Wir waren auf Eiderstedt auch in der kleinen Stadt G***, ein Städtchen ist es eher. Nicht eben reich an touristischen Attraktionen, was man als Fluch oder Segen betrachten kann, es kommt wie immer darauf an. Kein Spaßbad, kein Freizeitpark, kein Streichelzoo, nichts von dem, was man so hat, als Stadt in einer Tourismusregion. Einen großen Edeka gibt es da aber, und das ist der Edeka, zu dem man fährt, wenn man einen Ferienwohnungseinkauf vor sich hat und einem aus irgendwelchen Gründen der Discounter nicht passt. Der Edeka liegt an der Durchfahrtstraße, und wenn man dort nur eben einkauft, bekommt man von G*** nicht viel mit. Man sieht vielleicht beim Einsteigen ins Auto, nachdem man die Einkäufe verstaut hat, noch gerade den gedrungenen Kirchturm, der hinten über die Häuser ragt. Vorne im Bild der weitläufige Parkplatz des Supermarktes, dann das weiße Zelt des improvisierten Testzentrums, zwei wartende Menschen davor, dann Häuser, Dächer, schließlich die Kirche. Die ist, soweit man so etwas auf Eiderstedt überhaupt behaupten kann, dann oben im Bild.

In früheren Jahren hat man es im Städtchen verstanden, Touristen durch eine Musikveranstaltung anzulocken, bei der abends etliche Bands und Solisten aller Art in den Straßen der Altstadt spielten. Das lief so gut, die Gäste schoben sich an manchen Abenden dicht an dicht durch die Straßen und vor die Bühnen, tranken Bier und aßen Wurst, was man als Tourist so macht. Das gibt es in diesen Zeiten selbstverständlich nicht mehr in dieser Form, schon bei dem Gedanken an dicht an dicht endet jede Planung.

Wir waren in jedem Jahr in der Stadt. Einmal hindurchspaziert, sie hat so eine handliche Größe, man kann mal eben hindurchgehen. In jedem Jahr gab es ein blindes Schaufenster mehr, hatte noch ein weiterer Laden aufgegeben, hatte wieder etwas geschlossen, fing etwas an zu verfallen. Als wir in diesem Jahr durch das gingen, was sicher einmal der belebte Mittelpunkt einer Stadt war, war dort nichts mehr, abgesehen von einem Imbiss, vielleicht waren es auch zwei. Kein Mensch, kein Leben. Keine Touristen, keine Einheimischen. Kein Handel. Einige der geschlossenen Läden werden gerade umgebaut, vielleicht entsteht da wieder etwas, vielleicht werden sie auch einfach nur abgebaut.

Wir gingen durch die Straßen und ein Sohn stellte die naheliegende Frage: „Wo sind die Menschen?“ Die Antwort kann man der Soziologie überlassen, der Politik, der Stadtplanung, der Geschichtsschreibung. Es ist nur die Wirkung, um die es mir geht, und die ich nicht besser zusammenfassen kann als es der andere Sohn dann mit einem lapidaren Satz tat: „War hier ein Atomunfall oder was.“

Der Satz ersetzt, so kommt es mir vor, den einen oder anderen Artikel zur Entwicklung der Innenstädte.

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