Knöpfe und Seife

Seit Tagen radele ich nach der Arbeit zum Garten und mache da ein wenig, so etwa 40 Minuten lang. Dann muss ich schon wieder weiter und mich dringend um andere Jobs, die Kinder und den Haushalt kümmern. 40 Minuten sind nun nicht gerade viel für einen großen Garten, aber doch sehr viel für einen normalen Alltag. Denn mit der Radstrecke sind es eher schon bedrohlich klingende 90 Minuten, die gehen bei mir jetzt allerdings als Wellness durch, als Fitnessprogramm, Entspannungsmaßnahme und Gesundheitsvorsorge. Leichter und regelmäßiger Sport mit Krafteinsatz und Ausdauerübung abwechselnd, das klingt doch wie ausgedacht, so gut passt das. Bewegung im Freien, Besinnung ohne Smartphone, ich könnte glatt für eines dieser neuen Magazine darüber schreiben, Hygge und wie die alle heißen. Aber ich kenne die gar nicht weiter, wer hat denn schon Zeit für Zeitschriften über Gemütlichkeit und Genuss, also wirklich.

Vor einem Jahr hätte ich noch über die Vorstellung gelacht, jeden Tag irgendwo 90 Minuten extra unterzubringen, hysterisch gelacht hätte ich da! Aber man liegt eben nicht immer richtig mit dem, was man über sein Leben so denkt, und das ist dann auch schon die Moral von der Geschichte. Es ist ein wenig wie beim Softwaretesten, man muss erst alle Knöpfe in wechselnder Reihenfolge mehrmals geklickt haben, bevor man wirklich weiß, wie alles funktioniert, ob es überhaupt funktioniert, wie gut es funktioniert und wozu man was gebrauchen kann. Und wenn man so drüber nachdenkt, es gibt irre viele Knöpfe im Leben.

Ich komme auf dem Weg zum Garten jetzt an ganz neuen Einkaufsmöglichkeiten vorbei, damit habe ich überhaupt nicht gerechnet. Und ich kann, während ich auf der Parzelle Gießkanne um Gießkanne fülle und durch die Gegend schleppe, Blogeinträge und Kolumnen im Geiste vorschreiben, die ich dann zuhause nur noch abtippe, so wie diesen Text hier. Man muss nämlich sonst nichts denken beim Wassertragen. Das ist eine eher schlichte Tätigkeit, die geht ganz gut auf Autopilot, da freut sich das Gehirn und kann mal etwas herumspielen. So reiht sich Vorteil an Vorteil, selbstverständlich auch, weil ich es positiv sehen möchte. Aber siehe die Moral von der Geschichte, das ist eben auch nur ein weiterer Knopf, das mit der positiven Sichtweise.

Bleibt nur die Frage – was mache ich eigentlich von November bis März? 

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Mikroplastik im Hochgebirge. Die Plastikfrage bleibt auch, ich werde weiterhin Plastiklinks hier unterbringen und auch über Plastik im Alltag und beim Einkauf schreiben, wenn es neue Erkenntnisse gibt. Nachher z.B. mache ich was ganz Abgefahrenes, ich teste mal diese Haarseife, die man im Bioladen ohne Plastikverpackung kaufen und dann statt Shampoo benutzen kann. Wobei das quasi Shampoo in fester Form ist, die chemischen Details sind mir allerdings egal. In Chemie habe ich nie etwas verstanden, Trauma fürs Leben, Sie kennen das. Das Ergebnis des Tests dann demnächst hier, versteht sich.

29 Kommentare

  1. „Bleibt nur die Frage – was mache ich eigentlich von November bis März? “
    Ich hab auch einen Garten (zum Glück sogar am Haus!) und ich frag mich das auch jedes Jahr. Jedes Frühjahr frage ich mich: Wie habe ich es geschafft, diesen Winter ohne Gartenarbeit zu überleben?

  2. Tipp: Walnussbaum, möglichst alt, möglichst ausladend, möglichst groß, pflanzen. Dessen Blätter, Nussschalen, Sprösslinge sorgen in Verbindung mit einem wuseligen Eichhorn auch im Winter für ordentlich Aufräumarbeit.

