Während ich die Texte las, die im Zuge der Aktion „Der Rest von Hamburg“ entstanden sind – über sechzig Beiträge immerhin! – dachte ich natürlich ein wenig über Heimat nach. Heimat im Stadtteil, Heimat in einer Straße, das wurde in mehreren Artikeln thematisiert, teilweise sehr schön. Heimat in Norddeutschland, Heimat in Küstennähe, ich dachte so vor mich hin und klickte parallel zu meinen losen Gedanken etwas auf Youtube herum, wie ich es oft tue. Und kam von Lale Andersen über Udo Lindenberg ganz zwanglos zu Torfrock, das ist ja das Schöne an Youtube, diese seltsamen assoziativen Wege. Torfrock muss man nun sicher nicht kennen, wenn man eher aus Bayern oder Hessen und ähnlichen Gegenden kommt. Man erinnert aber, ausreichendes Alter vorausgesetzt, eventuell doch noch ein paar frühe Kracher der Band, etwa den Preßlufthammer-Bernhard. Die Texte waren eher flach witzig, wurden stark norddeutsch verzerrt gesungen und haben hier oben klar Kultcharakter. Auf den Partys meiner Jugend wurde das immer gespielt, auf Stadtfesten und Grillabenden. Auf Hafengeburtstagen. Wenn ich irgendwo den Liedanfang „Bei die Wikingers in Haithabu…“ höre, ist das für mich heute noch ein Heimatklang, so albern das vielleicht klingen mag, so etwas legt man nicht ab. Und dann war da in einem der Texte von Torfrock irgendwo das Wort Dunkeltuten, das hatte ich seit einer halben Ewigkeit nicht mehr gehört. Ich bin sogar ziemlich sicher, es nahezu exakt 25 Jahre nicht gehört zu haben.
Ein Begriff aus der Schiffahrt. Das Wort kann man im positiven und im negativen Sinne gebrauchen. Man kann es sagen, wenn man Feierabend macht und eben ganz friedlich nichts mehr macht, weil man nichts mehr machen muss: „Jetzt ist aber Dunkeltuten.“ Man kann es sagen, wenn man nur noch ins Bett geht, dann ist es ganz entspannt und nett. Ein molliges Wort, küstengemäß etwas herb aber gemütlich. Dunkeltuten. Da wird man besinnlich, da zieht man sich zurück, da ist der Stress vorbei.
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