Links am Morgen

Ich habe in dieser Woche etwas intensiver als sonst gearbeitet, so dass es sich im Nachhinein anfühlt, als hätte ich durchgearbeitet. Es gab überhaupt nur den Schreibtisch und mich davor, was wiederum zu einer Fehlwahrnehmung des Restlebens führte, welches es nämlich nicht gab, wodurch es im Ergebnis die ganze Woche in privater Hinsicht nicht gab und ich guckte dann irgendwann aus dem Küchenfenster und dachte: “Ach guck. Wetter und Welt und so. Gibt es ja auch!” Ziemlich wörtlich dachte ich genau das.

Okay. Jetzt also wieder eine Urlaubswoche, jetzt wieder das andere, mit Schreiben und Lesen und so. Zwischendurch übrigens, kurz vorm Einschlafen, las ich jeweils weiter in der Willa Cather, Schatten auf dem Fels. Das Buch ist sedierend, aber auf angenehme Art, also eher als Kompliment gemeint. Ich schätze solche Bücher. Es ist auch angenehm handlungsfrei, wie bereits mehrfach erwähnt, ist mir das in der Literatur oft sehr recht. Als ich neulich in der Bücherei größere Mengen Urlaubslektüre für Eiderstedt ausgeliehen habe, las ich etliche Klappentexte quer und wunderte mich wieder, warum das Schreiben über katastrophische Themen so eindeutig überwiegt. Es reicht nicht, dass jemand oder etwas handelt, es muss auch gleich wahnsinnig schlimm sein, warum findet das niemand merkwürdig. Es reicht etwa nicht, dass sich zwei nach langjähriger Beziehung entfremden, nein, es muss aus der Liebe Hass werden, und am besten, wenn man schon dabei ist, lässt man den einen auch gleich die andere umbringen, womöglich auf irgendeine bestialische Art. Als ob Entfremdung an sich nicht schon beeindruckend genug wäre, als ob Mann trifft Frau nicht schon für 300 Seiten reichen würde, bevor sie auch nur eine Nacht miteinander verbringen. Aber das nur am Rande. Gibt es eine undramatische Weltliteraturgeschichte? Würde mich interessieren. Falls nicht, schreibt die bitte mal jemand? Eine Liste mit den 500 besten handlungsarmen Büchern würde mir auch schon weiterhelfen. 

Egal. Erst einmal alles andere nachlesen. Etwa das hier:

Mein Haus, mein Auto, mein Wald

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Mit dem Wasser leben

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Zur Geschichte des Kapitalismus

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Über Alice Munro

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Über Proust.

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Wir halten an einer überholten Form von Mobilität fest

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9 Kommentare

  1. Gute Idee. Ich mag ja den Stechlin von Fontane, der gehört auf jeden Fall auf die Liste.

  2. Ich denke, „Oblomow“ von Iwan Gontscharow dürfte ein Kandidat für die Liste mit den 500 besten handlungsarmen Büchern sein, aber den haben Sie, wenn ich mich recht erinnere ja schon gelesen.

  3. Ich kann schon länger kaum noch fiktionales lesen, ich glaube, das ist bei mir berufsbedingt. In den letzten 10 Jahren habe ich unzählige Lebensläufe* zu hören bekommen, da hört man so unglaublich viel dramatisches und schlimmes und trauriges, dass ich vermutlich nie wieder auch nur eine Geschichte lesen kann, in der einer Person ausgedachtes dramatisches passiert.

    Mir fehlt da auch nichts, ich habe einfach keinen Bedarf mehr an fiktionalen Erzählungen. Lese mich durch meine Internetbubble und höre mich durch einschlägige Künstler:innen durch.

    *hab grad mal überschlagen, sicherlich ca. 2000.

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