Es ist nicht möglich, auf Spotify einmal in Ruhe ein Lied von einem Herrn mit Gitarre zu hören, der es womöglich noch zu etwas Sinngehalt im Text gebracht hat, denn dann verkrallen sich die strunzdummen Algorithmen dort auf Wochen hinaus unausweichlich in der Schublade Singer/Songwriter und empfehlen in schier endloser Folge einen Winselpriester nach dem anderen, also junge Männer mit hohen Stimmchen, die von ihrem ach so schlimmen Leid singen und dabei so zaghaft Saiten zupfen, dass man zu Beginn immer ernste Zweifel hat, ob sie jemals heil über das Intro hinauskommen können oder vielleicht doch schon vor der ersten Strophe zusammenklappen. 

Ich höre nicht gerne junge Männer mit hohen Stimmen, ich höre alte Männer mit tiefen Stimmen, die scheinen aber keine gesonderte Schublade zu füllen. Schlimm. Vielleicht trete ich doch noch zum Blues über, da läuft das besser.

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Sohn I sitzt auf dem Sofa und kichert, warum kichert der? Den amüsiert, dass in einem Buch, das er gerade liest, die Formulierung vorkommt, dass etwas “abhanden kommt”. Abhanden, sagt der Sohn und er sagt es mehrfach. “Ich habe immer gedacht, es heißt apanten”, sagt er und kriegt sich gar nicht wieder ein, dass er das sein Leben lang falsch verstanden hat, es ist ein ganz anderes Wort! Mit Hand drin! Da staunt er aber. Er hat sich nie etwas bei apanten gedacht, er hat das nie geschrieben gesehen, er hat das immer nur so gehört und gedacht. 

Ich aber finde apanten eigentlich auch ganz schön. Ich möchte der Welt apanten kommen, denke ich, das ist doch ein ganz reizendes Fremdwort, ich will sehen, ob wir es nicht behalten können. 

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Was auch irritiert, als ob ich in diesem Jahr nicht längst irritiert genug wäre – die Stadt ist gar nicht leer. Nicht einmal halbwegs. Es sind Sommerferien, die Stadt hat also eigentlich leer zu sein, es sind jetzt eigentlich die Anwohnerparkplatzfestwochen, in denen man traditonell nahezu überall einfach parken kann. Es sollte eigentlich spürbar mehr Luft in der Stadt sein, hier und da sogar etwas Ruhe.

Aber die Straßen sind nicht leer. Die sind vielmehr rappelvoll, wie erklärt sich nun dieses? Vermutlich ist es so, dass all die Menschen, die den ÖPNV jetzt seltsam und ansteckungsgefährlich finden, da in ihren Autos unterwegs sind und damit sehr schön beweisen, wozu man eigentlich den ÖPNV braucht. Das geht nämlich gar nicht, dass alle mit dem Auto fahren, die stehen dann nur herum und beschimpfen sich gegenseitig, das ist seelisch mit großer Sicherheit ungesund. Weiter sind sicher viele, viele in diesem Sommer gar nicht verreist, sondern noch hier. Warum die jetzt aber dabei auch noch dauernd um den Block fahren – keine Ahnung. Und schließlich kommen wohl all die Menschen, die dieses “Urlaub in Deutschland” testen, versuchsweise hier vorbei, mal sehen, wie Stau in Hamburg so ist. Spoiler: Es ist wie Stau überall, nur mit mehr Regen. 

Fahrradstadt Hamburg, was haben wir gelacht. 

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Ich gebe es zu, ich bin womöglich etwas gereizt, verbraucht und unleidlich. Und noch drei Tage bis zum Urlaub.

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