Mit Schluchten und Auen den Abend versauen

Drüben bei der GLS Bank habe ich mal etwas anders gemacht und die Links nicht nach einem Thema, sondern nach einem Land sortiert: Finnland. Warum auch nicht.

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Den Dritten Mann von Graham Greene habe ich jetzt durchgelesen, das Buch bleibt natürlich im Regal, er war doch einer der großen Erzähler, auch wenn er heute wohl nicht mehr viele Leserinnen findet. Es gab noch ein Nachwort von Annika Siems, der Illustratorin, die bei diesem Buch vor der interessanten Aufgabe stand, ein Buch zu bebildern, zu dem so ziemlich jede und jeder schon Bilder im Kopf hat, der Film ist immerhin legendär. Sie hat das sehr gut gelöst, fand ich.

 

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Ich habe weitere Bücher aussortiert, weil mir die Wiederleselust und damit die Wiederlesewahrscheinlichkeit etwas zu gering vorkommen. Gottfried Keller, E.T.A. Hoffmann, Gottfried August Bürger, Conrad Ferdinand Meyer, J. P. Hebel, Joseph von Eichendorff, Ludwig Tieck, Jens Peter Jacobsen, die können alle erst einmal raus, die müssen im Regal keinen dekorativen Aspekt mehr bedienen.

Und was lese ich jetzt? Zwischendurch kommt erst einmal wieder ein schmaler Lyrikband dran, Paul Zech mit “Vom schwarzen Revier zur neuen Welt – gesammelte Gedichte”. Paul Zech, bei dem alle Welt reflexmäßig immer zuerst an die Villonübersetzungen denkt und bildungsbürgerlich beflissen sofort ergänzt, dass das ja eher Nachdichtungen, keine Übersetzungen waren. Ja, wissen wir! Schön sind sie dennoch, die Villonstrophen von ihm. Aber hier erst einmal seine anderen, ganz eigenen Gedichte.

[…]

Turmuhren gehen ihren Kreisgang ohne Zeiger.

Am Kreuzweg, wo der Weiser wie ein Galgen droht,

lärmt eine Krähe frostverschärfte Not:

Gebt Brot …

Der Wind ist aller Kümmernis Verschweiger.

(Novembernacht)

Der Wind ist aller Kümmernis Verschweiger, das ist schon schön. Und in absehbarer Zeit muss ich dann wohl mit Shakespeare beginnen. Ich habe schon einmal hineingeblättert, das erste Stück ist Romeo & Julia, zwei junge Menschen aus krass verfeindeten Familien – wenn das mal gut ausgeht!

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Und da lag nun also gestern noch diese Kinderbibel bei uns am Bett herum und dann sah die Herzdame auch einmal hinein und hat sich gleich bei der ersten aufgeschlagenen Seite fürchterlich aufgeregt. Denn diese Bibel weicht natürlich sprachlich erheblich von den bekannteren Ausgaben für Erwachsene in den Kirchen ab, weswegen sie die Lieblingsstellen aus ihrer Jugend gar nicht wiedererkannte. Nichts mit “und ob ich schon wanderte im finstersten Tal”, nein, da wurde einfach durch eine Schlucht gegangen. Eine Schlucht! Wo es doch Tal heißt! Immer geheißen hat! Da könnte ja jeder kommen! Sie war hell empört und wollte sich gar nicht wieder beruhigen. Wir führten also eine längere Diskussion über die Begriffsinhalte von Tal und Schlucht und Aue und Wiese, was man abends kurz vorm Schlafen eben so macht, Sie kennen das.

Und als ob das noch nicht genug der religiösen Inhalte gewesen wäre, hatten wir gestern beide eine vermutlich typisch norddeutsche Erkenntnis, die Sie vielleicht peinlich und einigermaßen dämlich finden werden, wenn Sie süddeutsch oder katholisch oder gar beides sind, aber egal, ich stehe hier ja zu meinen Wissenslücken. Und zwar ist es überraschenderweise so, dass es bei Mariä Empfängnis, das ist eine Bezeichnung, mit der man hier gemeinhin rein gar nichts verbindet, die man aber aktuell gerade wieder als Rätselwort im Kalender findet, gar nicht darum geht, dass Maria empfangen hat, sondern dass sie empfangen wurde. Was auch kalendarisch besser hinkommt, wenn man mal länger als zehn Sekunden drüber nachdenkt und im Kopf etwas rechnet, aber warum sollte man überhaupt darüber nachdenken, so als Mensch aus Nordelbien. Jedenfalls lagen wir da beide im Bett, lasen das auf den Handys nach und sagten gleichzeitig: “Ach was?!” Und sind jetzt also entschieden schlauer als vorher, vermutlich sieht man es uns sofort an. Und wenn es mit der etwas unfreiwilligen religiösen Fortbildung so weitergeht, merke ich mir sogar noch irgendwann, worum es bei Fronleichnam geht. Aber wir wollen nicht übertreiben.

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Musik!

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Und übrigens bin ich der Meinung, dass der Innenminister zurücktreten sollte.

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7 Kommentare

  1. Das mit dem verschiedenen Wortlaut verschiedener Bibelausgaben spielt eine entscheidende Rolle beim Auffinden des Schatzes in „Uncle Meleager’s Will“ von Dorothy Sayers. Ansonsten spricht nix dagegen, sone olle Bibel zusätzlich im Haus zu haben, gerade wegen der gar alterthümlichen Sprache. Vielleicht sogar noch in Fraktur.

  2. Danke für Sloop John B … und ….sind Sie mit Peter Bunetta verwandt? Als treue Leserin Ihres Blogs (bitte mehr von der Herzdame!!!) youtube – sitting on the top of the bay …wie sagen die Germanen (hab mir vor 20 Jahren einen eingefangen)… kuckst Du mal …

    Bloglos im österreichischen Wienerwald
    Allerbeste Grüsse
    Gabriele Fuchs

  3. In dem Bibelvers geht es ja um Vertrauen selbst in Angst einflößenden Situationen – da macht „Schlucht“ wohl etwas mehr her als „Tal“.
    So klassisch und für viele Ohren vertraut die Luther-Übersetzung ist (damals ja mit dem Ziel, „dem Volk aufs Maul zu schauen“, um möglichst einfach & verständlich zu schreiben) – leichter zu lesen ist oft die Einheitsübersetzung (besonders in der katholischen Kirche verbreitet) oder die „Gute Nachricht“-Übersetzung.
    Verschiedene Übersetzungen sind hier zu finden: https://www.die-bibel.de/bibeln/online-bibeln/lutherbibel-2017/bibeltext/
    Und auf bibleserver.com läst sich noch komfortabler zwischen verschiedenen Versionen hin und her klicken, um zu vergleichen.

  4. „… Nichts mit ‚und ob ich schon wanderte im finstersten Tal‘, nein, da wurde einfach durch eine Schlucht gegangen. …“

    Apropos Kinderbibel auf elterlichem Nachttisch…
    Wie wurde denn „dein Stecken und dein Stab trösten mich“ übersetzt?
    😉

  5. Ich bin zwar süddeutsch, aber evangelisch. Und dann nicht mal gläubig! *sich selbst am Kopf packt* Ehrlich gesagt, geht mir Religion in sämtliche Richtungen am Bürzel vorbei. Aber man lernt nie aus. Also merci beaucoup für diese kleine Erläuterung. (Auch wenn jetzt nicht dabei stand, wer Maria empfing.) Ich lausche lieber weiterhin dem Rock der 80er.
    Das kann man auch als Religion bezeichnen.

    Liebe Grüße
    Franziska

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