Zwischen die Links streue ich ihnen heute einige Bilder, bei denen es sich wieder um einen Saisonanfang handelt. Sie wurden gestern beim ersten Spaziergang an der Alster ohne die längst etwas lästig gewordene Winterdeko aufgenommen. Vom Eise befreit usw., Sie kennen das vermutlich (wenn Sie sehr jung sind: egal, nicht weiter drüber nachdenken).

Ein Interview beim NDR mit Nefeli Kavouras zu ihrem Roman „Gelb, auch ein schöner Gedanke“. Wie bereits einmal erwähnt, das Buch kenne ich noch nicht, aber ich kenne Nefeli, und die ist super. Man könnte Hoffnungen für den Roman daraus ableiten.
***
In der Reihe der arte-Dokus sah ich:
Kate Bush: „Intensiv und andersartig“. Als ich Jugendlicher war, stand Kate Bush in jedem WG-Plattenregal. Es war eine Selbstverständlichkeit, sie zu kennen, zu hören und auf Partys ggf. auch volltrunken einige Zeilen mitsingen zu können. Meist war es auch üblich, sie zu mögen. Man versteht so etwas erst hinterher, aber ihre schräg anmutenden Platten, Gesänge, Tänze und Auftritte waren also für z. B. meinen Jahrgang einer der Belege dafür, was alles geht.
Dann Terry Gilliam: „Im Reich der Fantasie“.
Wenn man diese beiden Dokus nacheinander sieht, fällt auf, dass es sich in beiden Fällen um besonders kreative Menschen handelt, die sich gegen große Firmen und auch gegen marktbestimmende Regeln durchgesetzt haben. Mit viel Mühe, aber zielstrebig und unbeirrbar.
Ein sympathischer Aspekt ihrer Karrieren.
Und dann noch Martin Scorsese: „Von Little Italy nach Hollywood“.
Sein Nachname wird in der Sendung auf mindestens drei verschiedene Arten ausgesprochen. Falls Sie da also auch unsicher sind, man hat wohl freie Wahl. Besonders schön fand ich die Szenen, in denen auch seine Eltern vorkommen, die er oft gefilmt hat. Sympathisch auch der Auftritt bei Letterman mit seiner Mutter.

***
In der Reihe SRF Sternstunden gab es eine für mich besonders interessante Folge über die Definition und die Diagnosen von psychischen Krankheiten. Mit einem geschichtlichen Abriss der Entwicklung, in dem dann prompt wieder Fromm und Foucault auftauchten, die ich auch gerade erst hatte. Fromm sogar mit exakt dem Zitat, das auch ich gewählt hatte, wie schön ist das denn.
Es geht auch um die Abgrenzungsfähigkeit der Normalität und der sogenannten Normalen von dem irgendwie zu definierenden Rest. Um den Umgang mit den wahrgenommenen Abweichungen, um die Rolle der Vererbung und der sozialen Einflüsse.
Da ich nach ausreichend langer Beobachtungsphase sicher ausschließen kann, dass es normale Menschen überhaupt gibt, sollte diese Sendung vermutlich für jeden interessant sein. Besonders ist sie es aber wieder für den Freundeskreis Neurodivergenz und für all die assoziierten Clubs aus der bunten Welt der geistigen Vielfalt.
Klare Empfehlung!

***
Unabhängig von Einzelbeiträgen möchte ich noch einmal auf das Blog „Mediathekperlen“ hinweisen. Ich finde es enorm hilfreich beim Auffinden von Filmen etc., die für mich in Betracht kommen (auch wenn ich sie dann oft doch nicht gucke).
Die Rezensionen dort kommen mir teils vor, als seien sie speziell für mich geschrieben worden, so zuverlässig werden genau die Aspekte erwähnt, die mich interessieren.

