Vor der Scheune des Ferienhofs liegt ein totes Küken, das wird am Morgen aus einem Nest gefallen sein. Es wird von der Kinderschar auf dem Hof feierlich beerdigt, nachdem besonders die kleineren Kinder ausführlich besprochen haben, wieso dieses Leben da jetzt auf diese Art enden musste, was ist das für eine Welt, das Küken war doch so süß und so jung und warum. Später am Tag finden sie noch eine tote Drossel oder etwas in der Art, mein Expertentum reicht da nicht weit, es ist jedenfalls ein ausgewachsener Vogel. Ob das nun die Mutter des Kükens war, ob da sogar ein Zusammenhang … die Kinder spinnen eifrig und fantasiebegabt Theorien und dekorieren dann um den toten Vogel herum einige Zweige, Steinchen und Blüten, es wird ein hübsches Mahnmal aus Naturmaterialien, gewerbliche Grabpflege nichts dagegen.

Und im Stall, so wird mir kurz darauf aufgeregt berichtet, da ist auch noch etwas, da liegt eine tote Maus. Der Hattrick, sage ich, da gucken die Kinder aber. Egal, ich gehe mit in den Stall, denn wenn so bewegende Dinge geschehen, dann müssen die besser auch von den Erwachsenen ausreichend gewürdigt werden, die Dinge sind dann geregelter. Der Hofhund kommt mit, ganz routiniert geht er neben uns her, denn wenn mehrere Menschen so zielstrebig irgendwo hingehen, dann geht er eben mit, Beruf ist Beruf.

Ein Kind zeigt mir die tote Maus, ganz hinten in der Scheune liegt sie. Sie ist sehr platt und außerordentlich tot, auch auf den ersten Blick schon. Die Kinder stehen um die Mäuseleiche herum und sehen mich an, was macht der Erwachsene jetzt, was sagt er und ist die Maus wirklich tot? Noch bevor ich aber etwas machen oder sagen kann, macht der Hund schon etwas. Er schnüffelt kurz an der Maus und nimmt sie dann mit schöner Selbstverständlichkeit ins Maul. Er kaut zwei-, dreimal, man hört sehr kleine Knöchelchen knacken, dann ist die Maus weg. Der Hund schluckt und sieht uns an. In den Augen der Kinder helles Entsetzen, diesen Hund haben sie doch dauernd gestreichelt! Jetzt macht der so etwas, was ist das für eine Welt, also wirklich.

Der Hund schnüffelt kurz etwas herum, ob vielleicht noch weitere Mäuse für ihn bereitliegen. Dann sieht er uns wieder an, wie wir herumstehen und immer noch da hinsehen, wo eben dieser Snack gelegen hat, wo jetzt aber nichts mehr ist, überhaupt nichts, lehmiger Stallboden. Menschen sind seltsam, aber das weiß er vermutlich schon länger.

Er dreht sich um und trottet wieder zu seiner seine Hütte, denn ein Nickerchen wäre jetzt recht. Ich warte kurz, bis die Kinder wieder eine andere Beschäftigung finden, das dauert nicht allzu lange. Dann drehe mich auch um und trotte wieder zu meinem Sofa.

Der Hund und ich, wir machen so etwas schon länger, wir haben da eine gewisse Routine.

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