Ein naives Gedankenexperiment

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Consciousness Isn’t Self-Centered – dieser Artikel ist gut geeignet für den Fall, dass Sie heute noch ein paar richtig abgefahrene Gedanken brauchen. Vielleicht bekommt man aber auch Kopfschmerzen davon, das würde mich gleichfalls nicht wundern. Interessant ist es allemal.
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Die rote Brigitte

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Bei 54Book geht es um Autofiktion in den sozialen Medien, auch ein sehr cooles Thema.Sofern Sie online irgendwo stattfinden, geht Sie das auch etwas an. “Du findest doch Authentizität so geil. So verdammt geil. So ein echter Mensch ist so geil, geil, geil. “

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Ich habe von einem Sohn ein neues Wort gelernt, Ballin heißt es, und man braucht wohl Fachkenntnisse im Deutschrap oder überhaupt im Rap, um den Begriff spontan parat zu haben. Aber immer lernfähig bleiben, versteht sich, immer alles nachlesen, stets bemüht sein, und ich weiß jetzt also, Ballin ist nicht das, was meinen Lifestyle krass korrekt umschreibt. Die Beispielszeile aus dem oben verlinkten Text etwa, „Bro, guck, ich bin am ballin’“, die muss ich mir also vorerst nicht merken.

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Es folgt das Wort zum Mittwoch, warum auch nicht. Es gibt also Menschen, die den Geflüchteten die Schuld daran geben, dass an den Grenzen Europas auf sie geschossen oder warngeschossen wird oder was auch immer, das macht für diese Diskussion eigentlich gar nichts aus, das ist unwichtig. Wichtig ist nur, dass man da also im Ernst etwas Schuldhaftes vermutet, wo nichts zu finden ist, wo Menschen lediglich ihr Glück oder auch nur ihr bloßes Überleben suchen, irgendeine Zukunft. Da also hält man Opfer für Täter, ein Muster, das man auch aus ganz anderen Zusammenhängen kennt. Schuld hat, wer eine Untat irgendwie ermöglicht, und sei es auch nur als Opfer. Das kann man vermutlich durch alle Zeiten und Länder und Kulturen zurückdenken bis hin zu Abel, der natürlich auch selbst Schuld hatte, denn das war damals ungerecht, ungerecht, ungerecht, diese Sache mit den zwei Opfern, von denen Gott nur eines freundlich aufgenommen hat, das von Abel nämlich, Sie erinnern sich vermutlich. Und da hat Kain sich eben aufgeregt, denn dass das furchtbar ungerecht war, das wollte er doch noch sagen dürfen. Und wer würde das nicht verstehen, wo es doch tatsächlich so gottverdammt ungerecht war, und dann kann schon einmal etwas passieren, da muss sich wahrhaftig keiner wundern, wenn es da einmal knallt, das war ja quasi bestellt war das, und das eigentliche Problem war eben nicht der Brudermord, das eigentliche Problem lag davor und war die unerträgliche Provokation, wenn man es nur recht betrachtet. Ob der Abel nun etwas dafür konnte oder nicht, die Provokation hat es ja de facto gegeben, weil sich nämlich sein besorgter Bruder ganz klar provoziert gefühlt hat – und das reicht, das reicht für alles. Abel muss weg, klare Sache und damit hopp, so etwas kommt von so etwas, also bitte.

Und dass Kain hinterher dann übrigens noch mit Mimimi in Selbstmitleid verfiel, oh, die Schuld ist so schwer, wo soll ich denn jetzt hin damit, ich armer Kerl, das ist jetzt aber schier unerträglich, statt reuig um den auf ewig verlorenen Bruder zu trauern, das passte dann auch noch ins Bild, der feine Herr Kain blieb nämlich Opfer für alle Zeiten, es war vermutlich auch ganz bequem in der Rolle, und Gott benötigte dann sogar noch ein Deeskalationszeichen, Kainsmal genannt, um die Sache wieder halbwegs auf Null zu bekommen, denn sonst hätte jemand Kain um die Ecke gebracht, wo er doch gar nichts dafür konnte, wie wir gerade gesehen haben. Es war im Grunde also von Anfang an alles verbockt und verloren, in der zweiten Generation der Menschheit schon, wenn man es so betrachtet, und dass das eigentliche Problem die Ungerechtigkeit des Herrn war, als des Herrn da oben – who cares. Der Herr hat sich da recht geschickt aus der so unheilig angerichteten Affäre gezogen, wie es alle Herren nach ihm ebenfalls geschafft haben, bis heute und in alle Ewigkeit, Respekt dafür jedenfalls, Amen.

Chorgesang, fertig, Ende.

Pardon, ich kenne mich mit Predigten überhaupt nicht aus. Aber so in etwa würde ich das angehen.

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Und übrigens bin ich der Meinung, dass der Innenminister zurücktreten sollte.

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