Beifang vom 27.11.2016

Journelle schwimmt. Draußen, im Winter, in England. Mein Bruder gehört auch zu den Leuten, die winters manchmal in Teiche hüpfen, ganz seltsam. Ich werde es sicher nicht nachmachen, aber faszinierend ist es schon. Und es gab auch einmal einen Herbst, damals in Travemünde, in dem Stefan und ich einfach immer weiter in die Ostsee gingen, jeden Tag. Auch dann noch, als die Touristen abgereist waren, als die Strandkörbe schon im Winterlager waren, als die Imbisse immer früher schlossen, auch dann noch, als die Tage kürzer wurden und der Wind immer schärfer über das Meer kam und als die Möwen immer wütender klangen. Und wenn man das so anfängt, einfach immer weiter ins Meer gehen, immer wieder, dann geht das tatsächlich ziemlich leicht. Aber nun wohne ich ja Gott sei Dank zu weit weg, da komme ich nicht in mehr Versuchung.

Yael Inokai über Tanzstunden und Berührungen. Darüber muss ich auch noch einmal schreiben, eh klar, das ist ein abgründiges und faszinierendes Thema. Wenn man Social-Dancing macht, wie die Herzdame und ich, gibt es auf einmal verblüffend viele Menschen, denen man körperlich ziemlich nahe kommt, das ist vermutlich gerade für Norddeutsche eine bemerkenswerte Erfahrung.

Sympathisch ist mir seit Tagen die Wut in der Zeitredaktion über Trump. In vielen Artikeln spürbar wie bei kaum einem anderen deutschen Medium, vehement und deutlich, so wie hier.

Im Susammelsurium geht es um Weihnachtsplaylisten, auch um meine, guck an. Gleich mal hören. Alles. 

It’s a happy thing – Social Dance

Diesen Film habe ich gerade auf Vimeo gefunden, ein paar schöne und absolut zutreffende Statements zum Lindy-Hop.

It’s a happy thing from Sax Film on Vimeo.

Und dann gleich noch einen hinterher, ein Werbeclip der Lindy-Hopper aus Brighton, wo übrigens die Kaltmamsell gerade war, aber in diesem Zusammenhang hier ist Brighton überall. Oder doch zumindest überall, wo es eine Lindy-Hop-Szene mit Kursen und Events gibt.

Brighton Lindyhoppers Promotional Clip from Mathew Keller on Vimeo.

Da fällt auch der Satz “You don’t need a partner”, und das scheint vielen nicht klar zu sein, wie ich in Gesprächen mit Nichttanzenden oft merke. Lindy-Hop ist ein sogenannter Social Dance, es gehört zum geselligen Aspekt, dass man dabei nicht abendelang an seiner Partnerin oder an seinem Partner klebt, sondern ziemlich kategorisch wechselt, sowohl in Kursen als auch auf Partys. Man tanzt also ausdrücklich dauernd mit anderen Menschen, mit großen, kleinen, dicken, alten, jungen, männlichen oder weiblichen Menschen aus woher auch immer. Man lernt sich kennen, man hat Spaß, man ist social, ganz ohne Medien, das geht auch. Und wenn man erst einmal ein paar Grundschritte kann, ist es eine höchst interessante neue Variante des Kennenlernens, sich mit dem ganzen Smalltalk nach ein, zwei Sätzen auf die Tanzfläche zu verlagern. Ich finde es großartig, da hätte ich früher drauf kommen sollen.

Man kann sich auch solo in Kursen anmelden, es ist nur etwas einfacher für alle, wenn man sich zu zweit anmeldet – nicht, um dann zu zweit als Paar zu tanzen, sondern damit das Verhältnis Leader/Follower in den Kursen halbwegs aufgeht. Für den Zweck kann man allerdings auch entfernt bekannte Menschen rekrutieren.

Die Herzdame und ich haben auch beide alleine angefangen, das geht also wirklich. Man muss absolut nicht warten, bis der ehelich oder sonstwie liebend verbundene und möglicherweise vollkommen lustlose Mensch sich endlich dahin prügeln oder nörgeln lässt, man kann einfach machen. Die Szene ist nett, der Tanz ist mit wunderbar albernen Elementen gesegnet, die Musik ist lässig und die Lieder oft auch fortgeschritten albern, wenn man einmal auf die Texte achtet. Man sollte den Gedanken an verkrampfte Anstrengungen aus vormaligen Standard-Latein-Kursen wirklich komplett vergessen, es ist definitiv etwas anderes.

Man kann sich natürlich dennoch auch beim Lindy-Hop anstrengen, man kann Ehrgeiz haben, man kann etwas lernen wollen – aber es ist doch auf einer ganz anderen Schiene. Einfach lässiger. Alberner. Besser. Zumindest für mich.

SWINGLAND from Sophie Teasdale on Vimeo.