Pardon, ich war im Garten, wo das Offline immer neue Dimensionen erreicht. Deswegen erschien hier nichts, Sie werden es sich gedacht haben. Mittlerweile lassen die Herzdame und ich die Handys schon einfach irgendwo in der Laube liegen, geladen oder nicht, auch egal. Nicht einmal der abendliche Blick auf die Nachrichtenlage oder den Twitterstream wirkt noch besonders anziehend, wenn es also eine Sucht war, dann ist der Garten die Entzugstherapie. Demnächst einfach mal ohne Handy in den Garten! Stundenlang ohne Nachrichten! Revolution! Die Wahrscheinlichkeit, dass in diesen Stunden dann etwas passiert, sie ist natürlich riesig. Irgendetwas, bei dem einen hinterher alle fragen , wie man das denn bitte nicht mitbekommen konnte. Wieso ich aber überhaupt in der Lage bin, nur mittels unterbrochener Handynutzung bedeutende Ereignisse zu triggern – es ist magisch.

Zwischendurch habe ich ganz ohne Netzzugang eine Kolumne für die Zeitung geschrieben, das war aber ein wenig albern, weil ich im Garten keinen Platz gefunden habe, an dem ich den Bildschirm einwandfrei erkennen konnte, immer spiegelte es oder es gab andere Probleme, übergriffige Insekten und dergleichen, im Haus dagegen war es viel zu heiß. Die Nachbarn halten mich jetzt vermutlich für irre, weil ich mit Klappstuhl laut fluchend halb in der Hecke saß und dauernd ein paar Meter weiter rückte. Mit Schreibmaschine wäre das nicht passiert!

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Ein Artikel über Mitgemeinte und Nichtgemeinte mit einem Satz zum Merken und Mitdenken: “Das generische Maskulinum macht Frauen besser unsichtbar als jede Burka.” Noch nie übrigens ist mir ein Artikel begegnet, der das Thema für die schöne Literatur aufgreift. Warum eigentlich nicht? Gleiches Problem? Die Räuberinnen? Nein, kein gutes Beispiel, schon klar. Aber ein Thema müsste es dennoch sein.

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Abgelaufene Lebensmittel sollen künftig ausgepackt werden. Ja nun, klingt ziemlich logisch, ne. Oder sagen wir gleich – wie bitte konnte es denn jemals anders sein? Nicht ganz dicht? Immer wieder sitzt man auf diese Elternart augenrollend vor den Nachrichten und möchte alle zusammenfalten. Schlimm. Dazu noch: The week in plastic. Oder hier, der Strand, der Müll und das Meer.

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Vielleicht entlastet es die eine oder den anderen, ich möchte hier freimütig bekennen, dass ich den Herrn, den offensichtlich meine gesamte Timeline seit Jahren intensiv liest, verfolgt und analysiert, überhaupt nicht kannte: Anthony Bourdain. Sein Tod wird vielfach beklagt, ich aber habe den Namen noch nie gehört, das fühlt sich immer ganz seltsam an. Hoffentlich kenne ich irgendwen, den Sie nicht kennen, von wegen Ausgleich und Fairness. Der muss dann aber nicht gleich sterben, wir wollen nicht übertreiben.

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Komm, gieß mein Glas noch einmal ein. Das ist eines der etwas bekannteren Lieder von Reinhard Mey, das ich hier kurz aufgreife, weil es einen ganz amüsanten Bezug zum Degenhardtschen Wildledermantelmann im letzten Beitrag hat. Denn da geht es ja um die Freunde aus der wilden Zeit, um die mit der geplanten Weltrevolution, die da im Song und im Wein heraufbeschwört werden. Es geht darum, was aus denen geworden ist, wo die jetzt wohl sind, die Kameraden aus den glorreichen Zeiten, wo die hingedriftet sind, um im Kontext zu bleiben. Wenn man das noch einmal hört, da sieht man den Sänger doch im Lehnstuhl vor sich, wie er sich den grauen Bart krault und eine gute Flasche leermacht, die er vermutlich nur aus Understatement als billig bezeichnet, nicht wahr? Dazu muss man aber wissen, das Lied ist von 1970. Das ist ganze sieben Jahre jünger als der Widledermantelmann. Wie isses nun bloß möglich!

Und wie alt dieser eine Satz geworden ist: “Geschrieben haben wir uns kaum”. Damals, als Kontakt noch aus Briefen bestand.

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Die ersten Erbsen im Garten sind reif, es sind Zuckererbsen, man kann sie direkt roh essen, gleich von der Pflanze, den Geschmack kannte ich so gar nicht. Stark! Falls Sie auch mal Erbsen anbauen wollen, das ist sehr simpel. Ich hatte die Sorte “Graue Rotblühende”, die gibt es im Bioversandhandel, etwa hier. Nein, keine bezahlte Werbung, reiner Servicegedanke. Die Erbse blüht weder grau noch rot, sie blüht überraschend schön dunkelrosa und lila, sie rankt brav, schmeckt toll, sie hat keine besonderen Pflegeansprüche. Das Rankgitter hat Sohn II aus zwei Stöcken und Draht gebaut, der Sohn ist acht Jahre alt, das kann man also problemlos an den Nachwuchs delegieren. Dicke Empfehlung.

Wie es aber die Erbsen schaffen, dass da alles plötzlich voller Schoten hängt, wo gestern noch nichts war? Unerfindlich. Pflanzen sind so verdammt schnell, man macht sich keinen Begriff. Und nie sieht man, was passiert, immer ist alles plötzlich da. Quasi grüne Ninjas. 

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Außerdem sind die ersten Stachelbeeren reif, die ersten Johannisbeeren und bald die ersten Him- und Blaubeeren und Kirschen. Die immerhin sechs Pfirsiche am Baum könnten sogar auch etwas werden. Die Erdbeeren werden immer mehr, der Garten fühlt sich jetzt noch sommerlicher als sommerlich an. Die Zwiebeln und der Knoblauch sind schon raus und trocknen, der Kohlrabi ist bereits abgeerntet und verzehrt. Der Spitzkohl ist in Kürze dran, der erste Mangold auch, die Kartoffeln blühen. An den Tomaten hängen grüne Kugeln und der Basilikum schmeckt irre gut, aber der bekommt hier ja auch deutlich mehr Sonne als im grauen Italien.

Der Cammarata-Kürbis hat währenddessen die Hälfte des Komposthaufens eingenommen und wirkt ganz außerordentlich dominant. Vivat, crescat, floreat!

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Sie können hier Trinkgeld in den nur virtuell vorhandenen Hut werfen, Sie können es aber auch lassen, es ist ein freies Land.

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