  3. Ich finde es immer ganz in Ordnung, wenn die Gartensaison vorüber ist und man sich mal wieder anderen Dingen widmen kann. Z.B. Gartenbücher lesen.

  4. Im Herbst/Winter repariert/verbessert man an der Laube herum oder hat Arbeit im Gewächshaus (nach dem, was ich bei meinen Schrebergärtnern hier gegenüber so beobachten kann).

  5. Zugegeben, wir haben mildes Klima am Wohnort, es gibt sehr selten Frost und nie lange genug, als dass es den Garten kümmern würde. So mähe ich bis weit in den Dezember Rasen, ab spätestens März wieder. Dann könnte man auch die Früchte der Obstbäume, die man einfror, auftauen und weiter verarbeiten. Es wird nie langweilig.

  6. Ach, das kenne ich vom Gassigehen. Früher hab ich immer versucht, bis zur jobbedingt letztmöglichen Viertelstunde im Bett zu bleiben, heute stehe ich eine Dreiviertelstunde früher auf, um mit der pubertierenden Hündin eine Runde zu gehen.
    Man trifft vereinzelt andere Hundemenschen, hat aber ansonsten bis auf einzelne „Fuß!“, „Sitz!“ und „Lasses!“-Kommandos kaum intellektuelle Anforderungen zu bewältigen.
    Heute früh probierte ich in Gedanken mal durch, ob ich was über die DSGVO bloggen kann, und schrammte dabei nur knapp an einem Desaster vorbei. Eine schmale asphaltierte Straße zwischen einem Hof und einem Acker, ein Auto kam an, ich befahl der Hundedame „Sitz!“ und wollte selber einen Schritt weiter weg vom Asphalt gehen und traf mit dem linken Fuß das einzige Erdloch im hochgewachsenen Gras.
    Fuß knickt um, der Ausfallschritt nach links landet direkt im zugewucherten Graben, ich kann mich gerade noch fangen.
    Ist am Ende nicht viel passiert, der linke Knöchel ist etwas dick, aber alles funktioniert.

  7. Bäume und Büsche beschneiden, Pläne für das nächste Jahr machen. Und der Winter geht später los und hört eher auf, ist gar nicht so viel Zeit, wie man denkt.

  8. Bei Haarseifersüchtig unbedingt nachher mit Essigwasser spülen. Am besten kalt. Sonst gibt es Kalkseife im Haar. Und dann finden das alle doof und wollen doch wieder Flüssigshampoo in Plastik.

  9. Ich könnte mich zusätzlich hier in der Nachbarschaft umhören, wie man dir die Zeit zwischen November und März verplanen könnte … falls nicht genügend Ideen zusammen kommen… ;O)
    (übrigens: sehr leider gleiches Chemie-Traum)

  10. November ist noch Saison, da ist noch einiges im Gemüsebeet, man kann Mist ausbringen, Laub harken, Pflanzen winterfest machen. Dezember und Januar sind in der Tat langweilig, aber man kann schon mal planen, ggf. ein paar Gehölze schneiden (wobei ich den Sommerschnitt bevorzuge). Aber deshalb hat der liebe Gott ja die Adventszeit in den Dezember gelegt, man ist dann ja meist gut ausgelastet, so dass man sich freut, nicht auch noch Rasen mägen zu müssen. Im Januar kann man dann auch Kataloge und Internetseiten wälzen und völlig wahnsinnig Unmengen von Samen und Pflanzen bestellen.
    Im Februar fängt die Anzucht mit Paprika und Tomaten an, und sowie es frostfrei ist, muss man den Garten begehen, schauen, was schon blüht, mit Stöckchen markieren, wo Lücken gefüllt werden müssen (meist kommt an der Stelle 2 Wochen später eine Staude, die man ja im Herbst gepflanzt hatte) und Beete vorbereiten. Und zack, schon ist wieder März und man hat nur die Hälfte von dem geschafft, was man eigentlich vorhatte.

