Beifang vom 31.12.2016

Wegen meines bereits erwähnten Spaziergangvorhabens 2017: das dann eher ohne App. Da dann eher dem weißen Kaninchen folgen oder einer Brosamenspur, was man eben so findet. Oder den Flausen, auch so ein fast vergessener Begriff. Flausen! So schön. Sollte man wieder im Kopf haben. Flausen haben keinen Wikipedia-Eintrag, wie isses nun bloß möglich. Der Duden sagt: “Landschaftliche Nebenform zu Flausch, eigentlich loses Fadenende, herumfliegende Wollflocke”.  Wieder was gelernt. Und lose Fadenenden, wer hat die nicht im Kopf.

Sohn I kommt hier im Zeit-Magazin vor.

Ein Artikel über die Kommunikationsstrukturen der RAF, ich verlinke das nur wegen des Satzes Das sag ich dir als Markenartikler, weil er so eine herrlich bizarre Randnotiz der Geschichte ist.

Noch einmal John Grant, so kommt man auch einmal zu einem isländischen Fernsehsender. Man beachte die Backgroundsängerinnen.

Beifang vom 21.12.2016

Erinnerungen an einen Platz. Und hier der Platz in der Gegenwart. Manchmal sind good old Blogs einfach erträglicher als die Liveblogs auf den Nachrichtenseiten.  

Ein wenig beachtetes Stück Kulturgeschichte: Hundert Jahre Wundertröte.

Ich habe mit den Tagebüchern des Anarchisten und Poeten Erich Mühsam begonnen, der als Jugendlicher wegen “sozialdemokratischer Umtriebe” von der Schule geflogen ist. Ein paar Jahrzehnte später hatte ich auf eben dieser Schule Probleme wegen des Tragens “sozialistischer Symbole an der Kleidung”. Ein roter Stern, das trug man damals so. Man hat aber auch Phasen! Mein Erdkundelehrer wollte es allerdings nicht kampflos hinnehmen. Der erste Band dieser Tagebücher beginnt damit, dass Erich Mühsam ein anderes Tagebuch liest, nämlich das von Varnhagen, wobei er die Zeit, in der das spielt, als eine große empfindet, historisch aufgeladen, voller bedeutender Persönlichkeiten, großer Dichtung und politischer Dramatik, nicht so hohl und flach wie seine Zeit. Wir reden da über das Jahr 1910 einerseits und den Vormärz andererseits. Das liest man nun also 2016 und hütet sich sehr, die eigene Zeit geringzuschätzen, in welcher Hinsicht auch immer. Außerdem liest Mühsam in einem Sanatorium mangels anderer verfügbarer Lektüre Hesse, den er nicht mag: “Er schleimt. Er salbadert.”  

Es gibt übrigens eine hervorragende Seite zu den Tagebüchern, nämlich hier. Eine starke Leistung vom Verbrecher Verlag, wirklich beeindruckend. Man könnte auf den Seiten alles auch gratis lesen, wahlweise sogar in der Handschrift, das passt hervorragend zu Mühsam. Es ist aber auch nach wie vor schön, ein Buch in der Hand zu haben.

John Grant kannte ich noch nicht, aber dieses Lied hier ist sehr schön. Und traurig. Aber schon schön. Wer Spotify hat, findet dort eine weitere interessante Version des Songs, da singt er im Duett mit Sinéad O’Connor.