Mit offenem Mund durch die Stadt

Der Sohn lernt etwas über die Atmung der Hochseehaie. Er hätte dabei gerne meine Hilfe, etwa weil er das vage Gefühl hat, dass in einen Satz, der sich über mehr als eine halbe Seite erstreckt, irgendwo ein Komma oder dergleichen gehört. “Kenne ich”, sage ich voller Empathie, “genau das Gefühl kenne ich gut.” Verständnis ist wichtig in der Erziehung, sagt man, der Sohn sieht mich aber weiter erwartungsvoll an. Was denn noch? Egal.

Die Hochseehaie, darüber muss ich nämlich jetzt dringend nachdenken, die Hochseehaie haben da so eine faszinierende Art der passiven Sauerstoffaufnahme. Also die atmen nicht, wie es Mensch oder Makrele machen, nein, die brauchen dafür bewegtes Wasser. Entweder müssen sie mit offenem Maul vorwärts schwimmen, dadurch nehmen sie das entgegenkommende Wasser auf, oder aber sie müssen in einer Strömung herumliegen, dann kommt ihnen das Wasser mit dem frischen Sauerstoff darin sogar von selbst entgegen, was für ein Service. Der Sohn hat immer noch Fragen, aber ich winke ab, denn ich muss mir jetzt dringend vorstellen, wie das bei Menschen wäre, ich finde das enorm faszinierend. Wenn wir da immer so mit offenem Mund herumlaufen würden, damit genug Luft hereinkommt. Oder wenn wir S-Bahn fahren würden und alle Fenster müssten unbedingt geöffnet sein, damit wir alle so in die Zugluft jappen könnten, ist das nicht zu und zu schön, das Bild? Und wer die Fenster schließt, ist ein Mörder. Großraumbüros wären nur mit Windmaschine denkbar, was einem alles einfällt! Lernen macht doch eigentlich Spaß.

Der Sohn wedelt schon wieder mit der Hand vor meinem Gesicht herum. Dabei sitzt der vor einem Computer, der kann doch bitte einfach das Internet aufmachen und warten, bis genug frische Bildung vorbeitreibt? Sind wir nicht alle ein wenig Hai? 

“Ich soll meine Meinung begründen”, sagt der Sohn. “So ein Unfug”, sage ich, “das macht doch heute kein Mensch mehr.”

Das ist nämlich bei allem Ärger über organisatorische Fragen das Schöne an der Home-School. Man kann den Kinder wirklich helfen und ihnen ganz wichtige Antworten mitgeben. Da haben sie dann auch lange etwas davon. 

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Und übrigens bin ich der Meinung, dass der Innenminister zurücktreten sollte.

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