Ich habe für das Goethe Institut etwas über Klingeln am Deich geschrieben.

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Noch einmal Proust.

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Luftbetankung

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Hier geht es um die Menschen vor uns. Ich habe leider keine Vorfahren, also jedenfalls soweit ich weiß, die der Nachwelt Tagebücher oder Briefsammlungen hinterlassen haben. Ich selbst führe exzessiv Tagebuch, da wird es später einmal keine Beschwerden geben. Oder auch erst recht, was weiß ich, aber das wird mich dann ja nicht mehr kümmern. 

By the way, kennen Sie den Gedanken, wie vollkommen absurd es ist, dass es ganz im Ernst eine Erblinie gibt, die vom Anfang der Evolution bis zu uns reicht, also bis zu Ihnen, bzw. zu mir? Und dass sich das irgendwie unwahrscheinlich anfühlt, dass es uns überhaupt geben kann, wo doch so dermaßen viele Vorfahren ziemlich früh ausgeschieden sind, wo doch so unfassbar viele Personen im Stammbaum auf unvorstellbar viele Arten und sicher höchst unpassend verstorben sind, herausgerissen worden sind, und dennoch – was für ein Hasardspiel! – führt eine dünne Linie durch das ganze irrwitzig komplexe Geflecht der Geschichte und der Zeiten bis zu uns, und da sitzen wir dann und sind – nur wir. Wo wir doch unwahrscheinlicher als ein Sechser im Lotto sind, also gefühlt. 

Es ist natürlich ein Vexierbild, ein seelisches: Einerseits ist es klar und offensichtlich, dass bei all dem wüsten und wimmelnden Herumgelebe nach all den Jahrtausenden Leben auf der Erde irgendwas herausgekommen sein muss, was nun einmal jetzt ist, so wie immer etwas war und ist, und genau das sind im Moment eben wir und so gesehen sind wir es tatsächlich nur, das ist simpel, weil es irgendwer sein muss, und das ist alles, mehr ist da nicht. 

Andererseits aber, wenn man den Blickwinkel mal eben ändert und für einen Moment nur an seinen eigenen hauchfeinen Abstammungsfaden denkt, der sich da von Generation zu Generation durch schier unendliche Zeiten windet und schlängelt, wie unvorstellbar glückhaft ist es denn bitte, dass der nie gerissen ist. Nach all dem, möchte man doch einigermaßen fassungslos ausrufen, wenn man seine Existenz im ganz großen historischen Kontext bedenkt, nach all dem! Die Säbelzahntiger geschafft und die Pest und den Dreißigjährigen Krieg! Hätte auch nur einer der endlos vielen Menschen in der Ahnenreihe irgendeinen schweren Fehler einen Tick zu früh gemacht, wäre er oder sie nur etwas früher krank geworden und verblichen, hätte er oder sie im Gebirge einen falschen Schritt getan oder sich auf dem Meer zu weit über die Reling gelehnt – es gäbe uns nicht.

Man ist, so denke ich ab und zu, das Ergebnis einer unermesslich langen Versuchsreihe, einer nicht endenden und als Epos gänzlich unfassbaren Jagd nach Glück, Sinn, Weisheit, Reichtümern, Liebe, nach dem puren Überleben und auch nach Wärme und Halt und Essen und nach was weiß ich allem, und man ist dann ganz im Ernst, nach der längsten Saga aller Zeiten, weil sie tatsächlich alle Zeiten umfasst – einfach nur man selbst. Man kann sich vor den Spiegel stellen und ernst gucken und sagen: “Das also kommt dabei heraus.” Und dann kann man den Kopf schütteln oder freundlich nicken, je nach Stimmung, Mut und Verdrängung. 

Könnte ich tagelang drüber nachdenken. Oder länger. 

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