In der morgendlichen S-Bahn ist die Grippewelle nicht mehr zu übersehen oder zu überhören, etwa ein Drittel der Wagenbesatzung sieht nach Lazarettzug aus, bleich und fiebernd. Eine Frau hustet so dermaßen, dass erst alle von ihr wegrücken und sich umsetzen, dann aber doch von den neuen Plätzen aus lange Hälse machen und sich fragen, ob da wohl gleich Blut oder sonstwas mit hochkommt, so wie in diesen Filmen immer, das kennt man doch, wo man immer hofft, das jetzt bitte keine Nahaufnahme kommt. Die Frau wird doch wohl nicht gerade final verröcheln? Ob man da nicht vielleicht doch einen Notarzt … die Frau ringt nach Luft, sie hustet zum Gotterbarmen, wedelt aber freundliche Fragen weg und wankt schließlich zur Tür. Im besten Fall geht sie zum Arzt oder ins Bett, vermutlich geht sie aber einfach zur Arbeit, warum sollte man auch sonst in Hammerbrook aussteigen. Normal.

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“Es riecht immer nach Suppe im Geschäft des Uhrmachers, egal ob man um 9 Uhr oder um 17 Uhr zum Uhrmacher kommt. Nur um 13 Uhr muss man nicht zum Uhrmacher kommen, denn dann schläft er. Das Sofa ist blau und steht hinter einem Vorhang, der Vorhang ist grün wie das Linoleum.”

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Währenddessen buddelt der Abrissunternehmer den ganzen Tag mit seinem Bagger in unserem Garten herum, meldet ab und zu Fundstücke und wir können nicht einmal zusehen. Stelle wiederholt fest, dass mir das Konzept Berufstätigkeit dauernd bei allem im Weg ist. Schlimm.

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Beide Kinder krank, eines nur nachts, das andere auch tagsüber. Fast möchte man selbst auch einmal etwas Bauchweh haben und dazu dann einen freundlichen Menschen, der einem pfefferminzigen Tee bringt und die Decke aufschüttelt und so über die Stirn streicht, wie es Eltern unweigerlich immer machen, und der dann noch ein paar Bücher und das iPad und die Salzstangen anreicht und die Tür leise wieder hinter sich schließt. Na, das machen bei uns dann später die Pflegeroboter.

Wegen des kranken Kindes jedenfalls wieder am Vormittag aus dem Büro ins Home-Office gewechselt, dadurch leider komplett verpasst, wie sich am Nachmittag zum Büroschluss wie in jedem Jahr an diesem Tag eine Hundertschaft genervter Männer vor dem Blumenladen im Hauptbahnhof aufreiht, um dort über Nacht teurer gewordene Rosen zu erwerben, die augenrollend bezahlt werden. Also nachdem eine sinnige Auswahl getroffen worden ist, die preislich möglichst exakt mittig zwischen Geiz und Größenwahn liegt. Romantik!

Egal. Hier noch was mit Liebe.