Rückseite

Ich habe zu danken für die freundliche Zusendung eines Mangas, einer ganzen Menge Sticker (Sticker sind den Söhnen wichtig, es muss unbedingt alles beklebt sein) und dieses Buches über die Mittagsruhe. Ganz herzlichen Dank!

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Vorderseite

Das Bild ist schon einige Wochen alt, es ist noch aus dem letzten Jahr. Es entstand in der Weihnachtszeit, als wir hier einige Tage wilden Spaß mit der unseligen Kombination von Home-School und Home-Office hatten, die, ich erwähnte es hier und da, übrigens nicht geht. Mein Nervenkostüm war in diesem Monat etwas ausgedünnt.

Ich sitze bei diesem Bild auf dem absurdgrünen Sofa im Flur, ich habe mein Notebook auf dem Schoß. Ich wollte da gar nicht hin, ich habe mich da nur selbst kurz geparkt, weil alle anderen Slots, wollte sagen Arbeitsplätze, gerade besetzt waren und alle um mich herum irgendwelche Calls hatten, wobei ich mich nicht konzentrieren kann, schon gar nicht, wenn es fröhlich eskalierende Kindercalls mit 27 lautgestellten Stimmen sind. Ich habe aber auch gleich einen Call und überlege gerade, wo ich jetzt hingehe, denn im Flur sitze ich äußerst ungünstig, da kommt dauernd jemand vorbei, der mich anspricht. In der Küche wäre es vielleicht gut, aber da ist der Tisch nicht freigeräumt, da stapelt sich alles und ich arbeite ungern zwischen benutztem Geschirr und Essensresten von gestern. Ich werde ungeplant angerufen. Ich gehe sogar ran, denn ich wollte genau diesen Kollegen schon länger sprechen, es ist auch halbwegs dringend. Die Herzdame geht vorbei und sagt etwas, ein Sohn geht vorbei und sagt etwas. Ich sage „Was“, ich sage „Hallo“, ich denke, ich muss hier weg. Ein Sohn stupst mich an und fragt nach einem Passwort, ich wedele ihn weg, er sagt „Aber!“

Ich stehe halb auf, denn ich muss wirklich dringend den Platz wechseln, das geht so alles nicht. Ich mache einen vorsichtigen Schritt, denn an dem Notebook hängen gerade die Kabel von Maus, Headset und Strom, die sich nur allzu gerne um meine Beine und Füße winden, damit ich die Laokoonszene in der Trivialausgabe 2.0 nachspielen kann.

Ich sehe nach unten, ich sage „Scheiße“, der Kollege und ein Sohn sagen: „Was?“

Die Herzdame reicht mir im wiederholten Vorbeigehen einen Kaffee zu, das ist wahnsinnig nett von ihr. Ich brauche nämlich dringend einen Kaffee und sie macht den allerbesten. Ein Kind sagt aus irgendeinem Grund „Scheiße“, ich sage „Was?“ Ich merke eine Sekunde zu spät, dass ich mit dem Kaffee in der einen Hand und dem noch aufgeklappten Notebook in der anderen und den Kabeln um meine Beine unweigerlich eine slapstickartige Entwicklung zu erwarten habe und denke kurz, wirklich nur ganz kurz, aber doch immerhin ausreichend lang für ein Bild, darüber nach, einfach alles fallen zu lassen und dann vielleicht noch auf allem, was dann da so am Boden liegt, ein klein wenig herumzutrampeln. Es ist ein enorm befriedigender Gedanke, vielleicht lächele ich dabei sogar, das habe ich im Dezember nicht oft gemacht.

Ich glaube jedenfalls, diese kleine entspannende Fantasie spiegelte sich recht deutlich in meiner Mimik und wenn ich ein Denkmal für mein Jahr 2020 entwerfen sollte, wenn ich es in einer Gestalt versinnbildlicht haben wollte, ich habe mir in dieser Sekunde Modell gestanden.

Ich sage: „Gottverdammt, das geht so alles nicht!“ Die Herzdame, Sohn I und Sohn II und der Kollege sagen: “Was?“

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