Kartoffel-Käse-Auflauf mit Quasi-Endiviensalat

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Die Leserinnen werden sicher mittlerweile bemerkt haben, dass ich mich seit Wochen erfolgreich vor den etwas anspruchsvolleren und aufwändigeren Rezepten in dem Buch drücke. Das ist natürlich ein sehr gutes Zeichen. Es ist nämlich so: je länger ich mich davor drücken kann, desto besser gefällt mir das Buch. Und wie wir sehen, geht das tatsächlich eine ganze Weile gut, es sind also etliche Rezepte enthalten, die ziemlich leicht zuzubereiten sind, die wirklich alltagstauglich sind. Auch dann, wenn man nur eine halbe Stunde Zeit hat, auch dann, wenn gerade wieder fünf Kinder durch die Küche toben, auch dann, wenn man es nur in einen einzigen Laden schafft und nicht in drei Spezialitätengeschäfte, auf den Markt und in den Bioladen. Das ist also ein Kochbuch, das ich mir gerne in die Küche stelle, wo es dauerhaft gebraucht wird, nicht in das Regal im Flur, wo Ottolenghi und andere Komplikationsprofis stehen. Die auch Spaß machen, wenn man Zeit hat, so ist es ja nicht. Aber wer hat schon Zeit.

Kartoffelauflauf

Kartoffel-Käse-Auflauf also, theoretisch mit Endiviensalat. Praktisch gab es Endivien im Supermarkt gerade nicht, da gab es fast gar keinen Salat, als ich vor dem Regal stand. Also habe ich eines dieser Beutelchen genommen, mit Endivien, Frisée und noch irgendetwas, keine Ahnung. Vorgezupft und mundgerecht geschnippelt, in Plastik, man fühlt sich ganz schlecht, wenn man so etwas kauft.

800 Gramm festkochende Kartoffeln schälen und in Scheiben schneiden. Die Scheiben im Topf vorgaren, rund zehn Minuten. Im Kochbuch stehen nur 5 bis 7 Minuten, ich glaube so etwas allerdings nicht und mache das eher länger. Das liegt daran, dass bei mir aufgrund eines seltsamen Fluchs Aufläufe oft nichts werden. Außen verbrannt, innen roh, das kann nicht jeder, aber mein Herd und ich, wir können das. Also koche ich länger vor, damit der Auflauf auch innen wirklich gar werden kann. Wenn Sie nicht ebenfalls von einem Auflauffluch betroffen sind, reichen Ihnen womöglich auch 5 Minuten. Ich nehme fast an, das Problem habe nur ich. Jeder hat ja Lebensbereiche mit seltsamen Komplikationen, ich breche z.B. auch gerne Schlüssel in Schlössern ab, das machen andere anscheinend nicht dauernd, ganz seltsam.

Die abgegossenen Kartoffeln in eine gut gebutterte Auflaufform legen. 150 Gramm saure Sahne mit 200 ml Sahne, einem Ei, einer gepressten Knoblauchzehe und 80 Gramm geriebenem Bergkäse, Pfeffer und Salz glatt rühren. Ein anderer Käse tut es auch, versteht sich, ich weiß das jetzt aus Erfahrung, Bergkäse gab es nämlich auch nicht. Irgendein vorgeriebener Käse, der nicht gerade zurückgerufen wurde, egal. Mit etwas Muskat würzen und über die Kartoffeln kippen. Etwa 40 Gramm vom gleichen Käse mit zwei Esslöffeln Semmelbröseln mischen, über der Pracht verteilen und die Form bei 200 Grad auf der untersten Schiene backen. Im Kochbuch steht, der Knoblauch sei optional. Ich aber sage Euch: nehmet den Knoblauch und presset ihn in die Käsesahne, denn siehe, es schmeckt noch besser und die Familie wird fünfmal nachnehmen und es wird allen schmecken bis ins letzte Glied und sie werden danach fragen jeglichen Tag. So ein Essen ist das. Könnte ich wochenlang von leben.

Kartoffelauflauf

Für den Salat 2 Esslöffel Apfelessig mit 4 Esslöffeln naturtrübem Apfelsaft , 2 Teelöffeln Senf, einem Teelöffel Honig und 4 Esslöffeln Sonnenblumenöl lustig verquirlen und über die Endivien oder den Ersatzsalat kippen. Pfeffer und Salz dazu.

Empfohlen wird zu diesem Gericht tatsächlich einmal ein Bier, kein Wein. Ein Wunder! Man denkt an mich! Im Buch wird das aber nicht weiter spezifiziert, alles muss man selber machen. Ich empfehle also ein helles Lager, das passt ganz wunderfein zum Käse und zum Muskatgeschmack. Helle Lagerbiere gibt es anscheinend gar nicht so viele auf dem deutschen Markt, viel Spaß beim Suchen.

So muss das

10 Kommentare

  1. Kartoffelsachen bloß nicht Grateng nennen – dann werden die weich die Dinger. Immer.
    Stehe quasi schon in der Küche, du hast mich gerettet. Ich muss nämlich kochen, nachdem ich der Familie einen langen Vortrag über die Fleischindustrie gehalten habe…

  2. Ein wunderbares Rezept! (Es liest sich jedenfalls wunderbar…) Das werde ich bestimmt ausprobieren, allerdings genauso bestimmt ohne Endiviensalat, der ist mir zu bitter. Ein Eisbergsalat wird es genauso tun oder vielleicht Gurkensalat… das entscheide ich spontan und werde dann an dieser Stelle davon berichten.

  3. Ja aber, anstelle eines gediegenen Bergkäses, der handwerklich traditionell auf der Alp verkäst wird und aromatisch schwer wiegt irgendeine beinahe geschmacksneutrale geriebene Fertigkonserve aus der Tüte? Nicht einmal ein Gruyère, kein Appenzeller? So, wie der Knoblauch den gewissen Kick gibt, macht es auch der Käse. Was sollen denn die Kinder mit auf den Weg nehmen? Geraspelten Tütenkäse?

  4. … Lachtränen habe ich eben an der Stelle mit dem Knoblauch wegwischen müssen und habe wieder einmal meinen Herzallerliebsten mit Vorlesen behelligt. Immer wieder bewunderswert, wie viel Spaß nicht nur Kochen und Essen macht, sondern auch das Lesen eines Teilweisequasikochblogs.

  5. haha, der Übergang ins „Bibeldeutsch“ ist herrlich, stelle mir vor wie Sie Ihre Schäfchen zur Futterstelle treiben…

  6. @Drachenfrau kein Eisbergsalat. Niemals, nie, neverever. Salat wird überbewertet. ich habe nichts gegen leckeren Salat, aber viel Vitamine hat das Zeug mE. nicht. aber nie Eisbergsalat.

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