Die Fahrt nach Nordostwestfalen diesmal in mildgrauer Langeweile. Die Landschaft zeigte keinen Winter mehr und noch keinen rechten Frühling. Ein mäßiges Dazwischen links und rechts neben der Autobahn, ein landschaftliches Mittelmaß, das beklagenswert unambitioniert wirkte. Es war nicht warm und nicht richtig kalt, es war weder sonnig noch dunkel bedeckt. Norddeutschland war an diesem Tag nur eine vage Gegend und sonst gar nichts. Ab Achim immerhin wurde es geringfügig grüner am Straßenrand und zwischen den Spuren. Aber auch das nur zurückhaltend, in aller Dezenz, man musste schon genauer hinsehen. Ab Achim begann ein klein wenig Süden. Aber nur für die, welche aus dem Norden kamen.
Überraschend war, dass wir, dem Navi folgend, wiederum durch Dörfer fuhren, in denen wir vorher noch nie gewesen waren. Man sollte meinen, nach etwa 26 Jahren auf dieser Strecke müssten wir doch alle Wegvarianten allmählich absolviert haben? Dem ist nach wie vor nicht so. Niedersachsen zeigte sich vielmehr erneut als unendliches Labyrinth dörflicher Nebenstrecken. Das Navi legte mir wieder den Faden als moderne und wenig liebenswerte Version der Ariadne und ich fuhr ihm diesmal als unmotiviertester Theseus der Geschichte nach. Dabei hätte ich nicht einmal umreißen können, was in meiner eigenen, eher bescheiden ausfallenden Heldensaga gerade als Minotaurus zu definieren sein könnte.
Aber durchs Labyrinth kam ich schließlich dennoch heil durch. Und wie in Heldensagen üblich, zählt am Ende wohl nur das. Im Heimatdorf der Herzdame gab es dann zur Belohnung, denn Helden müssen etwas gewinnen, den von Schwiegermutter gebackenen Kuchen und auch Torte. Eine Tradition der besseren Art.

Danach ging ich durchs Dorf und sah mit dem wehen Staunen des Zeitzeugen, der es noch alles anders gekannt hat, dass es hier nun keine Kühe mehr gibt. Und es werden auch keine mehr nachkommen. Leer der Stall, verschlossen die Gebäude, verrammelt die Tore. Der Hof wird keinen Nachfolger mehr finden, die Viehhaltung hat hier, wie gerade in so vielen Dörfern, damit nun ein Ende gefunden. Nach wer weiß wie vielen Jahrhunderten.

Die Söhne gehörten zur letzten Generation, in der man als Kind noch mal eben beim Bauern nebenan hinterm Feld in den Stall gehen konnte. Sie waren die letzten, die dort noch Milch bekommen oder Futter verteilt haben, die dort Kälber direkt nach der Geburt gesehen und Mist, Tiere und Stroh unter kreisenden Schwalben gerochen haben. Die dort riesige Kühe mit zagen Händen gestreichelt haben und von ihnen dafür mit enthusiastischer Freundlichkeit und ungeheuren Zungen abgeleckt worden sind. All das.
Tempi passati. In diesem Dorf habe ich in den letzten Jahren die Gastronomie verschwinden sehen, die Läden, den Bäcker, die Apotheke, die Bank, die Poststelle.




Aber Kartoffeln, Mais und Raps werden noch angebaut, soweit ich weiß. Und Rüben.
Vor der Kirche sah ich ein blühendes Kreuz aus Stiefmütterchen im Rasen. Falls auch das einer Tradition folgt, Blumen zu Ostern so zu pflanzen, ist sie mir nicht bekannt.
Aber ich kenne mich mit Kirchendingen auch nicht gut aus.

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