Gelegenheiten für Gelage

Ein kleiner Nachtrag zum gestrigen Text, in dem die nassen Schlafsäcke der Obdachlosen erwähnt wurden. Das passende Bild dazu begegnete mir erst nach der Veröffentlichung – ein Postkartenmotiv mit starkem Realitätsbezug.

Blick über die Außenalster, im Vordergrund nasse Schlafsäcke und Decken, zum Trocknen über Bänke gelegt.

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Am Sonntag wurde vor der Haustür Marathon gelaufen, an der Alster entlang und wer weiß, wo sonst noch hin. Ich habe es nicht nachgelesen. Eigentlich ist es ein typisches Sommersportereignis, das aber in diesem Jahr wegen der Temperaturen verschoben wurde. Nämlich von einem Unwetter zum anderen, von der Sommerhitze direkt in den ersten großen Herbststurm. Gegen den ich auch nicht hätte anlaufen wollen. Aber andere, versteht sich, sind da deutlich motivierter.

Zwei Anmerkungen dazu trotz meines ausgeprägten Desinteresses an Sportveranstaltungen aller Art. Zum einen ergänzte eine kleine Szene etwas aus meinen letzten Texten hier. [Korrektur: Die folgende Szene fand beim Frankfurter Marathon statt, ich habe das falsch gelesen. Ändert aber nichts an der Schlussfolgerung] Denn ich entnahm den lokalen Medien, dass da jemand diesen Marathon nur deswegen nicht gewonnen hat, weil er kurz vor dem Ziel mit einem fahrradfahrenden Essenslieferanten in Konflikt geriet, der auf der Ideallinie herumstand.

Woraufhin ein anderer Läufer vorbeizog und eiskalt abräumte.

Wie ich schrieb also: Es wird hier tatsächlich auf allen Wegen schwieriger. Die Konflikte zwischen den Verkehrsparteien nehmen stetig zu und sämtliche Regeln gelten für alle mittlerweile nur noch nach Belieben. Und wem beliebt es schon, Rücksicht zu nehmen.

Blick über die Außenalster mit Segelbooten

Zum anderen war ich zufällig zu dem Zeitpunkt unten an der Alster, als dort viele Fans, Zuschauerinnen, anfeuernde Freundeskreise etc. gerade Stellung bezogen. Mehrfach sah ich, dass dabei Live-Musik gemacht wurde. Mit der Hand, bzw. mit dem Mund, jedenfalls aber nicht digital, sondern dem Offline-Trend folgend. Das erschien mir sympathisch. Fast noch interessanter fand ich aber eine Nebenbeobachtung.

Denn die Fans und Freunde, die da an der ganzen Strecke in Schwärmen anrückten, um jemandem im kurzen Moment des Vorbeigaloppierens etwas Aufmunterndes zuzurufen, die hatten sich in etlichen Fällen auf eine betont fröhliche Art verproviantiert. Etwa mit einem Kasten Bier, aber auch mit anderen Getränken nach Party-Art.

Und nicht nur einmal sah ich, dass man sofort, also direkt nach der Ankunft an der Laufstrecke, damit begann, diese Vorräte zielstrebig zu vernichten. In bester Laune, das in jedem Fall, tatsächlich jeweils mit dem Ausdruck größtmöglicher Munterkeit bei allen Beteiligten. Trotz Regen und Sturm immerhin, was sicher auch eine Leistung ist.

Aber dass man zu einem enorm herausfordernden Sport-Event geht, um sich dort umgehend zuzulöten, das ist, finde ich, auch nicht ganz frei von Komik. Da übt sich ein Mensch in Askese und in spartanischer Trainingsmanier, um dort mit heroischen Absichten und sich selbst überwindend mitlaufen zu können – während seine Lieben das mit Wohlwollen zur Kenntnis nehmen und sich dabei denken: „Wie schön, da kommt eine Gelegenheit für ein Gelage!“

Aber wie auch immer. So geht es nun einmal zu, in einer Gesellschaft der Vielfalt, in der man Vorkommnisse aller Art auf verschiedene Weisen nutzen und interpretieren kann.

Ich will mich da nicht beklagen, ich schreibe nur mit. Was auch nur eine weitere Art ist, damit umzugehen.

Blick über die Binnenalster mit Fontäne

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2 Kommentare

  1. Kurze Nachfrage für die Chronisten: Stand in HH auch (!) ein Essenslieferant im Weg oder mischen sich hier die Meldungen zum Frankfurt Marathon hinein.

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