Nimm dir eine Auszeit

Durch den Hauptbahnhof läuft eine telefonierende Frau, die ist aufgebracht, wütend und ziemlich laut: “Regen brauchen, wir Regen! Ich habe Regen gesagt!” Sie gestikuliert wild mit der Hand, die nicht das Handy hält. Sie sagt das mit dem Regen mehrmals und wird immer wütender und sie sagt es ganz so, als sei der Mensch da am anderen Ende leider etwas schwer von Begriff und aber doch klarerweise zuständig für die Lieferung von Regen, die Pfeife, die elende Niete, und wenn wir jetzt bitte kurz mal aus dem Fenster sehen – er oder sie muss echt unfassbar unfähig sein, da klappt wirklich gar nichts.

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Ich gehe weiter durch den Bahnhof, ich suche nach Hinweisen. Das mache ich oft, weil da draußen ja alles voll mit Hinweisen ist, Literaturkennerinnen und auch Gamerinnen wissen Bescheid. Deswegen sehe ich mich immer so aufmerksam um, alles sehe ich mir an. Ich gehe über einen Bahnsteig, da fährt gerade wie für mich bestellt ein Zug ein, auf dem steht ganz groß: “Nimm dir eine Auszeit in Bad Bevensen”. Ich sage: “Ich weiß ja nicht!”

So wird das aber nichts mit den Hinweisen und mir, das merke ich selbst, ich bin einfach zu skeptisch. Da mal dran arbeiten, Lockerungen!

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Ich kaufe in der Wandelhalle heruntergesetzte Rosen, die sind schon mit leichten Gebrauchsspuren versehen, wie wir früher im Antiquariat gesagt hätten, die sind etwas angegilbt und an den Rändern auch etwas angestoßen. Sie sind dennoch wunderschön und die Verkäuferin sagt beflissen werbend, dass die schon noch lange halten werden, woran sie aber sicher selbst nicht glaubt, sie packt sie auch lieber ganz unangemessen schnell ein. Egal, die Rosen sind lila und herrlich und viele und billig, die nehme ich mit. Wohl dem, der in einer langjährigen Beziehung lebt, der kann auch einmal etwas von der Rosenresterampe mitbringen. Wie würde das im frischen Flirt bloß wirken, unmöglich, da könnte man doch gleich wieder gehen – Schatz, ich habe dir angewelkte Blumen mitgebracht. Aber so – die Rosen stehen im Schlafzimmer und sehen aus wie exquisite Deko im Film, sensationell gut sehen sie aus, und dahinter glitzern golden die Netze der Kreuzspinnen, die vor unseren Schlafzimmerfenstern träge Wache schieben, im Licht der untergehenden Sonne. Die weißen Vorhänge wehen sachte vor die etwas müden Blüten und die Herzdame hat ein langes Kleid vors Fenster gehängt, als würden wir heute noch auf einen Ball gehen, was aber gottseidank täuscht, ich würde nicht auf einen Ball wollen, für kein Geld der Welt. Überhaupt Gesellschaft, eher schwierig. Aber sicher sind Bälle ohnehin noch verboten, manches wird durch Corona viel einfacher. 

Nein, ich möchte hier einfach nur liegen und den wehenden Vorhängen zusehen. Das ist mein Mittsommermoment, er ist ganz unerwartet gelungen. Ich liege da und stelle mir Entspannung vor, und damit bin ich für meine Verhältnisse auch schon ziemlich nah dran. Geht doch.

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Falls Sie noch einen Soundtrack für den Tag brauchen und bei einem Streamingdienst sind, gucken Sie doch bitte mal nach dem Album “Today” von Gary McFarland. Das ist sehr sommerliche Musik, passend für den Kurpark von Bad Bevensen, wo ist das überhaupt. Auf Spotify findet sich dieser seltsam storytaugliche Satz über das Ende von Gary McFarland: 

By the late 60s […] he was forgotten by his initial jazz followers and he died in 1971 after being poisoned in a New York City bar.

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Sie können hier Geld in den allerdings nur virtuell vorhandenen Hut werfen, ganz herzlichen Dank! Sollten Sie den konventionellen Weg bevorzugen und lieber ganz klassisch etwas überweisen wollen, das geht auch, die Daten dazu finden Sie hier. Merci! 

Links am Morgen

LehrerInnen auf Ruhemöbeln. Heute beginnen hier die Sommerferien, da sind die die Söhne in den nächsten sechs Wochen endlich mal zuhause, und das war auch schon die Pointe. Der Hamburger Schulsenator verkündet derweil Normalität im nächsten Schuljahr und glaubt fest an den Regelbetrieb mit Sport, Theater und allem – ich glaube nichts, ich verkünde nichts. Et kütt wie et kütt. Ich bin ja halber Rheinländer, das muss sich auch einmal irgendwie ausdrücken. 

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Ein Konzert für Topfpflanzen. Warum auch nicht. Wenn man früher viel Muppet-Show gesehen hat, wirkt es aber etwas merkwürdig, dass die Pflanzen nicht irgendwann singen oder sonstwie in Aktion treten.

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