Im Hauptbahnhof ist es auch am Sonntagvormittag quirlig und rappelvoll, laut und etwas hektisch. Polizisten in voller Riot-Ausrüstung laufen Patrouille, warum auch immer, das kommt hier öfter vor. Vor dem Blumenstand steht ein junger Mann und besieht sich lange die Tulpen, die da in großen Eimern vorm Geschäft stehen, die bunten, gelben, rosafarbenen und roten Tulpen, die von unten zu den Passanten heraufleuchten. Er steht und guckt, mehr passiert gar nicht, er macht nichts, er kauft nichts, er ist einfach nur ein nachdenklicher junger Mann vor Frühlingsblumen. aber ich sehe im Vorbeigehen gerade noch, was auf seinem T-Shirt steht: “Existence is pain.” Aber mit ein paar Tulpen geht es dann ja vielleicht kurz mal.

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Wir haben die Söhne für ein Feriencamp angemeldet, nur für ein paar wenige Tage in den Frühjahrsferien, sie haben so riesengroße Lust darauf. Und ich? Kann ich in der Zeit vielleicht zu einem Gemüsegärtnercamp, dort ganz viel lernen und dennoch Spaß haben, mit kompetenter Betreuung, Verpflegung, Abschlussparty und tollen neuen Freunden? Nichts da. Ich mache mir dann wohl mein eigenes Camp. Camp Buddenbohm. Das mal auf ein Hemd drucken!

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Am Vormittag Mathe mit einem Kind geübt, das nach jeder gelungenen Aufgabe den Dab gemacht hat, wirklich konsequent nach jeder. Ich fand es erst ein wenig nervtötend, aber nach einer Weile leuchtete es mir doch ein, Mathe macht einfach viel mehr Spaß, wenn man die Erfolgserlebnisse so deutlich betont, das Lernen wird lebendiger und die Erfolge spürbarer. Vermutlich ist es also richtig, das alles emotionaler anzugehen, vermutlich machen wir das im Großraumbüro alle falsch, die korrekten Ergebnisse in den Exceltabellen einfach stoisch und so elend erwachsen hinzunehmen. Was sagt der Innere Zehnjährige dazu? Mehr Moves bei Mathe! Wobei der Dab die Kolleginnen dann doch irritieren könnte, glaube ich, vielleicht fange ich lieber mit einem dezenten Victory-Zeichen an. Und am besten gleich nach dem Hochfahren des Computers, man weiß ja nie, ob man danach im Laufe des Tages noch einmal Gelegenheit dazu hat.

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Schließlich haben sich mehrere Leserinnen beschwert, denn der Tom-Waits-Clip gestern hatte wohl depressiv stimmende Nebenwirkungen und hat den Abend bei manchen etwas runtergezogen. Was kann ich heute als Heilmittel anbieten? Einen Partykracher aus meiner, haha, unbeschwerten Jugend. Man kriegt gleich wieder Lust auf Dosenbier, kriegt man nicht? 1984! Da sah ich dem Sänger figürlich noch ähnlich.

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