Popo, der Todesclown”, eine großartige Kolumne. Daraus: “Ich bin Autorin. Wenn ich überhaupt eine Aufgabe habe, dann besteht sie darin, menschliche Wesen daran zu erinnern, dass auch andere menschliche Wesen sind.” Vielleicht mal irgendwo hinpinnen, wo es dauerhaft gut zu sehen ist.

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Die Klimmzugstange, an der ich mich bereits mit verbissenem Eifer auf fünf Klimmzüge gesteigert hatte, quasi Muskelmax, ist dann leider abgestürzt. Aber nicht etwa, als ich daran hing, sondern der federleichte Sohn II. Er ging dann, wie es in dem Alter eben ist, ohne weitere Bedenkminute und Trauerphase dazu über, ein Springseil für seine weitere sportliche Betätigung zu nutzen und ich musste also schon wieder darüber nachdenken, ob ich etwas noch kann. Ein Springseil habe ich ziemlich sicher seit der Schule nicht mehr benutzt, ich bin ja kein Boxer oder sonstwas, mir begegnen solche Springseile immer nur in Filmen, neulich etwa in einer Doku über John Irving, der macht so etwas. Und wie er das macht.

Der Sohn kann verschiedene Techniken, mit und ohne Zwischenhupf, und er arbeitet an der einbeinigen Version, die dann auch im eleganten Wechselschritt gehen soll, er ist da also recht weit vorne. Ich habe aber zum geradezu maßlosen Erstaunen der restlichen Familie festgestellt, dass ich mit so einem Springseil minutenlang total souverän und fehlerfrei herumhüpfen kann. Das also habe ich damals tatsächlich fürs Leben gelernt, da habe ich es endlich gefunden, das war es! Springseil ohne Zwischenhupf – genau mein Ding. Viel besser als Joggen, man trifft keine Leute dabei. Oder doch nur solche, mit denen man verwandt oder verheiratet ist.

Was die Söhne wohl als nächstes Sportgerät anschleppen? Ich bin bereit.

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Beim Französischlernen mit Sohn I fällt mir eine Wendung auf, die wir damals ganz sicher nicht gelernt haben. Es steckt ein großes Stück Sozialgeschichte darin, dass es heute ein normaler und auch früh zu erlernender Satz ist: “Meine Eltern sind geschieden.” Dieser Umstand war noch so dermaßen selten, als ich mit der Sprache anfing, das kam in meinen Vokabellisten nicht vor, während es heute natürlich elementar wichtig und alltäglich geworden ist, eine Basisinformation für Anfängerdialoge. Ich erinnere mich aber noch, dass gerade im ersten Halbjahr Französisch unsinnig viel Gemüse in meinem Vokabular vorkam, weil es im Buch dauernd um die Zubereitung von Salat ging, als ob auch nur einer von uns sich in dem Alter jemals damit befasst gehabt hätte. Egal, im Schulbuch machten die seltsamen französischen Kinder dauernd vergnügt miteinander Salat und redeten auch noch pausenlos darüber, mit oder ohne Ei, mit oder ohne Zwiebel, mit oder ohne gekochten Schinken. Weswegen ich bis heute theoretisch einen Salat mit oder ohne grüne Bohnen bestellen könnte, ich hab es aber leider nie, nie irgendwo zur Anwendung bringen können. Und die Bezeichnung für die Salatgurke, das weiß ich auch noch, die fanden wir tendenziell peinlich. Concombre, wie unfassbar affektiert klang das denn.

Würde man die Zutaten für einen Salat aber auf einem Tisch in zwei Häufchen teilen, der Sohn könnte jetzt jedenfalls sagen: “Mein Gemüse ist getrennt”, und so entwickelt sich eben alles sinnvoll weiter.

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Musik! Charles Trenét.

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Und übrigens bin ich der Meinung, dass der Innenminister zurücktreten sollte.

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Sie können hier Geld für Salat mit und ohne in den nur virtuell vorhandenen Hut werfen, ganz herzlichen Dank!