Vorweg ein Dank für die freundliche Zusendung von „Das Buch der Unruhe des Hilfsbuchhalters Bernardo Soares“ von Fernando Pessoa, welches auf dem Wunschzettel stand. Das Buch gehört bekanntlich in so gut wie jeden Haushalt (siehe Wikipedia zum Werk), es befand sich aber aus ungeklärter Ursache nicht mehr in diesem hier. Vor Jahren vielleicht verliehen, verschenkt oder verlegt, egal, Hauptsache, ich habe wieder ein Exemplar. Herzlichen Dank!

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Dann reiste die Herzdame nach einem unvermeidlichen Trip beruflicher Art wieder auf Eiderstedt an. Wir spielten am Donnerstagnachmittag also den nächsten fliegenden Wechsel durch, die Wachablösung auf Eiderstedt. Immerhin etwas weniger zeremoniell und deutlich flotter sowie informeller als vor königlichen Palästen.
Ich wies sie nur noch kurz darauf hin, dass mir dort zwischenzeitlich ein weiterer Jugendlicher im Alter von Sohn II zugelaufen war. Der ebenfalls mit Begeisterung bei den Schafen half, der von ihm spontan unter „Kumpel“ einsortiert wurde und der dann auch problemlos bei uns übernachtete. Und auch noch etwas bleiben wird.
Das kommt bei Teenagern noch recht oft vor, dass sich ihre Anzahl derart spontan ändert. Im Alter wird man in dieser Beziehung deutlich verlässlicher. Wenn ich etwa allein reise, dann komme ich auch mit großer Sicherheit allein wieder an. Darauf kann man mittlerweile bauen.
Abschließend bleibt festzuhalten, dass sowohl bei der Herzdame als auch bei mir das Netz über einen längeren Zeitraum auf der Halbinsel tadellos stabil war. Zum ersten Mal war das so, in dieser digital etwas vernachlässigten Gegend, wenn man es milde ausdrücken möchte.
Dass wir beide dort also normal arbeiten konnten, mit Video-Calls und allem, dass wir gewöhnliche Werktage hatten. Nur habe ich bemerkt, dass sich einige Probleme doch etwas anders anfühlen, wenn man zwischendurch einfach aufstehen und nach einem anstrengenden Meeting oder nach einer kopfschmerzbewehrten Mail kurz in den Stall gehen kann. Wo der Sohn gerade einem Lamm, das von der Mutter nicht angenommen wurde, die rettende Flasche gibt.
Oder mal eben auf die Landstraße, wo links nichts ist, wo rechts nichts ist. Wo nur Fennen und Gräben sind, eine Handvoll Strommasten noch und dazwischen enorm viel Raum für Notizen.






Das ist nahe an diesem neuen Prinzip, das unter dem eher furchtbaren modernen Namen Workation bekannt ist. Kenne ich das jetzt also auch. Und denke mir bilanzierend: Okay, kann man machen.
Es ist am Ende vielleicht sogar etwas, das ich öfter als Möglichkeit im Sinn haben sollte. Zumal ich doch meist nur bescheiden im Umfeld verreise, wie es etwa auch die Landlebenbloggerin hier beschreibt. Ich könnte zur Not jederzeit nach Hause oder in die Firma zurück, wenn etwas nicht klappt. Ich reise oft so, dass es für viele andere gar nicht unter „Reisen“ fallen würde. Eher unter Ausflüge, und das klingt dann schon weniger beeindruckend.
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Ich hole ansonsten auf Eiderstedt am Abend noch etwas nach, ich sehe mir den Paten (Teil I) von Coppola endlich einmal wieder am Stück an. Trotz der mich anstrengenden Überlänge und obwohl es für mich ungewohnt spät wird. In der letzten Zeit wurden mir oft Splitter aus diesem Film auf Instagram etc. gezeigt, Szenentrümmer und Best-of-Zitate und ikonische Momente, ich bekam dann doch Lust auf das Originalwerk.
Es hat sich wieder gelohnt, es ist und bleibt ein sehr guter Film. Es verhält sich wohl ein wenig wie bei den Büchern, fiel mir dabei auf. Ich habe mehr und mehr Lust, meinen Genuss an den aus meiner Sicht großen und ganz großen Werken zu steigern und ihn, wenn ich dazu denn intellektuell überhaupt in der Lage bin, durch wiederholtes Konsumieren nach Möglichkeit auch noch etwas zu verfeinern. Immer öfter und deutlicher übersteigt diese Lust jene andere, die mich zu neuen Genüssen treibt, zum Herumsuchen und zum forschenden Probieren und Vagabundieren. Sie werden mir im besten Fall so etwas wie die seelische Heimat, diese Kulturprodukte, auf die ich aus freien Stücken wieder zurückkomme, so kommt es mir vor.
Mit anderen Worten, mein Lieblingsort auf dieser Welt ist womöglich gar nicht auf Karten verzeichnet. Er liegt vielleicht eher irgendwo in der Gesamtausgabe von Fontane. Um nur ein Beispiel zu nennen, es wären auch andere denkbar.
Aber so viele auch wieder nicht.

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Sie können hier Geld in die virtuelle Version des Hutes werfen, herzlichen Dank! Sollten Sie den konventionellen Weg bevorzugen und lieber klassisch etwas überweisen wollen, das geht auch. Die Daten dazu finden Sie hier. Wer mehr für Dinge ist, es gibt auch einen Wunschzettel.































