Ich gehe an den Restaurants und Cafés und Kneipen vorbei, an den Menschentrauben der überbordenden Außengastronomie, die jetzt über Parkplätze, Bordsteine und Gehwege wuchert und überall bis zum letzten Platz besetzt ist. Noch ein Bier, bevor der Regen kommt, bevor die vierte Welle kommt oder irgendwelche Maßnahmen, die Polizei oder die Sperrstunde. Ja, die Polizei. Gestern haben sie hier um die Ecke Läden zugemacht, weil sich niemand mehr an egal was hält.

Ich gehe an den Tischen vorbei. Ich höre im Vorbeigehen ein Wort, ganz deutlich höre ich es aus dem Satzgewimmel heraus: „Corona.“ Ich höre es auch am nächsten Tisch und am übernächsten, „Corona, „Corona“, dann kommt noch ein Tisch, da höre ich „Sex.“ Das klingt nach Rap, finde ich, Corona, Corona, Corona, Sex, man hört doch den Rhythmus, das müsste doch noch weitergehen. Das würde dann vermutlich auch in meine Jazzraphopgroovefunk-Playlist auf Spotify passen.

Mir kommen zwei entgegen, die sagen:

„Bist du Biontech?“

„Ich bin das gute Astra.“

Dann kommt mir ein verwirrter Brabbler entgegen, einer von denen, die den ganzen Tag reden. Seltsam angezogen, das Hemd hängt aus der Hose, stark beschädigte Kleidung. Ein Buch in der Hand, in das er beim Gehen guckt. Ich kann nicht erkennen, was für ein Buch das ist. Er sieht sich über seine Lesebrille hinweg um, er sieht die Tische und all die voll besetzten Plätze und er sagt: „Das ist doch alles nicht realistisch hier.“ Er sagt es mehrfach vor sich hin und dann zu mir, ich nicke. Dann geht er zu den Tischen und sagt es den Leuten, dass das hier nicht realistisch sei, immer wieder sagt er das, mit erhobenem Zeigefinger und auch mit einiger Vehemenz. Die Leute gucken weg oder winken ab.

Es ist bald zehn, einer der Gäste der Außengastronomie sieht auf die Uhr und fragt, wann eigentlich Schluss sei, um zehn oder um elf oder um zwölf oder was: „Wie lange darf man denn überhaupt?“

Das ist der letzte Satz, den ich auf dem Spaziergang höre, und der ist als Ende auch okay.

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