Linkwerk zum Wochenende

Gesehen:

In diesem arte-Beitrag geht es um Beschleunigung und Zeitdruck. Der Soziologe erläutert darin auch recht greifbar sein Resonanz-Konzept, das ich nach wie vor überzeugend finde.

Passend dazu erläutert eben jener Hartmut Rosa bei den „Sternstunden SRF Kultur“ sein neueres Konzept von „Situation und Konstellation“. Was zunächst abgehoben philosophisch klingt, aber ebenfalls eine zugängliche These über unsere gesellschaftliche Entwicklung ist.

Wie ich überhaupt finde, dass er zwar enorm dicke, kundige und auch bestsellende Bücher geschrieben hat, es mir aber recht statthaft vorkommt, seine Aussagen stark zu verkürzen und auf den Punkt zu bringen. Was nicht gegen sie spricht, im Gegenteil.


Gelesen:

Offline schließe ich eine Bildungslücke und lese nun endlich den „Leoparden“ von Giuseppe Tomasi di Lampedusa, aus dem Jahr 1958. Ich hatte ein gutes Buch erwartet, da Lobreden darüber überall zu finden sind, und so liest es sich dann auch. Lohnende Stunden.

Das Buch "Der Leopard" von Lampedusa

Patricia wurde entdeckt. Endlich!

Bei der Kaltmamsell lese ich mit solidarischen Empfindungen den ersten Satz dieses Textes und denke wieder: Es dürfte Menschen, die nicht gerade in der Mitte von großen Städten wohnen, wirklich schwer zu vermitteln sein, wie viele Menschen hier gerade in den wärmeren Jahreszeiten nachts ruhestörend herumbrüllen. Aufgrund von Alkohol oder anderen Drogen, sicher auch wegen diverser seelischer Schäden, aus eskalierender Aggression oder, gar nicht so selten, aus vermeintlichem Spaß. Der dann für unfreiwillig Zuhörende allerdings keiner ist, schon gar nicht zu gewissen Uhrzeiten tief in der Nacht. Und ja, es wurde in den letzten Jahren signifikant schlimmer. Sagen wir ruhig seit der Pandemie, es wird ungefähr hinkommen.

Einen Reim können sich bitte andere darauf machen, ich stelle es nur eben fest.

„Da wären wir also … ein Vierteljahrhundert, später. Um ein weiteres Mal die unsterblichen Worte der grossen Selena Gomez zu bemühen: „The fuck?!“

Die kundige Vielfliegende über 9/11, um nur einen der vielen Blogtexte dazu herauszugreifen. Ich habe dazu eine etwas unpassende Erinnerung, die mir mit jedem Jahr seltsamer vorkommt. Denn da ich recht genau parat habe, in welchem Bürokontext ich es damals erlebt habe, mit welchen Menschen und in welchen Räumen, habe ich auch sofort parat, wenn ich an diese Zeit denke, wie unfassbar anders das Spiel „Büro“ damals noch betrieben wurde. Wie anders die Technik war, die Umgangsformen. Sogar die Luft, denn man rauchte damals noch im Gebäude, und wie viel. Sogar die Büroarten waren anders, man saß noch einzeln oder in Zweierzimmern, in diesem Land vor unserer Zeit. Es ist alles sehr lange her. Ich weiß, es passt kaum, aber ich kann daran auch nicht vorbeidenken.

Hier doch noch ein Text dazu, eine kleine, kurze Erinnerung.

Herr Rau schrieb über Kurzgeschichten. Und hat einen kurzen Satz darin, der gut zum Ausdruck bringt, was ich an unverständlichen und kryptischen Kurzgeschichten nicht mag, nicht ausstehen kann: „Also was jetzt?“ Wenn man das denkt, ist man kaum jemals zufrieden mit dem Gelesenen. Da nützt dann auch alle intellektuelle Tiefe des Textes nichts.

Mit Frau Novemberregen teile ich eine seltsame Schwäche, die sie hier beschreibt, denn wir sind beide nicht gut bei Piktogrammen und Emojis. Gerade neulich erst bin ich in einem Restaurant an den Schildchen, welche Toiletten für Frauen und Männer bezeichnen sollten, ratlos gescheitert. Sie waren besonders modern und minimalistisch, sie hätten für mich aber auch altaramäische Schriftzeichen sein können. Ratlos stand ich entschieden zu lange davor. Und da es da dann prompt auch einen dieser Wasserhähne am Waschbecken gab, bei denen man erst einen Tanz aufführen muss, bevor endlich Wasser herauskommt, weil man einfach nicht darauf kommt, wie es denn bitte diesmal gehen soll, war dieser Restaurantbesuch für mich ein besonders wirksames Vorkommnis in der beliebten Reihe: „Kein Tag ohne Demütigung“.

