Ohne Pointe, lieblos angebittert und durchterminiert

Auf dem Weg zum Garten fahre an einem aufwändigen Kreidebild auf dem Radweg vorbei, da geht es um vegetarische oder vegane Ernährung, ich habe mich mit den Details gar nicht befasst. Ich habe nur kurz das bunte “Eat fruit not friends” gesehen, bin abgestiegen und habe routinemäßig ein Foto machen wollen, quasi Chronistenpflicht, siehe Bildbeweis anbei. Oder, wie es im Business-Kontext heute oft in eher seltsamer Englischübersetzung geschrieben wird: Bitte finden Sie unten das Bild dazu. Ich denke da immer an Ostern, bitte finden Sie Eier. Egal. 

Wobei die Pointe auf dem Bild allerdings fehlt, denn so interessant ist das ja nun auch nicht, dass da jemand irgendwelche Parolen auf den Radweg malt, aber es ist leider, wie es ist, die Pointe ist zu früh weggehoppelt.

Die saß da nämlich in Gestalt eines Wildkaninchens, ein ganz kleines Stück neben dem großen F von friends. Saß da in aller Ruhe, kaute an einem Kräutchen und sah dabei eher beiläufig zu mir hoch, ob ich das da denn auch lese? “Okay”, sagte ich, holte das Handy raus und wollte gerade das Bild knipsen, da hat sich das Kaninchen grußlos verdrückt, seitwärts ins Straßenbegleitgrün.

Dabei hätte ich ihm doch noch zeigen können, dass ich eine monströse Melone und Erdbeeren im Fahrradkorb hatte, total passend zum Schriftzug! Na, egal.

 

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Ein Beitrag geteilt von maximilian buddenbohm (@buddenbohm) am

Das erinnerte mich daran, dass neulich ein Sohn den längst vergessenen Manfred Kyber aus dem Regal zog und darin las. Ich habe eine Ausgabe seiner wunderbaren Tiergeschichten in Frakturschrift, das fand er interessant.

“Manfred Kyber”, sagte ich, “der hat bestimmt entscheidend dazu beigetragen, dass ich in meinen Texten manchmal mit Tieren rede. Und die Herzdame sah mich groß an und fragte: “Du machst bitte was?!”

Ich erklärte, dass ich in den Blogartikeln gelegentlich mit Tieren, also nicht oft und nur so nebenher, aber eigentlich dann doch und jedenfalls – die Herzdame sagte: “Du machst was?!”

Ich habe es, das wollte ich nur eben noch anfügen, auch nicht immer leicht hier.

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Ein erstes Mal, wie es viele Menschen in diesen Wochen haben: Ich war zum ersten Mal seit dem 13. März wieder in einem gastronomischen Betrieb. Es gab Eiskaffee in Eppendorf, wo ich meine Mutter besucht habe, die während der ganzen Coronazeit so gut wie niemanden gesehen hat. Und dieser Eiskaffee war so unfassbar schlecht, der schmeckte wie Konditoreikaffee 1987 in Scharbeutz oder so, das war lieblos angebittertes Wasser in kalt, mehr nicht. Da weiß man wieder, was einem eigentlich gar nicht gefehlt hat. 

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Ich kam, weil ich bei der Arbeit an einem ganz anderen Text assoziativ abglitt, auf alte Werbespots, etwa auf den ollen Jever-Clip, in dem sich, Sie werden sich gewiss erinnern, der Mann im sandfarbenen Trenchcoat rückwärts entspannt in die Dünen fallen lässt – obwohl er die bestimmt gar nicht hätte betreten dürfen – und die Erzählstimme sagt gerade: “Keine Termine.” Mir fällt, da ich trotz der letzten Wochen schwer und nachhaltig termingeschädigt bin, auf, woran ich damals nie gedacht habe, mir fällt also auf, dass es sowohl für den Sprecher als auch für den Schauspieler natürlich jeweils ein Termin war, diese Claim gewordene Terminlosigkeit zu inszenieren, die damals ein ganzes Land dauernd zitiert hat, sobald die Küste in Sicht war, und auch dieser Besuch der Küste war dabei für alle nur ein Termin, was sonst. 

Tiefsinniger wird es heute aber nicht mehr, Tiefsinn hat frühestens morgen wieder einen Termin. 

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Sie können hier wie bei einem Straßenmusiker Geld in den allerdings nur virtuell vorhandenen Hut werfen, ohne Musik und ohne Straße, aber mit ganz herzlichen Dank! Sollten Sie den konventionellen Weg bevorzugen und lieber ganz klassisch etwas überweisen wollen, das geht auch, die Daten dazu finden Sie hier. Merci! 

Links am Morgen

Links am Morgen

Eine Seuche ist eben kein Uhrwerk, das einem gleichmäßigen Takt gehorcht.

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Vielleicht nur etwas für Menschen, die sich geradezu hardcore für Kunst, Kreativität und die Finanzierung der Zirkusartistinnen interessieren, für die ist es aber auf jeden Fall etwas: Judith Holofernes lang und länger – in online-untypischer Gründlichkeit – über Patreon, die Crowd-Finanzierung und das Künstlerdasein. 


Für mich ist Patreon nichts, glaube ich, schon weil ich als Nutzer eine gewisse Aversion gegen Abos und auch gegen exklusive Inhalte habe, ich bin durch die Art meiner Blogposts und Linksammlungen gewohnheitsmäßig auf die Möglichkeit des offenen Teilens von Inhalten aus. Aber das soll keine Kritik sein, es gibt viele Möglichkeiten. 

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By the way, Sie können hier wie bei einem Straßenmusiker Geld in den allerdings nur virtuell vorhandenen Hut werfen, ohne Musik und ohne Straße, aber mit herzlichem Dank! Sollten Sie den konventionellen Weg bevorzugen und lieber ganz klassisch etwas überweisen wollen, das geht auch, die Daten dazu finden Sie hier. Merci!