Es knirscht

Am Sonntagnachmittag sehe ich beim Kochen aus dem Fenster und runter zum Spielplatz. Es sind noch Menschen dort unten, es stehen noch Eltern an der Sandkiste, an den Schaukeln und Rutschen, sie werden wohl ihre herumtollenden Kinder in der schnell fallenden Dämmerung noch gerade eben unterscheiden können. Ich sehe auf die Uhr, es ist 17:15, bis dahin also reicht das Tageslicht schon wieder. Das sind doch Fortschritte, denke ich bemüht. Man muss sich die Pluspunkte in diesen Zeiten zusammensuchen, wo es nur geht. Beim nächsten Blick aus dem Fenster ist da unten aber schon alles gewohnt schwarz.

Es gibt Fisch mit selbstgemachter Bordelaise-Knusperkruste, etwa so. Da mir wider Erwarten das Pankomehl, bzw. auch das alternativ zu verwendende Paniermehl fehlt, zertrümmere ich kurzerhand herumstehende Salatcroutons vom Discounter in der Geschmacksrichtung Zwiebel-Knoblauch mit einer ebenso herumstehenden Dose Tomaten und verwende die Brösel, das erweist sich kurz darauf als gute Idee. Nur dass der Küchenboden jetzt beim Betreten des Raumes unangenehm knirscht, wie in einer Ferienwohnung am Strand. Ferienwohnungen! Das war damals.

Egal. Wie der Rest der Familie nach dem Essen sagt: Das Essen war viel besser als das bekannte Fertiggericht, das jetzt nur noch so machen. Okay.

Am Montagmorgen singen auf einmal entschieden mehr Vögel als in der letzten Woche vor der Haustür, ganz so, als hätten sie wie die Menschen auf einen passenden Montag gewartet, um gemeinsam mit dem nächsten Projekt zu beginnen. Ab Montag dann also Frühling 22, bitte pünktlich sein. Ich höre ihren Gesang beim obligatorischen Brötchenholen, und ich weiß, es sind nicht mehr nur die Meisen, es mischen sich jetzt andere Stimmen in den Chor. Ich erkenne die Gesänge nicht, aber es werden wohl Rotkehlchen und Zaunkönige dabei sein, von denen nämlich weiß ich, dass sie in diesen Büschen wohnen. „Ich weiß, wo du wohnst!“, rufe ich einem der Sänger zu, mit solchen Albernheiten gibt er sich allerdings nicht ab. Er singt einfach weiter, und wie schön er singt.

Auf der Speisekarte des Lokals um die Ecke aber, ich sehe es im Vorbeigehen, steht Steckrübeneintopf als Tagesgericht. Es ist noch lange Winter, auch wenn es für die Jahreszeit entschieden zu warm ist.

Am Dienstag fahre ich einen reparaturbedürftigen Rasenmäher durch die Gegend und wieder in den Garten, ich lade ihn aus und schiebe ihn in seinen Verschlag. Feiner Nieselregen, Krähen in den Bäumen, tropfende Zweige, nasser Rasen. Kein Mensch weit und breit, die Gärten liegen leer und brach. Umgestürzte Bohnenstangen, überwucherte Hochbeete, verwehte Laubhaufen. Ich finde vergessenen Rosenkohl, gerade genug für eine Person. Küchenzwiebeln treiben daneben schon aus, leuchtend grüne Spitzen unter verwelktem Mangoldlaub aus dem letzten Jahr.

Ich sammele Weidenzweige vom Rasen, die der Wind in den letzten Wochen aus dem Baum gerissen hat. Ich müsste keine Zweige sammeln, ich will hier nur einen Moment etwas machen, irgendetwas. Die Krähen sehen zu, was ich da treibe. Immer mehr und noch mehr Krähen sehen zu, am Ende fällt etwas Essbares bei meinem Treiben ab? Man weiß doch nie? Spöttische Rufe von oben und von hinten, als sie merken, dass ich da im Ernst nur dünne Zweige sammele. Was soll das werden, was der da macht, ein neues Nest im Januar oder was? Die spinnen doch, die Menschen. Sie lachen heiser und herablassend, als sei ich die clowneske Comedyshow des Tages. Ey, hast du den Menschen gesehen? Gleich fällt der erste Vogel vom Baum vor Lachen, so klingt es.

Ich kann so nicht arbeiten. Ich steige ins Auto und fahre wieder nach Hause, wo ich auch nicht arbeiten kann, aber aus anderen Gründen.

Abwechslung, so wichtig.

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Imre Grimm ist etwas sauer.

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