Ich war im Garten und habe Kompost an die Bedürftigen verteilt. Und zwar war ich mit so intelligentem Timing im Garten, es waren die beiden letzten Stunden vor dem Regen, die letzten angenehmen Stunden, bevor es doch noch einmal deutlich kälter wurde. Laut Wetterbericht kann man die nächsten 14 Tage praktisch vergessen. Immerhin erste Forsythienblüten und ein gelbes Leuchten auch an der Kornelkirsche, immerhin kommt der Rhabarber doch wieder hoch. Kein Mensch war in den Gärten, nur ich schob da mit der Schubkarre herum. Ich hatte die ganze Stimmung nur für mich und ganz kurz war es auch noch einmal zu warm für die Jacke. Tieffliegende Gänse über der Bille, mit schrägem Blick zu mir, was steht der da und guckt?

Auf der Braunen Brücke, die nicht braun ist, sondern nur so heißt, saß eine prächtige Krähe auf dem Geländer über dem Fluss. Ein paar Meter weiter stand eine kleine, gebeugte und sehr alte Frau, eine Hand am Geländer. Die Frau sah die Krähe an, die Krähe sah die Frau an, beide mit so schief gelegtem Kopf. “Nun guck dir das an”, sagte die Frau leise lachend zu sich selbst, als ich gerade an den beiden vorbeiging, “nun guck dir das doch mal an.” Und was die Krähe dann zu sich selbst sagte, das habe ich leider nicht verstanden.

Auf dem Geländer der anderen Brückenseite saßen wie fast immer zwanzig, dreißig Möwen, wie sorgfältig aufgereiht saßen die da, als hätte man sie da zu Dekorationszwecken ordentlich hinmontiert. Warum die wohl stets nur auf der Seite sitzen? Was ist falsch an der anderen? Drüben nur schwarze Vögel, hier nur weiße? Das sind so Fragen, die weiß kein Mensch zu beantworten, aber die Vögel, die wissen das. Die Möwen sitzen da jedenfalls immer in Reihe auf dem Geländer und gucken auf die Bille, und wenn man auf ihrer Straßenseite über den Fluss geht, dann fliegen sie eine nach der anderen direkt vor einem hoch. Mit jedem Schritt hebt eine weitere ab, auch die letzte wartet noch ab, ob man etwa wirklich auch an ihr vorbei will. Am Ende der Brücke ist dann der Himmel voller kreisender Möwen. Die Söhne lieben das, die Söhne laufen die Möwenreihe lachend ab, dass die Vögel so schnell aufsteigen wie in einer einzigen schwungvollen Bewegung. Aber die Söhne waren heute nicht dabei und ich laufe schon lange nicht mehr lachend über Brücken. Aus dem Alter ist man auch irgendwann raus.

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Währenddessen hat die Herzdame Sohn II in die Ferien gefahren, der macht eine Woche lang Sachen ohne uns und findet es großartig. Das Reiseziel lag in Richtung Eiderstedt und unser Auto hat wieder auf der Autobahn “Fehler Motorsteuerung” angezeigt, wie fast immer in der Gegend. Das ist einigermaßen rätselhaft, wie so etwas sein kann, es lässt Fachleute staunen und uns nur noch lächeln, wir werden es wohl nicht mehr herausfinden, was das ist. Aber wenn wir in Richtung Nord-Ostsee-Kanal fahren, dann will das gute Stück nach einer Weile verlässlich lieber nicht mehr. Vielleicht hat es eine Aversion gegen Meerluft.

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Ich würde wirklich gerne mal wieder einen längeren Moment für mich haben, etwa auf dem Sofa. Also so einen Moment, in dem ich einfach nur in die Gegend gucke oder höre oder so und völlig ziellos vor mich hindenke. Immer noch ist es aber so, dass ich in solchen Momenten, wenn sie denn wirklich frei sind von jedem Handlungsdruck, noch in der Minute dieser Erkenntnis einschlafe. Schlimm.

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Musik! Dusty Springfield.


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Und übrigens bin ich der Meinung, dass der Innenminister zurücktreten sollte.

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