Für das Goethe-Institut habe ich über Streckensperrungen geschrieben. Warum auch nicht.

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Sohn I erlernt in der Schule gerade das Schreiben von Rezensionen und hat dabei festgestellt, dass er ja beim Bloggen schon eine ganze Menge darüber gelernt hat.

 

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Ich habe “Was uns stark macht” gelesen, das ist ein Interview-Band der Journalistin Annick Cojean (Le Monde), aus dem Französischen übersetzt von Kirsten Gleinig. Interviews mit 21 Frauen, etwa mit Amélie Nothomb, Patti Smith, Juliette Gréc0, Claudia Cardinale, Joan Baez, Vanessa Redgrave, Cecilia Bartoli. Nicht alle waren mir bekannt, aber doch viele. Es geht immer um die Frage und den Einstieg: “ Ich wäre nicht die, die ich heute bin, wenn …”

Fast alle Frauen beantworten das mit Geschichten, eine einzige verweigert sich in intellektueller Überlegenheit der Antwort, Vanessa Redgrave macht das, die – natürlich völlig und irgendwie langweilig korrekt – darauf hinweist, dass man das so doch gar nicht beantworten könne,  weil das Leben so nun einmal nicht sei. Aber diese Korrektheit ist etwas bedauerlich, weil die von den anderen erzählten Geschichten viel interessanter sind, die wunderbar konstruierten und oft erzählten, romanhaft ausgestalteten Selbstbilder mit den klar erkennbaren Dreh- und Angelpunkten, ich habe das ausgesprochen gerne gelesen. Eine einzige Frau, Cecilia Bartoli, geht sogar auf einen Tag, auf einen Moment herunter, auf eine Minute und das Wetter darin – wenn da die Sonne geschienen hätte, sagt sie, dann … und auch das ist eine sehr gute Geschichte. Was nicht davon ablenken sollte, dass auch niederschmetternde  Geschichten in dem Buch stehen, etwa zu sexueller Gewalt, Unterdrückung und Erfahrungen mit uralten Rollenbildern, und nicht gerade wenig davon. Aber es sind Interviews mit sehr erfolgreichen Frauen, die Entwicklungen hin zu einer Karriere oder einem Lebensziel stehen im Vordergrund.

Natürlich ist es nebenbei auch interessant, den Einstiegs-Satz selbst anzuwenden. Ich hatte da spontan eine Antwort parat, auf die ich noch gar nicht gekommen war, manchmal bringt es eben die Formulierung der Frage, das können Sie selbst ja auch mal eben im Geiste durchspielen, dass sie also nicht die oder der wären, wenn …

Im Buch las ich außerdem einen Satz von erstklassiger und postkartentauglicher Kalenderspruchgüte. So etwas überlese ich normalerweise genervt, aber manchmal spricht mich dergleichen auch an, so wird es wohl jeder und jedem gehen, und dann trifft es eben gerade etwas. Delphine Horvilleur ist eine französische Rabbinerin, eine von nur dreien übrigens, und sie sagt da: “Ein chassidischer Satz besagt, man solle niemals jemanden nach dem Weg fragen, der ihn kennt, man würde sich sonst womöglich nicht verirren.”

Nun, das ist tatsächlich nur so ein hübscher Satz. Aber er ist mir gerade sehr dienlich. Und wenn ich lange genug drüber nachdenke, komme ich vielleicht sogar noch darauf, warum ich das so empfinde.

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Musik! Die oben genannte Cecilia Bartoli.

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Und übrigens bin ich der Meinung, dass der Innenminister zurücktreten sollte. Wobei auch gewisse Parteivorsitzende … ach, egal.

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