Ich habe einen Artikel gelesen (wo bloß?), nach welchem wir unser zukünftiges Ich meist als fremden Menschen betrachten und daher eher nicht sinnig in Bezug auf diese ferne Person entscheiden können, oder zumindest nicht besonders gut. Das kann man wohl so nachweisen, wie auch immer, ich habe die Details schon wieder vergessen. Es war aber keine vage Annahme, es waren eher reelle Forschungsergebnisse, meine ich da gelesen zu haben.

Hängengeblieben ist mir jedenfalls, dass die zukünftige und also stets nur vorgestellte Ausgabe unseres Egos uns tendenziell zu fremd ist, um kompetent für sie zu entscheiden oder in ihrem Namen auch nur halbwegs vernünftig zu handeln. Was wohl grob verkürzt aussagt, dass der Mensch für seriöse Langzeitplanung einfach nicht gemacht ist. Das sind Erkenntnisse, die mir als eher nicht planendem Menschen natürlich weit entgegenkommen, das lese ich also heftig nickend, mit großer Zustimmung und fühle mich entschuldigt und erklärt und denke mir, dass ich immer schon Recht gehabt habe, ist es nicht toll. Also es ist in Wahrheit natürlich nicht toll, aber denken darf ich das ja mal kurz. Die Gedanken sind frei, ich kann sie verraten.

Und weiter denke ich, denn ab und zu – an sehr guten Tagen! – gelingen mir auch mehrteilige Gedanken, dass diese auffälligen Änderungen ab etwa fünfzig Lebensjahren, die viele Menschen an sich und anderen wahrnehmen, dieses wie auch immer geartete sachte Beidrehen im Weltbild, dieses gründlich sein wollende Besinnen und Beruhigen, dass die damit verbunden sind, dass die Vergangenheit nach den Gesetzen der Wahrscheinlichkeit jetzt deutlich mehr Jahre als die Zukunft umfasst, dass die Zukunft allmählich also doch fühlbar kleiner wird, dass sie zusammenschnurrt und seltsam auf einen zukommt und dass man sich dadurch der anderen, der bisher immer so fernen zukünftigen Person, welche die zukünftige Version des Ichs darstellt, schließlich doch noch annähert und dabei irgendwann zusehends irritiert feststellt – das bin ja ich? Tat tvam asi vorm Spiegel, aber ganz anders als an einem gewöhnlichen Morgen beim Zähneputzen.

Und dann ist man also auf einmal da, gewissermaßen. Und könnte sich eigentlich glatt mit einem freundlichen: „Na, auch hier?“ begrüßen.

Dachten wir jedenfalls gerade. Pardon, dachte ich gerade.

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Musik! Ein seltsames Video, aber ein Lied von einem sehr geschätzten Musiker und Künstler, von Dan Reeder. “And recently it occurred to me that I may no longer be young at heart.” So ein schöner Text.

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Und außerdem bin ich der Meinung, dass der Innenminister zurücktreten sollte.

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