***
Die Sendung „Mal Ungeist, mal Kleingeist“ (41 Minuten) beim Deutschlandfunk Kultur ist ein Interview mit Raoul Schrott (auch zu ihm wieder ein interessanter und erstaunlich langer Wikipedia-Eintrag). Der gerade ein Buch über den Zeitgeist geschrieben hat: „Zeitgeist – Ein Plädoyer für Menschlichkeit“ (Verlagslink).
Ich fand z. B. die Stelle interessant und aufschlussreich, bei der er unsere trendy Besessenheit mit Generationsfragen, Generationsbenennungen, Generationsmerkmalen etc. als „Regression ins Kollektive“ interpretiert. Ein Gedanke, den ich noch nicht gehabt hatte, der mir aber gar nicht abwegig vorkommt.
So etwas macht dann auch Freude, denn neue Gedanken, da stehe ich drauf.
***
Und wieder ein eher unschönes Thema. Eine Radiosendung von 43 Minuten aus der Deutschlandfunk-Reihe „KI verstehen“ (Empfehlung): „Künstliche Intelligenz und Pop – Wie KI-generierte Songs die Musikbranche verändern.“
Mit Beispielen von betroffenen Künstlerinnen, die von KI plagiiert worden sind oder ungefragt variiert. Aber auch mit solchen, die KI aus ihrer Sicht sinnvoll einsetzen. Weil es selbstverständlich auch dabei zwei Seiten gibt. Mindestens.

***
Ich hörte ein WDR-Zeitzeichen (14 Minuten) über Peter Lustig. Dass er der Ton-Ingenieur war, der Kennedys „Ich bin ein Berliner“ aufgenommen hat, das ist doch entschieden eine der schöneren BRD-Anekdoten.
***
Ich weiß nicht mehr, wie ich auf den Podcast vom „Haus am Dom“ gekommen bin, eine Katholische Akademie ist bei mir nicht eben naheliegend. Aber es gibt da jedenfalls eine hörenswerte Folge mit einem Vortrag, in dem der Soziologe Hartmut Rosa (das ist der mit der Resonanztheorie) sein neues Lieblingsthema erörtert, zu dem er selbstverständlich auch gerade ein Buch geschrieben hat. Nämlich „Situation und Konstellation – Vom Verschwinden des Spielraums“, hier der Suhrkamp-Verlagslink.
Die These ist diesmal sogar leicht auf kurze Sätze zu reduzieren, die Ableitung ist es natürlich nicht. Es geht darum, dass wir immer weniger handeln (was Spielräume beinhaltet) und immer mehr vollziehen (wobei man Automatismen bedient oder auch zu solchen wird). Er stellt das an einleuchtenden, einfachen Beispielen dar, zugänglich und nachvollziehbar.
So zugänglich sogar, dass man Gedanken anlegen könnte. Ob z. B. dieser Übergang von Situationen zu immer mehr Konstellationen nicht auch etwas mit dem allgemeinen Gefühl zu tun hat, dass uns immer weniger gelingt, wozu ich etwa neulich diesen Artikel verlinkt hatte?
Einigermaßen naheliegend ist es wohl. Gibt es doch einen mir längst kollektiv vorkommenden Rückgang der Bereitschaft zur Verantwortung und überhaupt an der Entscheidungsfreude, wo man nur hinsieht.
Doch, das wird gewiss zusammenhängen, denn in den Konstellationen nach der Definition von Hartmut Rosa ist man eben nicht verantwortlich. Und kann und will es auch nicht mehr werden.

***
Wo wir schon bei so klugen Themen sind: Bei Kluges und Scheiß gibt es etwas zu feiern, nämlich das Ankommen im Sessel, bei Egalität und Rigidität. Ich verstehe das.

***
Sie können hier Geld in die virtuelle Version des Hutes werfen, herzlichen Dank! Sollten Sie den konventionellen Weg bevorzugen und lieber klassisch etwas überweisen wollen, das geht auch. Die Daten dazu finden Sie hier. Wer mehr für Dinge ist, es gibt auch einen Wunschzettel.
