Die Kunst der Lebensführung:
Eine arte-Sendung über Schönheitsideale.
Dann sah ich eine Terra-X-Folge mit Harald Lesch zum Thema Angst. Basierend auf der simplen, aber oft ignorierten Tatsache, dass unser Hirn der Moderne hinterherhinkt, mit einer schon gewaltig zu nennenden Verspätung. Dass wir also auf eine schon grundsätzliche Weise mit der Gegenwart nicht klarkommen, auch kaum klarkommen können.
In der Sendung geht es auch um „Neuropolitik“, der Begriff war mir neu.

Die Kunst des Nachlebens:
Bei SWR-Kultur ein Feature aus wissenschaftlicher Sicht über Zombies und ihre Ursprünge in der haitianischen Religion.
Arbeit, Rente etc.:
Beim Deutschlandfunk eine Sendung aus der Agenda-Reihe über ein Thema, das mir immer interessanter vorkommt, nicht nur bezogen auf meine Rolle dabei, sondern auch wegen der soziologischen Aspekte: „Boomer im Ruhestand – Wer wird Deutschland am Laufen halten?“
Beim WDR hörte ich eine Sendung mit dem Arbeitsforscher Hans Rusinek über Sinn und Wirksamkeit im Job. Ich befand, dass es gut und richtig ist, was da gesagt wird. Ich befinde für die aktuelle Konzernwelt aber auch, dass man die Entwicklung der letzten Jahre und die Aussichten für die nächste Zeit vorerst mit Dante zusammenfassen kann: „Lasst, die ihr eintretet, alle Hoffnung fahren.“

Aus den Blogs:
Die geschätzten Damen Herzbruch und Novemberregen verfolgen gerade den ebenso ehrenwerten wie aus Sicht des Publikums lobenswerten Ansatz, täglich zu bloggen. Bemühungen, bei denen man gerne mitliest.
Die Kaltmamsell über die Kommentare in ihrem Blog.
Vanessa über Zugerlebnisse.

AI:
Volker Weber über die Versloppung der Welt.
Geschichte:
Ein Zeitzeichen über den Film „Die Halbstarken“ von 1956. Es geht auch um den Begriff „halbstark“ an sich und um die wilde Bewegung, die man damals dahinter vermutet hat, unterstellt hat, auch herbeigeschrieben hat.
Dann ein Zeitzeichen, das deutlich interessanter war, als ich zunächst angenommen hatte: „In der Verzweiflung oft der letzte Halt: Die Telefonseelsorge“. Vor vielen Jahren habe ich einmal unfreiwillig mit angehört, wie jemand, der seelisch dem Ende nahe war, mit der Telefonseelsorge telefonierte. Ich hörte dabei nur die Seite der betroffenen Person, aber nach dem, was ich daraus ableiten konnte, führte die andere Seite das Gespräch sehr einfühlsam und außerordentlich geschickt, sie erreichte auch tatsächlich etwas.
Seitdem habe ich ohnehin schon Respekt vor dieser Einrichtung und vor den Menschen, die sich dort diesen überaus schwierigen Gesprächen stellen. Die Sendung bestätigt diesen Eindruck.
Dann noch ein weiteres Zeitzeichen, ich hatte Links auf Vorrat: „Paracelsus – wie der „Luther der Medizin“ das Heilen reformiert hat.“ Bildungslücke geschlossen, über Paracelsus wusste ich eher gar nichts.

Literatur und Lesen:
Eine herzerwärmende Sendung, tatsächlich mal etwas ausdrücklich Positives, ist dieses Feature beim SWR Kultur über öffentliche Bibliotheken: „Eine Utopie in der Nussschale – Die öffentliche Bibliothek“.
Da bin ich doch direkt wieder etwas stolz auf meinen wohlklingenden Dipl.-Bibl.-Titel. Auch wenn das vollkommen grundlos ist, da ich mit dem Beruf nach dem Studium nie wieder etwas zu tun hatte. Was ich mittlerweile nicht ohne ein wenig Reue notiere, aber es ist auszuhalten.
Meine Tradition, die Reclam-Monatsgedichtbände zu zelebrieren, sehe ich bei Formschub gespiegelt, und er dichtet dann auch selbst.
Dabei fiel mir ein, dass ich im Blog mehrfach geschrieben habe, kein Prepper zu sein. In einem Zusammenhang bin ich es aber doch, denn ich bin Lyrik-Prepper. You better be prepared – ich bereite mich mit dem nächsten Band schon auf den November vor. Und ich habe mitten im Oktober damit begonnen, als sorgsam vorausschauender Mensch.

In meinem aktuellen Lieblingspodcast von Bill Nighy, „Ill advised“, erwähnte der Namensgeber zu meiner großen Freude, dass er “Parade‘s End“ (Wikipedia dazu) von Ford Madox Ford (Wikipedia zu ihm) für ein besonders großartiges Romanwerk hält. Diese Ansicht teile ich. Und meine Freude wurde dann noch größer, als er nebenbei ergänzte, dass er das Werk als Hörbuch eingelesen habe (hier bei Penguin). Das ist nun wieder so ein Fall, für dergleichen brauche ich dringend Sonderurlaub.
Aber die Welt ist so nicht eingerichtet. Kulturelle Bedürfnisse werden vielmehr verlässlich geringgeschätzt, es ist ein einziges Elend.
Über Balzac und den nicht eben gesundheitsfördernden Konsum von etwa 50 Tassen Kaffee täglich. Man rät da eher ab. Aber es kamen doch interessante und wichtige Bücher dabei heraus, das muss man mitbedenken, finde ich.
Philosophie:
Ein essayhafter Beitrag von arte auf YouTube: „Die Leere – Eine besondere Geschichte“. Der Vater des Autos hat Vakuumpumpen hergestellt, eine dermaßen sinnige Verbindung.
„Wir leben in einer komplexen Welt voller Schnickschnack“, heißt es in der Sendung, und wer würde da widersprechen wollen.

Vermischtes:
Eine weitere und diesmal besonders verlockende Linksammlung drüben bei den „Fliegenden Brettern“. Ich empfehle besonders den Erfahrungsbericht zu „ABBA Voyage“. Und Freunde der gepflegten Beleidigung im kulturellen Kontext lesen bitte auch die drüben verlinkte Kolumne von Maxim Biller nach.
Musik:
Eine arte-Sendung auf YouTube über Anna Lapwood, Hayato Sumino und Marcin: „Wie Social Media die Klassik verändert“.
Die Chancen stehen nicht schlecht, dass Sie wenigstens einen der Namen schon einmal mitbekommen haben, denn die drei sind ungeheuer erfolgreich auf Instagram, TikTok etc.
Und da man nicht immer alles dystopisch sehen muss: Es werden auch einige Vorteile von Social Media benannt. Nicht erwartet hatte ich, dass auch jemand mit so durchschlagendem Erfolg wie Anna Lapwood ihre Clips, Fotos etc. noch selbst macht und den Gedanken sogar vollkommen abwegig findet, das machen zu lassen. Weil es doch eine Art Verlängerung ihrer Persönlichkeit ist, was sie da abbildet. Fand ich sympathisch, diese Einstellung.
Schließlich hörte ich bei „Alles Interpretationssache“ die Folgen über „My funny Valentine“ und über Pachelbels Kanon. Die Folge zu „My funny Valentine“ zitiert letzte Aufnahmen von Frank Sinatra und Chet Baker, jeweils kurz vor ihrem finalen Abgang von den Bühnen – und damit kann es dann November werden, es passt schon.
Die Schlussmusik lege ich in diesem Sinne eben noch passend an.
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