Rückseite

Ich habe zu danken für die Zusendung von Kaffee. Es kam ein Paket mit erlesenem Kaffee aus kleinen Röstereien, ganz etwas Feines. Mit Beschreibung der Aromen darauf, pralinig und samtig, so etwas steht da und ich schmecke das tatsächlich auch, endlich habe ich einmal das, was andere bei Rotwein dauernd haben. Schokoladig im Abgang! Wirklich sehr guter Kaffee. Ein Notizbuch mit güldenem Kuli und einem M auf dem Titel lag auch dabei, ich fühle mich reich beschenkt. Ganz herzlichen Dank in den Süden des Landes!

 

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Ein Beitrag geteilt von maximilian buddenbohm (@buddenbohm)

Vorderseite

Damit ich nicht wieder so lange nach Motiven für diesen Text suche wie beim letzten Mal, nehme ich aus sozusagen therapeutischen Gründen das Naheliegende, und zwar im wörtlichen Sinne. Neben mir liegen die Bücher auf dem Nachttisch. Das ist ein einfaches Bild, da müssen Sie sich nur, wie viele sind denn das, sagen wir einmal fünfzehn Bücher vorstellen, Büchereibücher in diesem Fall. Die haben also eine fettgedruckte Signatur auf dem Buchrücken, sind stabilisierend eingebunden und sicher nicht der allerschönste Anblick für Bibliophile, aber egal. Büchereibücher eben, Sie kennen das. Falls Sie noch ein Interieur-Detail ergänzen wollen, der Nachttisch an sich ist eine ausgediente hölzerne Obstkiste aus dem Alten Land, die wir erworben haben, ich muss es entschuldigend dazu sagen, bevor es hip war, die in Wohnungen zu haben. Es war also ein pionierhafter Kauf, da gingen wir einmal vor.

Da ich gerade über handlungsarme Bücher schrieb, ist der Proust dabei, der erste Band des Großwerks, vollkommen schmucklos eingebunden, ein grauer Klotz, unscheinbar wie ein Pflasterstein. Und durch Zufall sah ich im Vorbeigehen, dass Evelyn Waugh über Anthony Powell gesagt hat, er sei wie Proust, nur besser und lustiger, da habe ich den auch gleich mitgenommen. Und wo ich doch gerade Willa Cather lese, die über Kanada schreibt, habe ich auch noch Emily Carr mitgenommen, die das auch tut, wenn auch aus ganz anderer Perspektive.

Da liegen auch noch Herman Bang und Thomas Hardy, ein Evelyn Waugh ist ebenfalls dabei, da ich den ja eh in der Hand hatte, ein Robert Walser. Eine krude Mischung ist das, und so soll es auch sein. Dos Passos noch, den ich nie fertiggelesen habe. Ann Quinn, über die ich gerade irgendwo irgendwas gelesen habe. Ich habe schon wieder vergessen, was es war, aber es war jedenfalls lobend und ich habe mir den Namen merken können, immerhin.

Die Bücher liegen da also herum, das ist auch schon das ganze Bild, aber ich erzähle Ihnen noch eben etwas dazu. Ich liege nämlich mit Sohn II neben diesen Büchern, ich lese, er liest, Mangas natürlich. Ich lache etwas, er fragt warum. Ich sage, das Buch hier, das ist witzig, er fragt warum. Dann reden wir etwas über Buchanfänge und was man überhaupt so liest und es endet damit, dass ich ihm alle Buchanfänge vorlese. Ich nehme ein Buch nach dem anderen, ich lese den Anfang und wir überlegen, wie das wirkt, was das macht und ob das gut ist. Es ist fast nichts gut, findet er, besonders schlimm aber sind Thomas Hardy und Herman Bang. Wie gestelzt kann man sich ausdrücken? Ich sage, ich mag das, er sagt, das wundert ihn nicht.

Dann komme ich zu Kurzgeschichten von Kristen Roupenian, von der ich nicht einmal ansatzweise mehr weiß, wie sie überhaupt in diesen Stapel kommt. Der schmale Band heißt „Milkwishes“ und wurde von Nella Beljan übersetzt. Der erste Satz ist, so sagt der Sohn, wirklich gut: „Wir haben versucht, unseren Eltern eine Qualle aufzutischen.“

Und so dermaßen gut ist dieser Satz, dass ich auch gleich die ganze Geschichte vorlesen muss, und die ist dann insgesamt so gut, der Sohn ist hell begeistert und fällt zwischendurch vor Lachen vom Bett.

Falls Sie ein etwa zwölfjähriges Kind haben, die erste Story aus dem Band ist für das Alter offensichtlich der Knaller, aber lesen Sie danach bloß nicht weiter. Es ist kein Kinderbuch, wirklich nicht. Die anderen beiden Geschichten können Sie als erwachsener Mensch und als Storyfreund gut finden, ich empfehle das auch ausdrücklich, aber bitte leise und für sich. Drei Geschichten sind nur in dem Band, eine ist lustig, eine ist traurig, eine ist ernst. Gut sind sie alle, wobei die Feuilletons die erste ausdrücklich nicht so toll fanden, aber das wissen der Sohn und Sie ja jetzt besser.

Lesen Sie um Himmels willen keine Rezensionen zu dem Buch, sie spoilern alle ganz schlimm. Ernsthaft, die dritte Geschichte können Sie mit Spoiler vergessen, und das wäre schade. Wenn ich König von Deutschland wäre, Spoiler in Rezensionen wären verboten. Ab sofort. Das wäre aber auch die einzige sinnvolle Maßnahme, die mir spontan einfallen würde, alles andere wäre kompliziert. Schlimm.

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