gibt, folgte später am Tag noch ein Öko-Influencer auf Instagram, der über die Vorzüge des Pfaffenhütchens dozierte (Link unauffindbar, pardon).
Was aber sagt mir jetzt das Pfaffenhütchen? Ceterum censeo: Wenn sich hier Mühe gegeben wird, mir mystische Botschaften zukommen zu lassen, was wohl erst einmal begrüßenswert ist – kann man sich dann bitte etwas deutlicher ausdrücken? Ich war immerhin einmal sehr blond, es wirkt doch noch nach.

Film:
Ein Zeitzeichen zu Klaus Kinski
Gerne gesehen habe ich die französische Mini-Serie in drei Folgen auf arte: „Eines Tages werden wir uns lieben“.
Philosophie:
Von Walter Ziegler ließ ich mir auf YouTube etwas zu Kant erklären.
Politklimbim:
Eine Folge des Zeit-Podcasts „Nur eine Frage“ von der Zeit, zu Gast war der Soziologe Steffen Mau, die Frage war: „Wird die Welt immer konservativer?“
Wiederum festgestellt: Es lohnt sich immer, Steffen Mau zuzuhören.
Bei „Freiheit de Luxe“ von Jagoda Marinic hörte ich die Folge mit Robert Stadlober. Es geht viel um Literatur und um die Bedrohung von rechtsaußen. Wie auch in anderen Sendungen müssen sich die beiden Mühe geben, einigermaßen positiv zu enden – was dann knapp gelingt. Immerhin.

Musik:
Ein neues Albun gibt es von Bruce Cockburn: „The Blood of Others“. Auch Coverv-Versionen sind darauf, hier etwa der Klassiker „One for my baby“:
Und ein Oktoberlied habe ich zum Schluss auch noch. In einem fast schon novembrigen Ton vorgetragen von Jeffrey Martin (Wikipedia). Der Song hat einen erzählenden Anfang, was ich besonders mag:
“Caroline buys a ticket for the last train
Out of Baltimore in the October dark
Smokes a cigarette and throws the pack away
So her daughter would never know
That she smokes.”
An dieser Stelle ist es fast schon eine fertige Short Story, und so etwas finde ich erstrebenswert, wenn es um Songwriting geht.
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• Schutzsymbol gegen böse Geister: Im alten Volksglauben galt der Strauch als magischer Schutzschild. Man pflanzte oder nutzte ihn, um Dämonen, Unheil und Hexerei fernzuhalten.
• Der „Tabuname“ (Euonymus): Der botanische Name bedeutet übersetzt „von gutem Ruf“. In der Antike nutzte man diesen bewusst harmlosen Namen als sogenannten Tabunamen, um böse Geister oder die dunklen Mächte, die man hinter der starken Giftigkeit vermutete, nicht durch das Benennen anzulocken.
• Gleichgewicht aus Anziehung und Gefahr: Die Pflanze verkörpert die spirituelle Lektion von Schein und Sein. Im Herbst leuchtet sie mit pink-roten Kapseln und orangefarbenen Samen äußerst attraktiv, ist aber in allen Teilen hochgiftig (früher auch Giftpflanze des Jahres 2006). Spirituell mahnt sie zur Vorsicht vor träumerischer Naivität: Nicht alles, was schön aussieht, ist bekömmlich oder für den Menschen bestimmt.
• Verbindung zur Priester- und Kirchenwelt: Die Form der viereckigen Kapselfrüchte erinnert stark an ein Birett, die traditionelle Kopfbedeckung katholischer Priester (Pfaffen). In der christlichen Volkskunde wurde dies oft als Symbol für Demut, aber auch als mahnender Zeigefinger geistlicher Ordnung gedeutet.
Grüssle von der Frau Schamanin