Ansonsten begann das Jahr, begann also die neue Staffel der Serie über unsere Erlebnisse und all die Entwicklungen um uns herum („Es wird viel passieren“, singt man auch dabei gerne leise im Hintergrund) damit, dass ich am frühen Morgen des ersten Januars, noch im Bett liegend, den stark auffrischenden Wind hörte. Und aus den Geräuschen vom Dach her, wo die Böen bereits rumpelnd herumrandalierten, bereits ableiten konnte, dass es in Kürze amtlichen Sturm geben würde. Während fast zeitgleich die diversen Wetter-Apps mir die obligatorischen Sturmflutwarnungen mit täuschend freundlich klingenden Pings zustellten, während die Landkarten auf dem Bildschirm sich landkreisweise warn-orange verfärbten.
Südwest, und bis Beaufort 9 immerhin. Ich zitiere aus der Definition für die Wirkung dieser Sturmstärke auf dem Meer, weil sie so schön klingt, nahezu lyrisch: „Hohe Wellen mit verwehter Gischt, Brecher beginnen sich zu bilden.“
Da wäre man doch gerne dabei. Um es sich zumindest vom sicheren Strand, vielleicht auch von einer stark umtosten Seebrücke aus anzusehen, wie da draußen die Brecher sich bilden. Aber man sitzt stattdessen leider in der Stadt herum. Im Binnenland, wo die Definition für die Windstärke trocken verweist auf die eher lapidare Ausprägung: „Gartenmöbel werden umgeworfen.“
„Slow clap“ möchte man da doch beim Nachlesen leise vor sich hinmurmeln.
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Etwas später regnet es, und wie es regnet. Der Regen kommt quertreibend, hat graupelige Tendenzen und gefühlte Nordpoltemperaturen. Er wirkt insgesamt dermaßen unerfreulich, dass selbst gestandene viel- und oft herumgehende Menschen wie ich einen Moment überlegen, ob sie wirklich gerade hinausgehen müssen und wohin und warum eigentlich. Denn einfach um den Block, das fühlt sich entschieden verkehrt an, während der Regen an die Fenster peitscht, als würde ein Effektmacher von einem Filmset dem dabei entstehenden Geräusch engagiert nachhelfen.
Unten an der Alster aber, ich sehe es aus dem Fenster, das ich kurz öffne, joggen sie dennoch. Klatschnass müssen sie alle sein, und wie verfroren werden sie auch sein. Ob es sich ernsthaft gesund anfühlen kann, durch diesen Regen keuchend zu traben, ich habe da Zweifel. Aber Verständnis habe ich dennoch, denn es ist eben der 1. Januar und sie haben es sich doch vorgenommen. All diese Menschen, die da verbissen und trotz allem den Rundweg ablaufen.
Fluchen werden sie beim Laufen, das Wetter, sich selbst und alles werden sie verwünschen, ihre schwachsinnigen Vorsätze werden sie sich zur Revision vorlegen und mit einiger Wahrscheinlichkeit heute noch knicken. Aber dennoch werden sie es einen Tag lang geschafft haben. Against all odds!

Das ist nicht nichts, und ich nicke ihnen anerkennend vom Fenster aus zu. Bevor ich es wieder schließe, es regnet zu stark herein, und bevor ich mir noch einen Kaffee mache und die Küche nach Kuchenresten absuche. Denn es wird einem doch kalt, wenn man eine Weile so aus dem offenen Fenster auf die Anstrengungen der anderen sieht.
Aber was tut man nicht alles, um sich den Mitmenschen gegenüber empathisch und zugewandt zu geben.
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Mit einem „täuschend freundlich klingenden Ping“ (was für eine Wortperle mal wieder): der Alltag hat uns wieder…
Herr Buddenbohm ,es ist seit Jahren eine große Freude ihren Blog zu Lesen ,eine Telefonzelle in eine sehr vitale Persönlichkeit.
Ein Jahr mit schönen Momenten, die die weniger schönen mindestens ab und an überdecken wünsche ich Ihnen!
Woher der Spruch kommt, dass man bei so einem Wetter nicht mal einen Hund rauschicken würde, frage ich mich immer, wenn ich mit dem Hund in diesem Wetter stehe …