KW 4, konstruktiv

Ein kleiner Trost zum Wochenanfang. Wenn Sie gerade problembeladen wie immer an den Start gehen, händeringend und hadernd mit Ihrer seltsamen Rolle in diesem fordernden Alltag und Ihrer manchmal ungünstig wirkenden Verortung in der Welt und in der Geschichte, wenn Sie zwischen sorgendem Overthinking, zagender Anxiety und existential Angst im routinierten Schlingerkurs durch die Stunden navigieren, dann hören Sie kurz dem Herrn Fromm zu. Um wenigstens etwas Lob dafür abzubekommen: „Glücklich der, der ein Symptom hat!

(Man kann sich hier auch das ganze Gespräch anhören oder ansehen, ich habe das mit Interesse getan. Und ging dann noch zu weiteren Clips mit Erich Fromm über. Ein Mensch, der gerne dachte, man nimmt es sofort und mit großer Sympathie wahr.)

Ein Büro-Neubau am Herrengrabenfleet

Wo ich vor zwei, drei Tagen gerade bei der bemerkenswert positiv ausfallenden Zwischenbilanz des Jahres 2026 war, die prompt und vermutlich gesetzmäßig mit Migräne nicht unter drei Stunden bestraft wurde, kann ich noch eine andere Kleinigkeit erwähnen, die darauf hinausläuft, dass es sich alles auch bestens fügen kann. Zumindest manchmal.

Da saß ich nämlich an einem Vormittag in der letzten Woche am Schreibtisch und hing außerdem in Calls. In denen es zumindest am Rande um den Mangel an konstruktiven Elementen im täglichen Erleben und Erleiden der Werktage ging. Siehe oben.

Gemeinsam mit anderen führte ich da lebhaft und leider routiniert Beschwerde über das Ausbleiben von konstruktiven Aussichten, so war die genaue Formulierung. Und in dem Moment, also quasi auf die Silben genau, wie bei einem Theaterstichwort für den ganz großen Auftritt des Abends, schwebte etwas ungeheuer Großes an meinem Dachfenster vorbei. In dessen Bildausschnitt sonst lediglich Möwen, Tauben, Krähen, Wolken und viel Grau zu erwarten sind.

Und dieses Große war gelb und enorm lang. Es schwebte bedächtig, kreiste langsam, taumelte dezent, war schließlich der Ausleger eines gigantischen Baukrans. Der auf der Baustelle gegenüber gerade zusammengesetzt und von einem anderen Spezialkran in die Höhe befördert wurde, noch weit über mein Dachfenster hinaus.

Ein Kran! Auf der Baustelle des neu zu errichtenden Hotels, neben dem alten Hotel und übrigens um die Ecke eines weiteren Hotels, es ist hier so eine Gegend. Konstruktiver geht es jedenfalls kaum. Wörtlicher kann man an dem Begriff kaum herumsymbolisieren. Zeitlich passender kann man es auch nicht hindrehen (das lateinische construere heißt erbauen, errichten). Es ist viemehr so, wie ich es seit langer Zeit schon sage und schreibe: Die Zufälle sind hinter mir her.

Irgendetwas da draußen, das steht für mich jedenfalls fest, hat einen wirklich bemerkenswerten Humor. Und manchmal ist mir fast, als sollte ich das tröstlich finden.

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