Währenddessen in den Blogs

Anke schreibt, was alle denken: „Ich weiß nicht, wie ich diesen Eintrag anfangen soll und vermutlich weiß ich auch nicht, wie er aufhören wird. Es fühlt sich falsch, fast frivol an, auf Insta Mahlzeiten zu posten und auf Twitter die Artbots zu retweeten, während nicht wirklich weit von mir weg Menschen in einem Krieg sterben.

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Die beiden wichtigsten Dinge, die eine ukrainische Frau wissen muss, sind: Wie man Borschtsch kocht und Molotow-Cocktails herstellt.“ Sagt Kateryna Yurko. Bis vor wenigen Tagen besaß sie ein Geschäft für Autoteile in Kiew.

Im gleichen Blog: „Die Nachbarin, die Urlaub genommen hat, um sich um Flüchtlinge zu kümmern. Die Kollegin, die für einen Ernstfall die Reisepässe der Familie überprüft hat. Der Freund, der eine WhatsApp-Gruppe gegründet hat, die er laufend mit Infos versorgt, welche Hilfsorganisation mit welcher Adresse hier in Berlin gerade welche Güter dringend braucht.

Gestern Abend auf Twitter die Bilder von den Aktionen im Berliner Hbf, der Empfang für die Geflüchteten aus der Ukraine, all die Menschen, die andere Menschen für eine Nacht oder länger aufnehmen. Ich glaube, in Hamburg gab es noch keine größere Ankunft. Oder ich habe es nicht mitbekommen. Aber das hier gesehen:

Das Wort Liebe aus riesigen Großbuchstaben neben einem Kirchenportal

Auf einem Schild vor einem laden steht Fuck P*T*N

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In Mosbach haben wir Ukrainierinnen getroffen, Mütter und Kinder, die vor dem Krieg geflüchtet sind. Mosbacher haben sie in Breslau in Kleinbusse eingeladen und hierhergebracht. In dem kirchlichen Gemeindezentrum, das zur Flüchtlingsunterkunft umfunktioniert worden ist, herrscht Chaos, überall Berge von Spenden, Kleider, Schuhe, Lebensmittel. Eine junge Gemeindemitarbeiterin mit familiären Kontakten in die Ukraine berichtet, sie habe am Morgen herumtelefoniert, ob es nicht jemanden gebe, der zwei nahezu neugeborene Zwillinge adoptieren könne, beide Eltern seien bei einem Bombenangriff ums Leben gekommen.

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Le pire est à venir, ist das Fazit, das Macron nach dem heutigen Telefonat mit Putin zieht. Ich muss sagen, ich bin heute so schockiert von dem, was man von dem Telefonat von Macron mit Putin erfährt, dass es mir schwerfällt, irgendetwas, außer dem Lebensnotwendigen, zu tun. Ich starre auf die Fernsehbilder der Zerstörung in der Ukraine und bin wie gelähmt.

So verbindet sich die Nachrichtenlage, gespiegelt in den Blogs, mit dem unweigerlichen Französischlernen zuhause mit den Söhnen. Le pire est à venir, das Schlimmste kommt noch. Das vielleicht doch mal merken.

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die kriegsängste sind nicht mehr nur diffus, ich verdränge sie bewusst. gestern wurde ein atomkraftwerk beschossen, also da gibt es keine grenzen mehr. ich habe insulin für ein paar monate im haus (brauche sehr wenig, das heißt also nicht so viel) und ein paar vorräte. wird die welt dieses wochenende untergehen oder erst ein bisschen später? ich tippe auf später und nehme nicht alles mit.

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Ich weiß nix, aber wenn ich was wüsste, wäre es auch egal.“ Die Frau Herzbruch in ihrem schicken neuen Blog.

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Die Kunst von Maria Prymachenko.

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