Das Büro, in dem ich vormittags arbeite, liegt an einem Fleet. Aus dem Fenster sehe ich im Sitzen aber nur das Bürohaus gegenüber, man muss schon aufstehen und zum Fenster gehen, um das Wasser zu sehen. Im Grunde ist das also ein ganz normaler Ausblick, normal hässlich, nur ist zwischen den Büroblöcken eben Wasser, keine Straße, das ist für Hamburg auch nicht ganz ungewöhnlich. Ab und zu fährt da unten sogar ein Schiff oder ein Boot vorbei, die Fleetenkieker schauen nach dem Rechten oder ein Kanupaddler verirrt sich und guckt ratlos an den Häusern hoch. Bei Fehlleistungen im Job empfehlen wir uns hier gerne kollegial, doch bitte ins Fleet zu springen, das Gewässer ist also Teil der Alltagssprache, man ist soweit norddeutsch geprägt.

Über dem Fleet kreisen immer die Möwen. Manchmal schießen sie auch die Wasserstraße entlang, als sei das die Möwenautobahn, freier Flug für freie Möwen. Und immer schreien sie dabei. Ab und zu telefonieren wir mit Menschen aus dem tiefsten Binnenland, dann fällt denen auf, dass es bei uns aber wirklich sehr nach Hamburg klingt, so richtig klischeemäßig. Obwohl das Tuten der Schiffe im Hafen, das wir tatsächlich auch manchmal schwach hören, wenn der Wind denn richtig steht, durchs Telefon sicher gar nicht ankommt. Aber gut, wenn man hier anruft, dann hört man erst “Moin” und dann eine Möwe. Passt schon.

Im Moment haben die Möwen Jungvögel, einer stolziert durch unseren Innenhof, er sieht noch etwas zerzaust aus und ist nicht so strahlend weiß wie die Eltern. Vermutlich ging der erste Flug schief, jetzt läuft er da unten ratlos herum und guckt uns an, wie wir ihn angucken. Seine Eltern und Verwandten kreisen über ihm und schreien herum, das scheint ihm aber nicht zu helfen. Wir nennen ihn Kuddel, wir nennen den jährlichen flugunfähigen Jungvogel in jedem Jahr Kuddel, es gibt immer genau einen pro Jahr, warum auch immer. In ein paar Tagen wird er weg sein, das kennen wir schon, von Katzen oder von Ratten geholt oder natürlich weggeflogen. Ich stelle mir immer vor, die Jungvögel sind weg, weil sie plötzlich doch noch aufs Fliegen gekommen sind, Kuddel kommt durch. Ich bin eben Romantiker.

Für uns Büromenschen hat diese Phase mit den hysterischen Möwen über uns immer einen beruhigenden Aspekt. Denn es ist egal, wie sehr wir uns über irgendwas aufregen – die Möwen sind aufgeregter. So aufgeregt und hysterisch schreien sie herum, gegen die Möwen sind wir immer cool, gefasst und ungeheuer zivilisiert. Das ist ein gutes Gefühl, das hat man sonst so nicht.

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Drüben bei der GLS Bank habe ich mal wieder einen Gast eingeladen: Caro vom Blog Hauptstadtgarten hat zum Thema Urban Gardening geschrieben.

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Gute Geschäfte als Konzept und Veranstaltungsform, das kannte ich noch nicht, aber das gibt es bald auch hier im Stadtteil. Da treffen sich wohltätige und soziale Organisationen aller Art mit Unternehmen und gucken, ob sie Deals finden. Alles kann getauscht und gehandelt werden, nur kein Geld. Einfaches Beispiel: Eine Hilfsorganisation braucht dringend neue Flyer, hat dafür aber kein Geld. Eine Firma übernimmt das und erhält im Gegenzug Erste-Hilfe-Kurse für die Belegschaft. Simpel, ne? So etwas finde ich toll. Lösungen, die wirklich funktionieren und Leuten sogar Vorteile bringen, so etwas geht, hallo Berlin. Hier mehr dazu.

