Die Woche beginnt mit einer Reizstrombehandlung beim Orthopäden, unter uns seniorigen Bloggerinnen muss so eine Erwähnung der Randumstände auch mal erlaubt sein, wir erleben ja sonst nichts mehr. Eine Behandlung, die jedenfalls ganz lustig war, da ein Arm dabei wildes Muskelzucken bekam und ich unwillkürlich winkend da saß, wie in einem Sketch von Zucker, Abrahams & Zucker, die Älteren erinnern sich. Laut lachend in der Kabine gesessen und mir passende Drehbuchstellen dazu ausgedacht, mit Ideen reich beschenkt gegangen, jederzeit gerne wieder. Dabei schreibe ich gar keine Drehbücher, fällt mir gerade ein. Egal.

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Ein Artikel über die Schlabberigkeit der Mode. Ich bin da gerade meinungslos. Aber ich kenne ziemlich wenig Menschen, denen ich einen deutlich erkennbaren Modestil nachsagen könnte, sicher sind es im Laufe der letzten Jahre auch eher weniger als mehr geworden. Und von denen, die ich kenne, gelten einige genau wegen ihres Stils als mindestens leicht irre. Der Rest trägt, was in den üblichen Läden eben so hängt. Irgendwie geschmacklos – aber irgendwie auch recht demokratisch. Hm. Schlimmer als modische Verheerungen erscheint mir allerdings oft der Einfluss der Jahreszeiten, denn der gewöhnliche Nordeuropäer beiderlei Geschlechts, er sieht einfach nur in Herbstmode gut aus. Kategorisch.

Wobei mich die Stilfrage daran erinnert, dass ich vor vielen, vielen Jahren oft einen seltsamen Typen auf der Straße getroffen habe (Achtung, habe ich schon einmal erzählt, Stammleserinnen springen bitte weiter zum nächsten Absatz), der so schrecklich und unvorstellbar abwegig angezogen war, dass er mir schon leid tat. So ein Typ, durch dessen Anblick einem klar wird, dass man selbst noch halbwegs richtig tickt, der in diesem Sinne also immerhin auch nützlich war, man braucht doch ab und zu den sozialen Abgleich. Viel später habe ich erst gemerkt – das war Wigald Boning, und der war damals nicht ganz erfolglos mit seinem Stil. Man braucht ein paar solcher Begegnungen, um von jeglicher Arroganz geheilt zu werden.

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Am Nachmittag Smilla Dankert getroffen und mich mit ihr über Bilder und Blogs unterhalten. Darüber muss ich noch ein wenig nachdenken, denn zwischendurch kam mir kurz der Gedanke, dass wir uns vielleicht viel zu wenig austauschen, also wir, die wir mehr oder weniger im Internet arbeiten und leben, die wir mehr oder weniger freiberuflich arbeiten und mehr oder weniger kreativ sind. Es könnte sinnvoll sein, das öfter zu tun, auch metierübergreifend, ich habe da womöglich selbst Bedarf. Umwerfende Erkenntnis, ich weiß, aber ich brauche manchmal eben länger.

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Auf der Straße eine junge Frau gesehen, auf deren T-Shirt in Brusthöhe “Sexy but psycho” stand, im Grunde total praktisch, da weiß man doch Bescheid. Kommt aber zu spät, so etwas hätten die Damen vor 30 Jahren tragen sollen. Obwohl. Nein, hätte auch nichts genützt, wenn ich so drüber nachdenke. Die Frau stand jedenfalls neben einem Auto, es wird ein Zufall gewesen sei, dass es gerade dieses Auto war, auf dessen Heckscheibe ein Aufkleber verkündete: “Never fuck a fucker”. Und sehen Sie, da haben wir es wieder. Wenn das ein kurzer Kameraschwenk in einem Film wäre, so von T-Shirt-Text zu Auto-Text, alle würden laut stöhnen. Aber in der Wirklichkeit muss man jeden Quatsch einfach so hinnehmen. Schlimm.

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Ich habe mehrfach zu danken, nämlich erstens dafür, dass Menschen die gestrige Wanderankündigung sofort finanziell unterstützt haben, wirklich grandios. Wenn das so weitergeht – es werden hier noch Sachen möglich, die ich früher immer gleich wieder verworfen habe, kaum dass mir überhaupt die Idee kam. Sehr, sehr interessant!

Zweitens danke ich für die freundliche Zusendung von zwei Büchern und einer Säge, einer Japansäge genau genommen, die schwer nach Ninjazubehör aussieht und sehr gut sein soll. Alles ganz großartig.

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Und übrigens bin ich der Meinung, dass der Innenminister zurücktreten sollte.

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