Ich hatte vage beschlossen, die Urlaubswoche mit etwas mehr Sinn und Spaß zu befüllen als nur mit dem gewohnten Gedanken: „Diese Woche geht auch vorbei“. Wozu es selbstverständlich auch einige Möglichkeiten gibt. Denn ich reise zwar mangels Inspiration, Fernweh und Antrieb gerade nicht, aber hey, da draußen liegt eine Millionenstadt. Es wird sich doch etwas finden, dachte ich mir.
Am ersten Tag habe ich, das klingt vielleicht noch nicht so amüsant, Möbel gekauft. Kleinmöbel für das Zimmer, das nun meines ist und als Projekt weiter fortgeführt werden muss, denn es ist von „fertig“ noch weit entfernt. Ich brauche erstaunlich lange für meine Entscheidungen zu dekorativen Fragen. Amüsiert stelle ich dabei fest, dass ich einen ausgesprochen großväterlichen Geschmack habe. Ich kann damit aber gut leben und suche stundenlang, tagelang so herum. Also in der Ausrichtung: Ich suche eher entspannt herum, und zwar off- und online. Und ich werde dann hier und da auch fündig.
Zeug, um besser Musik zu hören, kaufe ich mir dann auch noch. Denn nach Jahren mit Musik aus dem Smartphone geht auch einmal wieder etwas, das ein wenig mehr Wumms im Sound hat. Wobei das Wort „Wumms“ nicht unbedingt zu meiner Musik passt, aber bessere Bässe sind auch für Bach oder Chet Baker von Vorteil, stellt sich heraus.
Am nächsten Tag ging ich in die Kunsthalle. Ich berichtete und bin immer noch sehr angetan.
Dann besuchte ich ein Hamburger Event, das erstens recht spektakulär ist, zweitens sogar regelmäßig stattfindet und drittens auch noch gratis ist. Welches ich aber, wie vermutlich viele Menschen in dieser Stadt, zwischendurch gerne jahrelang vergesse, nämlich das Wasserlichtkonzert in Planten un Blomen. Das auch noch, ich weiß es gar nicht genau, vielleicht einmalig in Deutschland ist. Und zu dem Isa und ich damals ein Interview bei „Was machen die da“ mit der Wasserorgelspielerin geführt haben. Definitiv ist dies eine der cooleren Berufsbezeichnungen, und jetzt, wo ich mir den alten (2017!) Artikel noch einmal ansehe, finde ich ihn, wenn ich kurz so unbescheiden sein darf, auch ganz interessant bebildert.



An einem Montagabend war ich dort, und es wird, ich staunte etwas, auch an einem Montag schnell voll auf der Liegewiese vor dem See und ringsum. Schon eine Stunde vor Beginn sind die meisten Plätze auf den Bänken in der Nähe besetzt, meist von älteren Menschen, die abends nicht mehr auf dem Rasen sitzen wollen und deshalb mehr als rechtzeitig vor Ort sind. Und etwa eine halbe Stunde vor Beginn füllen sich auch die Rasenflächen.
Der Abend wird im Publikum von zwei Großgruppen dominiert, die offensichtlich zu betont geselliger Freizeit neigen. Nämlich erstens jene, die noch Schulen und Hochschulen besuchen, und zweitens jene, die das Erwerbsleben deutlich hinter sich haben. Alles, was im Alter dazwischen ist, kommt hier nur als Minderheit vor, hat vermutlich keine Zeit, hat Termine, muss noch dies, muss noch jenes, kommt ein andermal, kommt vielleicht nächstes Jahr. Ich kann es mir lebhaft vorstellen und nachvollziehen, ich bin immerhin auch einer aus dieser Gruppe.
Heute aber nicht! Heute habe ich Zeit. Und lungere da also betont entspannt herum und versuche dieses seltsame „Chill mal“, von dem die Söhne seit Jahren immer reden, und auch dabei bin ich stets bemüht, versteht sich. Ich stelle fest, es gibt da tatsächlich eine anziehende, sehr entspannte, lockere Stimmung im abendlichen Park. Es wirkt etwas wie friedliche Welt und wie so schlimm ist es alles gar nicht und ein wenig sogar wie alles wird gut. Was man wohl zumindest als Gefühl zwischendurch auch einmal mitnehmen kann, wenn schon nicht als ernstzunehmenden Gedanken.
Was mir nicht klar war, es kommen dorthin auch Bustouristen. Es werden Menschen, und wenige sind es nicht, aus dem Umland, aus Altenheimen etc. herangefahren. Auch sehr alte Menschen sind dabei, denen der abendliche Park etwas unheimlich ist, man hört viel freundliches Betreuen und Zureden ringsum. Gleich mehrfach höre ich auch absichernde Verweise auf den Fernsehturm:
„Sehen Sie den Turm? Der ist beleuchtet, den kann man doch gar nicht übersehen. Da steht der Bus! Da nachher wieder hin!“

Der Fernsehturm als Sicherheitszeichen in der Dunkelheit. So kann man es dann auch sehen.
Mein Smartphone macht von der Vorführung in der Dunkelheit weder vernünftige Bilder noch Filmchen. Sie müssen mir also einfach glauben, dass es sehenswert ist, oder aber Sie gucken hier kurz beim NDR in einen noch frischen Fernsehbericht. In dem aber leider auch das so unangenehme Wort „Einsparungen“ fällt.
Ein Mangel an Besucherinnen ist es definitiv nicht, der darüber nachdenken lässt, an diesem Traditionsprojekt etwas zu streichen, aber es wird der Sache sicher dennoch guttun, wenn es weiterhin abends voll im Park ist.
Ich werde also nach Möglichkeit mehr dazu beitragen. Denn es ist nicht nur regelmäßig, spektakulär, draußen und umsonst, es ist auch noch in Spaziergangsentfernung. Und abendliche Spaziergänge – da stehe ich drauf.

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