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Die Denksportaufgabe des Tages: Das “Gesetz der zunehmenden Penetranz der negativen Reste”. Mal im Alltag überprüfen! (Gefunden via Newsletter der Krautreporter). Das Gesetz hat jedenfalls einen wunderschönen Namen, den merke ich mir.

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Was wäre, wenn alle Grenzen offen wären?

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Der Monat hat gewechselt, wir können uns also um Juli-Gedichte kümmern. Die Zuordnung ist nicht unbedingt präzise, aber den folgenden Jandl lassen wir einfach für den Juli gelten, mit seinem Sommerlied, froh wir nur was:

“wir sind die menschen auf den wiesen

bald sind wir menschen unter den wiesen

und werden wiesen, und werden wald

das wird ein heiterer landaufenthalt”

So viel zum erbaulichen kulturellen Teil. Weiter im Text.

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Ich bin gestern einmal quer durch die Stadt geradelt, deutlich weiter, als ich sonst herumkomme. Ich habe wieder gedacht, das ist so saugefährlich, dass kannst Du unmöglich deinen Kindern beibringen, das geht einfach nicht. Um nur ein Beispiel zu nennen, diese mittlerweile vieldiskutierten rechts abbiegenden LKW, die schon so manchen Menschen vom Fahrrad direkt ins Jenseits befördert haben. Den Fall hatte ich an einer Kreuzung auch und der Fahrer hat mich ganz gewiss nicht gesehen, ich bin da absolut sicher. Wäre ich geradeaus weiter gefahren, hier stünde jetzt nichts. Der konnte mich gar nicht sehen, der Fahrer, aber nicht wegen technischer Unzulänglichkeiten, sondern weil sein Beifahrer die Beine hoch- und aus dem Fenster gelegt hatte, die nackten Füße direkt vor den Außenspiegeln sonnte und diese dabei komplett verdeckte. Da kann man sich schon vorstellen, dass der tote Winkel verblüffend groß ist, nennen wir ihn doch einfach “rechte Seite”.

Ansonsten das normale Elend, Autos, die auf Radwegen halten und parken, Lieferwagen, die ohne Rücksicht aus Ausfahrten brettern, verfettete SUVS, die einen mit 10 cm Abstand überholen, Schlaglöcher auf Radwegen, an denen man spontan den Salto erlernen könnte – es ist ein Desaster. Fahrradstadt Hamburg, da fehlt dann doch noch ein wenig.

Die Radfahrer haben auch nicht durchgehend alle Latten am Zaun, es herrscht hier bei allen Verkehrsteilnehmern eine befremdliche Grundaggression. Die ganze Stadt scheint mir therapiebedürftig, das wäre aber ein verdammt großer Stuhlkreis zum Beginn der Maßnahme. Einer saß im Auto und beschimpfte lauthals den Fahrer vor ihm, er machte extra das Fenster runter, um mir wild gestikulierend mitzuteilen, dass heute wieder nur Schwachköpfe und Ignoranten unterwegs seien – um mir dann im Anfahren die Vorfahrt zu nehmen.

Aber vermutlich bekommen die meisten Auto- und Radfahrer diese Aggression um sie herum nicht einmal mit, schon weil sie dauernd aufs Handy gucken. Da ist man eben abgelenkt, das muss man wiederum verstehen, so viel Empathie muss schon sein.

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An den Kommentaren hier im Blog ist übrigens gerade etwas kaputt, das läuft nicht mehr reibungslos. Ich habe dazu noch keine Idee, werde der Sache aber in Kürze intensiv nachgehen (ich werde also im Back-End wahllos irgendwelche Knöpfe drücken). Spannend!

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Ich habe mich noch gar nicht um Garten-Songs gekümmert, wieso denn das nicht? Dabei liegt das so nahe: Einfach mal anfangen: “Wir trafen uns in einem Garten”. Auch schon verdammt lange her!

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Sie können hier Geld in den nur virtuell vorhandenen Hut werfen, dann sind Sie ein noch besserer Mensch als vorher – und wie gut waren Sie da schon!

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