Ein immerhin geschmackvolles Ende

Der neulich hier erwähnte Epochenbruch, das verbreitete Gefühl, diverse Limits in der Politik, in der Geschichte und auch in der Soziologie des Menschen seien mittlerweile erreicht, eine gewisse Neigung zum Ausrufen der Apokalypse, die von manchen als lustvoll kritisiert wird – wir haben es vielfach mit Themen zu tun, die von manchen, von gar nicht so wenigen, mit einem oder mehreren letzten Vorhängen in Verbindung gebracht werden.

Was nicht beweist, dass die Lage so ist. Es beweist zunächst einmal nur, dass die Stimmung so ist.

Ein Sticker auf grauem Beton, es steht "Gefahr!" darauf

In einem Supermarkt, in dem die Schlange an der Kasse so lang ist, dass etliche Personen vor mir sichtlich mit den Nerven am Ende sind, was körpersprachlich so vielfältig und affektgesteuert zum Ausdruck gebracht wird, wie man es auch in einem Kindergarten nicht anders erwarten würde, steht ein junger Mann direkt vor mir.

Den treiben Ungeduld und Unwillen schließlich dazu, sich genauer anzusehen, was in den Regalen neben der Schlange alles angeboten wird. Es erinnert ein wenig an das verzweifelte Lesen von Shampooflaschenrückseitenaufklebern im Badezimmer, von dem Menschen aus meiner Generation manchmal mit einer etwas befremdlichen Nostalgie berichten, als sei das damals schön gewesen. Ich zumindest meine, mich da etwas genauer zu erinnern, denn schön war es nicht, nein. Keinesfalls.

Der junge Mann nimmt etwas aus einem Regal und dreht sich zu mir um, weil er jetzt etwas Austausch braucht. Und sei er noch so minimal, wie es ein Kassenwarteschlangengespräch nun einmal meist ist. „Es gibt Zahnstocher mit Geschmack!“, ruft er, sichtlich empört und auch einigermaßen nachvollziehbar. Und er ergänzt dann, was die Verbindung zum ersten Absatz darstellt: „Das ist doch echt das Ende dieser Gesellschaft!“

Auch das, versteht sich, bleibt allerdings zunächst unbewiesen.

Wir nehmen es einfach zur Kenntnis, wir legen es einfach in jenem anschwellenden Ordner ab, auf dessen Rücken groß das Wort „Verdachtsmomente“ steht.

Und, ich werde da vermutlich für viele von uns sprechen: Wir bleiben dran.

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Ein an einer Wand hängender Teller, auf dem "Mut!" steht

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