  11. Ich hab erst auf kein Shampoo (da muss mal dann eher oefter mit sehr warmen Wasser waschen und Anfangs hab ich auch mit Apfelessig gewaschen) und dann auf ab und zu Seife fuer Haare umgestellt. (Und Seife statt Duschgel als Standard). Und ich bin *absolut* entzueckt: NULL PROBLEME (ausser vielleicht ganz am Anfang, weil ich nicht wirklich gerne jeden Tag Haare wasche). (Aber ich hab auch irgendwie unproblematische Haare und nicht zu fettig).
    Seife: mehr so was gut riecht, nix spezielles. Einmal Schafmilch-Haarseife. und diese hier: https://www.lepetitolivier.fr/gammes/savons.html
    (zugegebenermassen konnte ich sie mir in Frankfreich direkt im Laden kaufen)

  12. Aehm, ich wollte auch kein Hardcore-Werbung machen, sondern an sich nur zu Ausdruck bringen, dass ich glaube, dass es reicht, wenn man eine milde, gut riechende (Lush waere mir auch zu krass!) Seife findet, braucht nicht mal was spezielles. (Vielleicht hab ich auch einfach nur Glueck)

  13. Mir geht es so, dass ich im Spätherbst über die Pause im Garten ganz froh bin… allerdings fängt es spätestens im Januar wieder in den Fingern zu jucken an! Witzig, ich habe heute auch ein Lieferung mit Haarseife bekommen. Bin schon gespannt. Auch die Flüssigseife am Waschbecken habe ich ersetzt. Damit bin ich aber weniger glücklich. Das Waschbecken sieht total siffig aus! Werde wohl doch bei der Flüssigseife bleiben. Kaufe aber sowieso nur die dünnen Nachfüllpackungen. So radikal bin ich dann auch nicht!
    Viele Grüße von
    Margit

  14. Ich hab mal ne Zeitlang die Haare mit einer Art Heilerde gewaschen, weiss aber nichts mehr über die Verpackung. War aber ne ziemliche Sauerei in der Dusche ?? und die Haare werden supervoluminoes und lassen sich schlecht in eine Form foenen. Hat mir aber super gegen Kopfhautprobleme geholfen. Mit einem Tropfen Teebaumoel. An den Geruch gewöhnt man sich.

  15. Einfaches schnödes Roggenmehl als Shampoo soll ganz heißer Sch… sein. Gibts in der Papiertüte, bestimmt auch in Unverpacktläden bzw. Stationen, und kostet nicht viel.

    Oder noch besser: selber anbauen, ernten, lagern und an langen Winterabenden gemütlich zuhause dreschen und mahlen! Da ergibt sich bestimmt eine ganz neue Familiendynamik ;).

  16. Ich kaufe meine Shampoobits im Unverpacktladen unserer ehemaligen Kollegin Maren. Ihr gehört „Ohne Gedöns“, einer der beiden Unverpacktläden in Hamburg. Lebensmittel gibts da natürlich auch. Wenn nur die Fahrerei nicht wäre. Funktioniert übrigens super mit den ShampooBits, auch sehr praktisch auf Reisen.

  17. Ich habe eine Weile auch mal Haarseife ausprobiert, immer mit Essigwasser nachgespült und nach ca. 4 Wochen aufgegeben, weil die Haare stumpf wurden, sich nicht richtig kämmen ließen und trotz Essigspülung sich Seifenreste in den Haaren zu „Schuppen“ sammelten.
    Aber vielleicht hab ich einfach nur doofe Haare…

  18. Einfach die Frau oder Kinder in diesen schrecklichen Laden an der Spitaler Straße schicken 🙂 Wasche seit Jahren mit Haarseifen und muss leider immer wieder auf Lush zurück greifen, da das die einzigen Seifen sind, bei denen ein Nachspülen mit Essigwasser entfällt.

  19. Zum Thema Knöpfchen hätte meine Mutter ganz pragmatisch gesagt : Wo ein Wille ist, ist auch ein Weg. Trotzdem danke für die Erinnerung, man vergisst ja doch oft, wie viele Knöpfchen man so hat, an denen man drehen könnte.

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