Langfristiges Influencen: AnJe bezieht sich auf Text und Link von mir von vor neun Jahren (ich habe selbst nicht die leiseste Erinnerung daran) und geht dem damals verlinkten Inhalt weiter nach. Faszinierend, sehr faszinierend.

Pisa und die Wut derer, die sich mit dem Thema etwas befasst haben. Ich reiße mich nur zusammen.

Gehört:

In der Reihe „Neugier genügt“ beim WDR eine Folge über die Macht der Blicke und den Augenkontakt. Mit dem erheiternden Hinweis, dass man sich in anderen Ländern viel weniger direkt ansieht, etwa Kinder die Eltern nicht. Aus Gründen des Respekts, den man dort u. a. durch so etwas definiert. Was bei uns dann aber in einem gewissen Sinne schon diagnoserelevant wäre. Immer wieder schön, solche internationalen Vergleiche.

Für den Freundeskreis „Soziologie und Politologie in härteren Zeiten“ eine Sendung aus der Reihe „Systemfragen“ zum Thema „Gender Gap – Warum die Gen Z politisch auseinanderdriftet“.

Ein Mops mit einem Pappschild. Möpse gegen rechts

Und beim Deutschlandfunk Kultur ein Feature über die bisher ausgebliebene Zeitersparnis durch Erfindungen und Fortschritt: „Das gebrochene Versprechen der Maschinen.“ Man sollte es selbstredend im Hinblick auf KI hören. Von wegen Hängematte, Chillen und entspannte Werktätige. Und was da noch so an Märchen vorgelesen wird, von Menschen mit recht durchsichtigen Interessenslagen, die nicht allzu schwer zu durchschauen sind.

Im Podcast „Noch nicht fertig – Leben zwischen Arbeit und Rente“ (Sie sehen, ich bereite mich langfristig vor) gibt es eine Doppelfolge (hier und hier) über Altersbilder und ihre Wirkungen. Ein Interview mit der Professorin Jana Nikitin, die darüber ein Buch geschrieben hat: „Die sieben Mythen des Alterns – Was wir von der psychologischen Forschung lernen können“ – Verlagslink.

Eine Kastanie auf dem Pflaster, daneben ein welkes Blatt

Es gibt in der zweiten Folge den besten Podcastzufall, der mir seit langer Zeit begegnet ist. Denn als die Rede gerade darauf kommt, dass wir wissenschaftlich kaum belegen können, wann „das Alter“ beginnt, schlägt im Zimmer der Interviewpartnerin laut und deutlich eine Uhr die Stunde. Wun-der-schön.

Beim ARD-Podcast „Alles Geschichte“ hörte ich drei Folgen über frühe Kulturen Europas: „Wie die Wikinger wirklich waren“ und „Neues von den alten Germanen“ sowie „Die rätselhaften Jamnaja“, von denen ich noch nie gehört hatte, zumindest nicht unter diesem Namen.

Was Wikinger und Germanen betrifft, stellte ich nebenbei fest, dass die Geschichtsversion, die mir noch in der Schule beigebracht wurde, mittlerweile doch als drastisch überholt gelten muss. Die Erkenntnisse haben das Bild erheblich verändert.

Neue Musik gab es nach Jahren der Pause von Michelle Gurevich:


Gegessen:

Kaffee und Kuchen habe ich im Brühwerk (hier auch Instagram) in der Innenstadt getestet, da ich mehrfach darauf hingewiesen wurde. Und tatsächlich: klar überm Durchschnitt. Der Brownie sogar rekordverdächtig für dieses Jahr. Obwohl – der Kaffee vermutlich auch.

Ein Brownie, ein Kaffee

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Ein Kommentar

  1. Da ich immer dachte, ICH sei einfach nur zu doof für Pictogrammdeutung, beruhigt es mich doch etwas, dass auch so intelligente Menschen wie Buddenbohm und Novemberregen ratlos davor stehen. Und das Waschtischdilemma kenne ich auch.

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