Alltag fressen Blog auf, es ist wirklich etwas mühsam im Moment. Einiges aus den letzten Tagen aber noch, Nebenbeinotizen sind es nur. An einem Wochenendmorgen ging ich zum Bahnhof, um Blumen und Brötchen zu holen, das klingt wie ein Lehrbuchsatz über Wörter mit B, merke ich gerade. Am Bahnhof gab es bürgerkriegsähnliche Zustände, an denen die meisten Passanten allerdings achtlos vorbeiliefen, eher desinteressierte Blicke zur Seite. Ein Bild, das schwer verständlich wäre, würde man Fußballfans und ihr Verhalten am Wochenende nicht seit Jahren kennen. Da wurden also wieder welche noch vor dem abendlichen Spiel aus der Stadt geworfen. Lautsprecherdurchsagen von Polizeiwagen: „Hiermit erteilen wir einen Verweis“. Die Aufforderung, diese Stadt zu verlassen, man denkt gleich an Western, wenn man so etwas hört, diese Stadt ist zu klein für uns beide. Viele, viele PolizistInnen, Polizeiwagen und eine auf der Straße eingekesselte Fangruppe, hupende Autos, entnervte Busfahrer, Fangejohle. Dann wurde noch gesagt, dass man die unbändige Truppe jetzt augenblicklich zu einem Zug geleiten würde, zu einem Zug nach Lübeck, von wo aus dann alle beliebig weiterreisen durften, nur eben nicht zurück nach Hamburg, das auf keinen Fall, es wurde mehrfach gesagt und betont. Zugbrücken, dachte ich, Zugbrücken waren damals doch ganz praktisch. Nach Hamburg, so wurde weiter erklärt, durften die unwillkommenen Gäste erst wieder nach 22 Uhr. Solche Präzisierungen sind verständlich, aber auch amüsant, denn um 22 Uhr wird bekanntlich nichts besser oder auch nur anders, an keinem Tag. Aber gut, Platzverweise werden stets zeitlich begrenzt, ja, ja.

Auf dem Bahnhofsvorplatz lagerten jedenfalls etliche Polizistinnen und Polizisten in voller Kampfmontur, gerüstet wie Actionfiguren vor dem letzten Gefecht. Sie saßen in Einsatzwagen, sie standen vor Einsatzwagen, sie gingen gelangweilt herum. Sie liefen zu Einsätzen, sie rauchten eine oder redeten. Sie standen grimmigen Blickes und sprungbereit zur Verfügung, sie warteten auf weitere Order. Drei standen etwa, als ich gerade dort vorbeiging, in einer Reihe, warteten da nebeneinander auf etwas, ruckelten noch einmal Teile ihrer Ausrüstung zurecht, ob auch alles da war und richtig saß. Hinter ihnen ein weißes Pavillonzelt, es gehörte zu einer Kreuzfahrtgesellschaft, die hier ihre mit dem Zug anreisenden Gäste empfing. Direkt über den Polizisten konnte man den werbenden Schriftzug in großen Buchstaben lesen: „Hier ist das Lächeln zu Hause.“

So viel zum Bild des Morgens. In den letzten Absätzen kamen Busse vor, da habe ich ein Lied, fällt mir gerade ein. The innocence mission, Karen und Don mit Green Bus. Ein leicht perlender Song, ich mag ihn sehr. Und das Lächeln der Sängerin, überhaupt die Ausstrahlung der beiden.

An einer Ampel auf dem Rückweg wartete neben mir ein Mädchen im Grundschulalter, es sagte zu einem kleineren Jungen, den sie an der Hand hielt, zum kleinen Bruder also vermutlich: „Wenn etwas verboten ist, dann musst du es einfach nicht machen. Das ist ja jetzt nicht so schwer.“ Sie zog das o in dem Wort so sehr lang und sie sah ihn auch sehr streng an, weil es doch ernsthaft nicht zu verstehen war, wie dermaßen simple Regeln der Lebensführung ignoriert werden konnten. Also wirklich.

Dann standen wir da weiter und warten. Die Ampel zeigte Rot, und bei Rot geht man nicht, das ist nämlich verboten. Dachte ich.

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Ich wurde auf Twitter mehrfach darauf hingewiesen (vielen Dank!), dass die im letzten Text erwähnte Kuh vermutlich eine Schauspielerin war (hier die notwendige Erläuterung dazu ). Das klingt vollkommen plausibel, so wird es selbstverständlich gewesen sein, die hatte da Probenbetrieb, aber ich merke auch wieder: Es ist so eine Sache mit dem Gedächtnis. Bei einer Gegenüberstellung würde ich nämlich glatt sagen: Nein, diese Kuh war es nicht. Die sah anders aus, das Kuhbild in meiner Erinnerung weicht deutlich ab. Nachdenken über Kühe im Theater, das sind so die Probleme des Spätkapitalismus, meine Güte.

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